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Boulevard

06. Dezember 2016 | 17:11 Uhr

Kämpfe der WWE : Warum steigt Tim Wiese beim Wrestling in den Ring?

vom

Der ehemalige DFB-Torhüter startet am Donnerstag seinen ersten Schau-Kampf als Wrestler: Warum dieser Wechsel? Und was ist Wrestling überhaupt?

München | „Bad Boy“ Tim Wiese erprobt sich in einer neuen Sportart: Der frühere Torwart der Fußball-Nationalmannschaft will die Wrestling-Welt erobern. Lange Zeit kannte man Wiese als Torwart in der Fußball-Bundesliga. Am Donnerstag startet er als Wrestler bei Schaukämpfen in München seine zweite Karriere. Das hatte der Verband World Wrestling Entertainment (WWE) vor rund einem Monat bekannt gegeben. Mit markigen Sprüchen stimmte sich der 34-Jährige auf das Groß-Event ein. Er kann das Ende seiner monatelangen Arbeitslosigkeit kaum erwarten.

Ein gewöhnlicher Kicker oder Keeper war er nie: Das Auffallen war stets eines seiner Markenzeichen. Grellpinke Trikots, extrem gegelte Haare, Lamborghini: Wiese polarisierte und unterhielt. Fast vier Jahre nach dem letzten Spiel als Profifußballer gibt der Ex-Nationaltorwart jetzt sein Wrestling-Debüt. Unter dem Kampfnamen „The Machine“ will es der 34-Jährige als Showkämpfer nach unzähligen Stunden im Fitnessstudio noch einmal wissen. Dass er dafür auch belächelt wird, scheint ihm egal zu sein.

Extremer Wechsel der Sportarten

Auf so eine Bühne hat Tim Wiese gewartet. Ring statt Rasen, Prügel statt Paraden, und ganz dicke Muskeln: Fast vier Jahre nach dem letzten Spiel als Profifußballer gibt der Ex-Nationaltorwart sein Wrestling-Debüt. In der Münchner Olympiahalle soll an diesem Donnerstagabend für Wiese die zweite Sport-Karriere beginnen, nachdem 1899 Hoffenheim im Januar 2013 für ihn als Keeper keine Verwendung mehr hatte. Nach unzähligen Stunden im Fitnessstudio will es der 34-Jährige als Showkämpfer noch einmal wissen. Dass er dafür auch belächelt wird, scheint ihm egal. Er sieht sich offenbar wie geschaffen für seinen neuen Job im Wrestling.

Show, aber kein Fake: Das ist Wrestling

Wrestling ist eine sportliche Show, bei der sich Kämpfer meist in einem Ring gegenüber stehen. Der Ausgang des Kampfes ist vorab abgesprochen, Bewegungsabläufe häufig zu einem gewissen Grad durchchoreographiert. Dennoch braucht es für die Aktionen vor allem Kraft und Athletik. Auch schwerwiegende Verletzungen bleiben dabei nicht aus.

Archetypisch geht es im Wrestling häufig um das Duell Gut gegen Böse, die Kämpfer stellen Charaktere dar, die diese Pole repräsentieren.

Vor allem in den USA, Japan und Mexiko hat Wrestling in verschiedenen stilistischen Ausprägungen eine lange Tradition. Die weltweit bekannteste Liga ist derzeit das amerikanische „World Wrestling Entertainment“, früher unter dem Namen „World Wrestling Federation“ bekannt.

Zu den bekanntesten Stars der Wrestling-Geschichte zählen Hulk Hogan, der Ultimate Warrior, der Undertaker und The Rock.

In Deutschland dominierte früher das sogenannte Catchen, abgeleitet von Catch-as-Catch-can. Die Unterschiede zum modernen professionellen Wrestling liegen dabei im Regelwerk, so finden die Catch-Kämpfe üblicherweise in einem System über mehrere Runden statt.

Was hat ein einstiger Fußball-Nationalspieler im Wrestling-Ring verloren?

Fußball Abschiedsspiel von Ailton am 6. September. 2014 im Weserstadion in Bremen. Der Ex-Werder Torwart und frühere deutsche Fußball-Nationaltorwart Tim Wiese steht beim Aufwärmen auf dem Platz

Fußball Abschiedsspiel von Ailton am 6. September. 2014 im Weserstadion in Bremen. Der Ex-Werder Torwart und frühere deutsche Fußball-Nationaltorwart Tim Wiese steht beim Aufwärmen auf dem Platz

Foto: dpa

Der WWE-Konzern setzt bei der Vermarktung von Wrestling auf Wieses Gesicht. Typen wie Wiese können dazu beitragen, das US-Unternehmen auch international nach vorne zu bringen. „Tim scheint in Europa recht bekannt zu sein, sicherlich hat sein Name eine gewisse Anziehungskraft“, sagte WWE-Manager Ed Wells der „Welt am Sonntag“. Künftig will die Organisation die Hälfte ihres Gesamtumsatzes - der 2015 knapp 660 Millionen Dollar betrug - außerhalb der USA erlösen. „Deutschland ist ein strategischer Wachstumsmarkt“, sagte Wells.

Mit wem steigt Wiese in den Ring?

 

Bei einem Live-Event der World Wrestling Entertainment (WWE) bekommt Wiese in einem sogenannten Six-Man-Tag-Team-Match seine erste Bewährungsprobe im neuen Metier: An der Seite der Szene-Größen Cesaro und Sheamus kämpft er gegen The Shining Stars mit Bo Dallas. „Ich habe hart für diesen Augenblick gearbeitet und kann es kaum erwarten“, sagte der einstige Bundesliga-Profi und Nationalspieler.

Schinderei im Kraftraum

Für seine zweite Karriere hat sich der gebürtige Bergisch Gladbacher im Gym gequält und im Vergleich zu seinem Fußballer-Gewicht fast 30 Kilogramm zugelegt. „117 Kilo reine Power“ bringe er auf die Matte. Das Wachsen der Muskelberge konnten die Fans stets mitverfolgen, in sozialen Netzwerken präsentierte sich der solariumgebräunte Wiese mit regelmäßigen Selfies. #breitwienie ist einer seiner bevorzugten Hashtags.  „Endspurt! Powernahrung für mein erstes Wrestling Match in München. Perfektes Fleisch“, schrieb Wiese vier Tage vor dem Kampf unter ein Foto auf seiner Facebook-Seite, auf dem er mit mehreren Kilogramm Fleisch posierte.

Kein Freund bescheidener Worte

Tim Wiese mit den Wrestling-Ladys Summer Rae (l) und Alica Fox. Affonso Gavinha/WWE
Tim Wiese mit den Wrestling-Ladys Summer Rae (l) und Alica Fox. Affonso Gavinha/WWE Foto: Affonso Gavinha / Wwe / Ho
 

Mit forschen Sprüchen stimmte er sich schon auf das Großmaul-Business Wrestling ein. „Es kann kommen, wer will. Meine Taktik ist, direkt auf den Gegner zu gehen und ihn komplett zu zerstören“, sagte er etwa der Bild-Zeitung. „Nervosität? Das Wort kenne ich nicht“, erzählte er der Sport Bild und kündigte an, er werde „wie ein Tornado durch den Ring fegen, das wird meinen Gegner wehtun. Ich bin eine deutsche Eiche, eine deutsche Maschine, ich muss meinen Mann stehen“.

Inszenierung ist alles

Tim Wiese zeigte im Herbst 2014 seine Muskeln im Wrestling-Ring.
Tim Wiese freut sich auf sein lang ersehntes WWE-Debüt. Foto: Affonso Gavinha/WWE
 

Für Wiese geht es darum, sich zu behaupten. An den Athleten selbst liegt es aber, sich zu inszenieren und die Fans zu begeistern. „Ich weiß, dass Tim als ehemaliger Leistungssportler alles mitbringt, was es braucht, um sich auf ein Ziel zu fokussieren und dann alles zu geben, um es zu erreichen“, meinte etwa WWE-Vizepräsident Paul Levesque, der als Triple H selbst einer der größten und erfolgreichsten Wrestler im Ring ist. „Schauspielern kann ich, das liegt mir im Blut“, sagte der Ex-Keeper der Bild-Zeitung: „Mein Leben ist Show!“ Der Ausgang der Kämpfe ist abgesprochen. Wer gewinnen wird, wollte der WWE vor dem Großereignis jedoch nicht verraten.

Theoretisch weiß er, wo es lang geht

Bereits im November 2014 hatte Wiese einen Show-Auftritt, als die WWE-Serie in der Festhalle Frankfurt am Main gastierte. Er lieferte sich dabei eine verbale Auseinandersetzung im Ring und zeigte seine Muskeln. Der 34-Jährige spielte letztmals im Januar 2013 für 1899 Hoffenheim in der Bundesliga.

Und was ist mit Fußball?

Der frühere Fußball-Nationaltorwart Tim Wiese posiert am 15.11.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) bei einer Wrestling-Veranstaltung.

Der frühere Fußball-Nationaltorwart Tim Wiese posiert am 15.11.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) bei einer Wrestling-Veranstaltung.

Foto: Affonso Gavinha/WWE
 

Mit dem Fußball hat der Familienvater inzwischen abgeschlossen. Dabei war er ohnehin nie ein gewöhnlicher Kicker oder gewöhnlicher Keeper. Neben dem Talent auf der Torlinie war das Auffallen stets ein Markenzeichen. Grellpinke Trikots, extrem gegelte Haare, Lamborghini: Wiese polarisierte und unterhielt, nur zurückhaltend gab er sich nie. Nach seinem Bundesliga-Debüt 2002 mit dem 1. FC Kaiserslautern hatte er bei Werder Bremen seine erfolgreichste Zeit, wurde 2009 Pokalsieger und stand ein Jahr darauf im deutschen WM-Kader, der in Südafrika Platz drei holte. Nach seinem Wechsel zu Hoffenheim 2012 ging es bergab, mit der Degradierung in die Trainingsgruppe 2 endete Wieses Fußballer-Karriere. Doch nun will er wieder in die Öffentlichkeit.

Live ist alles

Tickets für das Groß-Event in München waren am Mittwochabend noch zu haben: Zwischen 56,40 Euro und 113,90 Euro sollen die Karten kosten. Wiese- und Wrestling Fans, die keine Tickets für das Live-Event in der Münchner Olympiahalle haben, müssen sich bis nach dem Kampf gedulden. Weder im Fernsehen noch im Internet wird der WWE das Ereignis übertragen, sagte ein Sprecher heute. Wann genau das Unternehmen Bewegtbilder veröffentlicht, war zunächst unklar.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 20:24 Uhr

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