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Boulevard

07. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Medien : Tankstellen des Glücks

vom

Wenn einer wie Friedrich Liechtenstein («Supergeil») für das Fernsehen über den Kontinent fährt, dann im goldenen Benz. Selbstredend.

Der Berliner Entertainer mit Bart und Sonnenbrille liebt steile Thesen - und in seiner neuen Arte-Serie «Tankstellen des Glücks» legt er eine recht steile These vor: «Tankstellen», behauptet Liechtenstein, «sind die romantischsten Orte der Gegenwart.»

Moment mal, die Häuschen mit Plattdach, an denen es nach Benzin riecht und die Zigaretten an der Kasse verkaufen? Liechtenstein ist rund 8200 Kilometer durch Europa gefahren, um das Kulturphänomen zu erforschen. Von Berlin nach Paris, von Mailand nach Kopenhagen. Die zehnteilige Serie wird in einem Rutsch an Pfingstmontag (16. Mai) ausgestrahlt, am passenden Thementag «Tankstellen-Träume».

Liechtenstein scherzt in der TV-Reihe mit der Luxemburger Köchin Lea Linster in ihrer Küche, an deren Stelle früher eine Tanke stand. Und er mimt mit Sänger Gunter Gabriel einen Tankstellenraub. Liechtenstein fährt auch Mofa, Motorroller und wird mit seinem goldfarbenen Wagen irgendwann in einen Unfall verwickelt. Zwischendurch sieht man ihn singen und performen.

Überhaupt, Liechtenstein tänzelt viel. Sein Tanzstil machte den Künstler aus dem Osten Deutschlands 2014 schlagartig bekannt - damals schwofte er im Werbespot durch einen Supermarkt. Nun streift er durch Tankstellen. Die Macher von Arte erzählen, sie seien relativ schnell von der Idee überzeugt gewesen. Das habe nicht lange gedauert, sagt der Geschäftsführer von Arte Deutschland, Wolfgang Bergmann.

«Ich liebe Tankstellen, wirklich», sagt Liechtenstein, als er das Projekt in einem Berliner Club vorstellt. «Ich kann ja auch nichts dafür.» Er erklärt das mit einer gehörigen Portion Nostalgie: Tankstellen seien am Verschwinden. Und immer, wenn etwas verschwinde, schaue man darauf plötzlich mit einem liebevolleren Blick. Das sei auch mit hässlichen Häusern so, die auf einmal gesprengt werden.

Und man verbinde damit Erinnerungen. «Relativ schnell hat jeder eine Tankstellen-Geschichte parat», sagt Liechtenstein. Flüchtige Treffen an der Tanke hätten manchmal etwas Amouröses, eine gewisse Sexyness. Man treffe dort auch Eltern, die mit ihren Kindern zum Meer fahren, oder ältere Herrschaften mit gehäkeltem Klopapierüberzug. Jeder fahre eben mit seiner eigenen, kleinen Welt zur Tanke.

Fest steht jedenfalls, dass sich Tankstellen ziemlich verändert haben. Heute sei man meilenweit entfernt von der Pumpe am Straßenrand von früher, sagt Jochen Wilhelm vom Tankstellen-Interessenverband tiv, der Pächter vertritt. «Die Tendenz geht hin zu gut gelegenen, großvolumigen Stationen.» Ihr Verbands-Magazin mit dem Namen «Tankstelle» habe mit Liechtenstein auch schon ein Interview gemacht.

Dass der Entertainer gerne vom interessanten «Unort Tankstelle» spricht, ist für Verbands-Geschäftsführer Wilhelm etwas hochgestochen. Der Begriff passe vielleicht zu intellektuellen Debatten, aber sie seien ja nicht in Paris. «Wir sind da pragmatischer. Wir müssen unser Geld dort verdienen», sagt er. Die Tankstelle sei kein Unort. «Die Tankstelle ist ein Ort der Begegnung und des Wirtschaftens.»

Liechtenstein erzählt wie stets einiges, was mitunter verworren klingt. Man könne sich an Tankstellen verlieben, Einsamkeit üben, die Welt beweinen und die Moderne verstehen. Er spricht davon, dass an Tankstellen und Grenzen auf eine bestimmte Weise auch unsere Freiheit verhandelt worden sei. Und dass die Stationen auch mit Hässlichkeit und Schuld verbunden seien (Stichworte: Benzin, Erdöl, Autofahren).

Das Projekt ist ein wenig wie Liechtenstein selbst - irgendwie irre, irgendwie inszeniert, aber irgendwie auch spannend. Der Zuschauer kommt rum in Europa und sieht etwas, worauf er bislang vielleicht noch nicht so geachtet hat. Liechtenstein sagt, er hoffe, dass man den «Unort Tankstelle» danach anders betrachte.

Tankstellen des Glücks

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erstellt am 16.Mai.2016 | 00:01 Uhr

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