zur Navigation springen

Boulevard

11. Dezember 2016 | 09:05 Uhr

Acht Leichen gefunden : Tote Babys von Wallenfels: Mutter zu 14 Jahren Haft verurteilt

vom

Ermittler entdeckten acht Babyleichen, in Handtücher eingewickelt und verwest. Vier von ihnen wären lebensfähig gewesen.

Coburg | Die Mutter der acht toten Babys aus dem oberfränkischen Wallenfels ist wegen Totschlags in vier Fällen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied das Landgericht Coburg am Mittwoch. Der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Vater wurde freigesprochen.

Der grausige Fund im Wohnhaus einer Familie in Bayern erregte bundesweit Aufsehen: Ermittler entdeckten im November 2015 acht Babyleichen, in Handtücher eingewickelt und verwest.

Bei vier der Babys war laut Staatsanwaltschaft nicht festzustellen, ob sie gelebt hatten oder lebensfähig gewesen wären. Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes in vier Fällen und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für die 45-Jährige gefordert.

„Wenn ein solcher Fall verhandelt wird wie dieser, dann gibt es plötzlich ganz viele, die wissen, was richtig ist: dass hier eine angebliche Horror-Mutter für immer eingesperrt gehört“, sagte der Vorsitzende Richter. „Wir müssen in einem ersten Schritt versuchen, das Verhalten nachzuvollziehen. Das hat nichts damit zu tun, es zu rechtfertigen, sondern zu versuchen, es zu verstehen.“ Dann aber müsse auch juristisch entschieden werden, wie die Angeklagten ihr Verhalten zu verantworten haben.

Beamte der Spurensicherung betreten ein Haus im bayerischen Wallenfels. Die Polizei hat hier die sterblichen Überreste von acht Säuglingen gefunden. /Archiv
Beamte der Spurensicherung betreten ein Haus im bayerischen Wallenfels. Die Polizei hat hier die sterblichen Überreste von acht Säuglingen gefunden. /Archiv Foto: Nicolas Armer
 

Im Prozess, der über nur vier Verhandlungstage lief, hatte ein psychiatrischer Gutachter die 45-Jährige für voll schuldfähig erklärt. Sie sei weder schwer psychisch krank noch alkoholabhängig. In diesem Fall müsste die Frau voraussichtlich mindestens etwa 20 Jahre im Gefängnis bleiben.

Einsatzkräfte vor dem Haus in Wallenfels. Die sterblichen Überreste der Säuglinge waren bei einem Notarzteinsatz gefunden worden.
Einsatzkräfte vor dem Haus in Wallenfels. Die sterblichen Überreste der Säuglinge waren bei einem Notarzteinsatz gefunden worden. Foto: News5 / Fricke
 

Die Mutter hatte zum Prozessauftakt über ihren Anwalt eingeräumt, mehrere ihrer acht Neugeborenen getötet zu haben - jene, die gelebt hätten. Allerdings könne sie sich nicht genau erinnern, wie viele das waren. Ihr Noch-Ehemann hatte sich zu den konkreten Vorwürfen gegen ihn nicht geäußert, hatte aber der Polizei gegenüber behauptet, nichts von den acht Schwangerschaften seiner Frau oder den Babyleichen gewusst zu haben. Sie hingegen hatte erklärt, ihrem Mann mehrfach von Schwangerschaften und einmal auch von einem toten Baby im Haus erzählt zu haben.

Eine Anwohnerin hatte den Notruf gewählt, nachdem sie in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden hatte. Daraufhin entdeckten die alarmierten Polizisten in einem Zimmer mehrere weitere Leichen.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Jul.2016 | 10:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen