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Boulevard

10. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Medien : Tschernobyl, Fukushima - Leben im Risikogebiet

vom

Tschernobyl und Fukushima stehen für zwei Nuklearkatastrophen, die Geschichte geschrieben haben. Ein Themenabend auf Arte wirft ein Licht darauf: Die Dokumentation «Tschernobyl, Fukushima - Leben im Risikogebiet» macht an diesem Dienstag ab 20.15 Uhr den Auftakt.

Die Dokumentation beginnt mit einem Unglück vor 30 Jahren, an das sich noch viele Menschen erinnern können, weil es ungeahnte Folgen für Millionen von Menschen hatte.

Am 26. April 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk von Tschernobyl in der Ukraine der bislang schwerste Nuklearunfall überhaupt. Die Havarie von Reaktorblock Nr. 4 hatte zur Folge, dass innerhalb von zehn Tagen riesige Mengen radioaktiver Partikel - zwischen sechs und sieben Tonnen - in die Umwelt gelangten. Mehr als 300 000 Menschen mussten umgesiedelt werden.

Die gesamte Region um das Kraftwerk wurde zum Sperrgebiet erklärt, zwei Städte und mehr als 100 Dörfer mussten aufgegeben werden - ein Exodus ohne Aussicht auf Wiederkehr. In Europa waren und sind den Daten des Dokumentarfilmteams zufolge etwa sechs Millionen Menschen und 145 000 Quadratkilometer Land betroffen. Die Langzeitfolgen dieser Katastrophe lassen sich bis heute nicht absehen.

Dann, vor fünf Jahren, hat die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima Japan erschüttert. Die Unfallserie begann am 11. März 2011 mit einem Erdbeben und setzte sich dann in vier von sechs Reaktorblöcken fort, wobei es in drei Blöcken zur Kernschmelze kam. Große Mengen von radioaktivem Material - etwa die Hälfte von Tschernobyl - wurden freigesetzt. Rund 170 000 Einwohner wurden evakuiert.

Was bedeutet ein Leben mit einer solchen Verseuchung? Der Autor Olivier Julien kann diese Frage nicht endgültig beantworten, aber er hat einige Menschen in den betroffenen Regionen wie rund um Tschernobyl besucht, die zum Beispiel erzählen, dass erst der Wind und dann der Regen die unsichtbaren und gefährlichen Teilchen über die Ukraine und die Nachbarländer wie Weißrussland und Norwegen gebracht hat.

Die Bewohner erzählen anschaulich und ergreifend von ihrem Alltag in einer radioaktiv verseuchten Umgebung. Der Autor zeigt Bilder von vermeintlich idyllischen Landschaften, während er von bedrohlichen Fakten berichtet, und er lässt wissenschaftliche Experten zu Wort kommen. Damit wird diese unsichtbare Bedrohung für uns alle in erschreckender Weise deutlich gemacht.

Zwei weitere Arte-Dokumentationen befassen sich an diesem Abend mit den Risiken der Atomkraft: «Die Reise zum sichersten Ort der Erde» (21.45 Uhr) von Edgar Hagen geht der Frage nach, was mit dem radioaktiven Müll geschehen soll und ob es überhaupt einen sicheren Ort für Endlager geben kann. In «Der russische Specht» (23.30 Uhr) verknüpft der Regisseur Chad Gracias historische Tatsachen mit Verschwörungstheorien.

Kein Zweifel: Der Super-GAU von Tschernobyl vor 30 Jahren und die Kernschmelze von Fukushima vor 5 Jahren haben die Erde und die Menschheit verändert. Fazit des Themenabends: Nichts ist mehr sicher auf dieser Welt angesichts solcher Katastrophen, und es gibt keine Garantie dafür, dass es uns eines Tages nicht auch erwischt. Keine beruhigenden Aussichten.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 00:01 Uhr

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