zur Navigation springen

Boulevard

09. Dezember 2016 | 03:05 Uhr

Film : «StadtLandLiebe»: Ab ins dörfliche Gruselkabinett

vom

Was für eine Erkenntnis nach 90 Minuten Film: «Das Glück finden wir immer bei den Menschen, die wir lieben.» Bis es so weit ist, müssen Anna und Sam Irrungen und Wirrungen durchleiden, und die Zuschauer gleich mit.

Vom hippen Berlin ist das Veganer-Paar aufs Land gezogen und stellt schockiert fest, dass die Kloppendorfer ihrem Namen alle Ehre machen und mehr oder weniger allesamt bekloppt sind. Die Liebe wird auf eine harte Probe gestellt und sie fragen sich: Wer wollte überhaupt in die Provinz und vor allem warum?

Die Komödie «Stadtlandliebe» von Marco Kreuzpaintner («Krabat») kontrastiert die Befindlichkeiten und Sehnsüchte moderner Großstädter mit dem Leben exzentrischer Dörfler. Allerdings eher flach und verbunden mit so einigem Fremdschämen, vor allem in Sachen Romantik und Liebesbeweise. Stichworte: Strip im Kuhstall und Sex mit Schafen.

Jessica Schwarz («Romy») spielt die Chirurgin Anna, die vor lauter Stress gar nicht mehr merkt, wer ihr da unters Messer kommt. Als sie nicht erkennt, dass der letzte Patient, dem sie den Blinddarm rausgeschnitten hat, ihre Mutter war, will sie kündigen und sich den Traum vom simplen Landleben erfüllen, wie er in Hochglanzmagazinen angepriesen wird. Sie übernimmt eine Landarztpraxis. Ihren Freund Sam (Tom Beck - «Schlussmacher») ködert sie mit der Aussicht, dass er den Job in der Werbeagentur gegen ein Dasein als freier Schriftsteller eintauschen kann. Doch beide haben nicht mit der Realität gerechnet.

Als sie am Umzugstag Richtung Kloppendorf fahren, springt kurz vor ihrem neuen Zuhause ein nackter Waldindianer mit Lendenschurz und Axt hinter einem Baum hervor. Die Stimmung kippt und auch der Film. Ab diesem Moment jagt eine Klamotte die nächste, öfter garniert mit Szenen in schlüpfrigen Altherrenwitz-Manier. Eine Kostprobe: Ein alter Mann erwacht nach vielen Jahren aus dem Koma. Sein erstes Wort: «Bier». Seine mittlerweile gealterte Frau ist überglücklich und bringt ihm eine Flasche. Sein Kommentar: «Der Service war auch schon mal knackiger.» Doch dann fällt sein Blick auf ihre Brüste, die sich unter der Bluse abzeichnen. «Euch zwei kenn ich!», und freudestrahlend schließt er seine Agathe in die Arme.

In weiteren Rollen: Uwe Ochsenknecht («Die Udo Honig Story») als herrischer Multi-Unternehmer Garms und Gisa Flake («Wickie und die starken Männer»). Als Sprechstundenhilfe sieht sie sich als wahre Herrin der Praxis und massiert die Patienten mit vollem Einsatz ihres wuchtigen Körpers oder steckt ihnen massenhaft Schmerzmittel zu.

Viele Witze wirken bemüht, ebenso wie die recht grob gezeichneten Charaktere, die in Kloppenburg wohnen. Sam freundet sich trotzdem mit ihnen an. Wie für einen Jungbauern-Kalender posiert er mit süßen Ferkeln, während er nebenbei die Nachbarin Agathe überzeugt, ihr Biofleisch nicht mehr auf dem Wochenmarkt zu verkaufen, sondern lieber online.

Woher Sams Begeisterung für die Dorfbewohner kommt, ist nicht ganz nachvollziehbar, denn wirklich sympathisch werden sie im Laufe des Films nicht. Kloppendorf bleibt ein Gruselkabinett, das Fluchtreflexe auslöst. Einer der Dorfbewohner mit Ambitionen nach der coolen Großstadt bringt es auf den Punkt, vielleicht auch in Anspielung auf die US-Komödie «Haben Sie das von den Morgans gehört?», in der ein Ehepaar einen Mord beobachtet und zur eigenen Sicherheit in die Provinz verfrachtet wird: «Seid ihr wirklich freiwillig aus Berlin weg? Oder ist das ein Zeugenschutzprogramm?».

StadtLandLiebe

zur Startseite

von
erstellt am 02.Jul.2016 | 13:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert