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Boulevard

04. Dezember 2016 | 15:17 Uhr

Reportage : Wenn Menschen depressiv werden

vom

Depression ist eine Volkskrankheit. Manchmal wird sie als Hang zur Traurigkeit verniedlicht. Aber sie ist viel mehr als das. Sie ist nicht heilbar, sie zieht Menschen runter und löst Ängste aus, die sich kaum aushalten lassen.

Jana und Uwe haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Sie ist Bloggerin und lebt in Berlin, er ist Informatiker aus Schwäbisch-Hall. Sie ist Single, er Familienvater, sie ist 28 Jahre alt, er 49.

Aber sie beide haben Depressionen. Sie leiden regelmäßig unter dunklen Phasen, in denen sie das Gefühl haben, in ein Loch zu fallen, überwältigt zu werden von Traurigkeit und Existenzängsten. Beiden würde man ihre Erkrankung nicht sofort ansehen. Aber sie haben sich entschlossen, nicht zu verschweigen, dass sie depressiv sind.

Die eindrucksvolle Reportage «Wenn Menschen depressiv werden» aus der Reihe «37 Grad» porträtiert Jana und Uwe und zeigt, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen. Das ZDF sendet die Dokumentation von Wibke Kämpfer am Dienstag um 22.15 Uhr. Die «37 Grad»-Dokus sind nie Schnellschüsse. Sie nehmen sich Zeit, verfolgen ein Thema oft über viele Monate, gehen in die Tiefe und kommen dicht ran an die Menschen, die sie vorstellen. Gerade das macht ihre Stärke aus. Und das ist auch in diesem Fall so.

Jana ist schon seit vielen Jahren depressiv, so wie rund vier Millionen Menschen in Deutschland. Ihre Erkrankung wurde diagnostiziert, als sie 23 war. «Die Depression ist ein Teil von mir, aber ich bin nicht die Depression», betont sie. Das klingt selbstbewusst, aber sie sagt auch: «Bei mir sind Suizidgedanken permanent präsent.»

Janas dunkle Phasen können Wochen oder Monate dauern. Sie hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. Was sie am meisten wütend gemacht hat, sind die vermeintlich klugen Ratschläge von Nicht-Depressiven. In hellen Phasen ist sie total optimistisch, zwischendurch setzt sie ihre Antidepressiva ab. Aber dann folgt ein Zusammenbruch, wochenlang geht es ihr schlecht. «Ich würde lieber ohne Arme leben als mit Depressionen», sagt sie. Und sie hat das Gefühl, es werde immer schlimmer.

Uwe hat mit der unheilbaren Krankheit schon viele schlimme Erfahrungen gemacht, er weiß, eine Depression ist nicht einfach nur traurig zu sein. Schon einmal war er mehrere Monate in der Psychiatrie. Er hat einen Suizidversuch unternommen. Seitdem nimmt er Antidepressiva. Jetzt will er wieder zurück ins Berufsleben, als Informatiker bei einem großen Versicherungskonzern. So eine Wiedereingliederung hat er bereits hinter sich. Beim ersten Mal ging es schief. Und deswegen hat er nun Angst davor, wieder zu scheitern, auch seine Frau Sybille macht sich Sorgen um ihn.

Uwe erklärt seiner Tochter mit Hilfe eines Bilderbuches, wie sich Depressionen anfühlen: wie ein schwarzer Hund, der einen verfolgt und einen nicht mehr alleine lässt. Seine Tochter erinnert sich noch gut, wie es in seinen dunklen Phasen war: «Meine Freundinnen hatten immer Angst, ihn was zu fragen», erzählt sie. Es sei so gewesen, als hätte er noch eine andere Person in sich gehabt.

Tatsächlich hat auch Uwe einen Rückfall. «Er spricht nicht mehr viel, er lacht gar nicht mehr», erzählt seine Frau. «Für eine Beziehung ist so eine Depression sehr belastend», sagt sie ganz offen. Uwe grübelt oft viel, zieht sich in sich selbst zurück. Sybille traut sich kaum, ihn dann anzusprechen.

Wibke Kämpfers beeindruckende Dokumentation hat kein echtes Happy End. Jana geht es noch nicht wieder richtig gut, aber immerhin hat sie am Schluss einen Therapieplatz bekommen. Und Uwe, der ebenfalls therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt, sieht seine Entwicklung jedenfalls positiv: «Vor anderthalb Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich so weit komme», sagt er.

Wenn Menschen depressiv werden

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erstellt am 22.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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