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Boulevard

09. Dezember 2016 | 07:00 Uhr

Film : «Sonita»: Ein mutiges Mädchen rapt gegen Zwangsheiraten

vom

Hochzeit statt Schule und Karriere - für Mädchen in so manchen Ländern endet die Kindheit früh. Auch Sonita ist einem Mann versprochen. Sie 18, er viele Jahre älter und bereit, einen guten Preis für seine junge Braut zu zahlen. Geld, das die Familie zuhause im zerrütteten Afghanistan dringend braucht.

Doch das Mädchen träumt von der Flucht in ein freies, selbstbestimmtes Leben, als Rapperin. Die Filmemacherin Rokhsareh Ghaem Maghami aus Teheran hat sie auf diesem Weg begleitet und zeigt im Dokumentarfilm «Sonita», wie die Schülerin gegen die Probleme ansingt: «Wie alle Mädchen bin auch ich gefangen, ein Schaf, für den Käufer gezüchtet. Sie sagen, es sei Zeit, mich zu verkaufen. Seht meine Augen, Ohren, ich bin ein Mensch!».

Sonita fasst das in Worte, was viele Mädchen empfinden, aber sich nicht trauen, laut zu sagen. In einem Block klebt sie sich ihre Traumwelt zusammen mit Fotos von berühmten Sängerinnen und anderen Stars aus Zeitschriften. In dieser Welt sind ihre Eltern Rihanna und Michael Jackson.

In Wahrheit ist sie als Kind vor den Taliban in den Iran geflohen und lebt dort mit ihrer älteren Schwester und deren Familie. Die Mutter und andere Geschwister sind noch in Afghanistan. Das Brautgeld für Sonita soll einem ihrer Brüder ermöglichen, selbst zu heiraten. Ein Handel, bei dem sie sich verkauft vorkommt. «Mädchen sind doch keine Ware», empört sie sich im Film.

Bald sieht es so aus, als könnte Sonitas Traum von einem freien Leben als Sängerin in Erfüllung gehen. Sie bekommt eine Einladung an eine Schule in den USA mit Schwerpunkt Musik. Doch ohne Papiere unmöglich. So folgt die Filmemacherin Sonita auf ihrem gefährlichen Weg - von Teheran aus zurück zu ihrer Familie nach Afghanistan, immer in der Hoffnung, ohne Schwierigkeiten den Sprung nach Amerika zu schaffen.

Der Film rührt an, vor allem, wenn Sonita von den Sorgen, Hoffnungen und Ängsten der Mädchen singt, etwa in ihrem Clip «Brides for Sale», mit dem sie weltweit Aufsehen erregte. Und er beeindruckt, zeigt er doch ein starkes und mutiges Mädchen, das sich weder von Traditionen noch von ideologischen Vorstellungen beirren und vom Weg abbringen lässt. Rokhsareh Ghaem Maghami ist erst nur als Beobachterin dabei. Doch irgendwann muss sie sich entscheiden, ob sie weiter passiv bleiben oder Sonita in ihrem Kampf um Freiheit unterstützen will.

Sonita

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erstellt am 23.Mai.2016 | 13:44 Uhr

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