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Boulevard

23. März 2017 | 23:04 Uhr

Gewaltspirale : «Sleepless - eine tödliche Nacht»: Action mit Jamie Foxx

vom

Jamie Foxx ist gerne mal der Mann fürs Grobe auf der Kinoleinwand. Immer wieder ballert er sich durch Actionkrimis, etwa «Miami Vice» oder «Operation: Kingdom». Nun ist es mal wieder so weit: Feuer frei.

Der Plan ist simpel. Ein Auto ausbremsen, dem überraschten Drogenlieferanten etwas Koks abnehmen und schon ist man wieder weg. Doch es ist wie so oft auf der Leinwand: Der Plan geht schief - damit startet in dem Kinofilm «Sleepless - eine tödliche Nacht» eine Gewaltspirale.

Oscargewinner Jamie Foxx spielt einen dubiosen Polizisten, der mit seinem Partner nebenbei kleine Drogendealer abzockt. Doch diesmal artet die Gaunerei aus zur blutigen Schießerei - und das erbeutete Kokain ist nicht ein paar Tausend, sondern acht Millionen Dollar wert. Das ruft Mafiosi auf den Plan, die ihren Stoff zurück wollen.

In Zeiten des Genre-Wandels durch geradezu epische TV-Krimiserien («The Wire», «True Detective») ist der Film eine Rückkehr zu den Kinowurzeln: «Sleepless» erzählt binnen 90 Minuten einen klassischen Plot von Polizisten, die im Netz der Korruption straucheln und das «Schlangennest», wie es genannt wird, trockenlegen wollen. Die Handlung spielt praktisch nur an einem Schauplatz, einem Casino, sie dauert nur einen Tag. Die Zahl der Figuren ist übersichtlich, die Filmmusik wummert bedrohlich im Hintergrund.

Während sich die Fernsehserien meist Zeit lassen und ihren Charaktere Tiefe verleihen, bleiben die Figuren in dem Kinofilm nun aber nur holzschnittartig gezeichnet. Ein schießwütiger Cop (Foxx), der Fehler begeht und dann seine Familie schützen muss. Eine Mutter, die Angst hat um ihren Sohn. Ein Casino-Chef, der nur sein Business im Kopf hat. Ein sadistischer Mafiaboss, der keine Fehler duldet und selbst einem Cousin zur Bestrafung die Zunge aus dem Mund schneidet. Und eine interne Ermittlerin (Michelle Monaghan, «Gone Baby Gone») mit glasklarem Arbeitsethos («Ich hasse korrupte Bullen»).

Allzu große Überraschungen birgt die Handlung nicht - je finsterer die Figuren in die Kamera gucken, desto mehr Dreck am Stecken haben sie. Um inhaltliche Finessen samt verblüffender Wendungen der Geschichte dürfte es dem Filmteam um den Schweizer Regisseur Baran bo Odar («Who am I») aber ohnehin nicht gegangen sein - die Macher setzen auf klassische Hausmannskost ohne großen Aha-Effekt. Die Action ist solide, die Dialoge sind simpel.

In einer Szene sagt die Hauptfigur, der dubiose Cop: «Ich habe dafür jetzt echt keine Zeit.» Das wirkt wie ein Querverweis auf die TV-Serie «24», in der ein Ordnungshüter ebenfalls die Grenze zwischen Gut und Böse überquert und, sobald er bei seinen Vorhaben aufgehalten wird, schlecht gelaunte «Keine Zeit»-Sätze schnauft. Auch in «Sleepless» rast die Hauptfigur atemlos durch den Plot.

Am Ende liegt der Held dann schwer verletzt im Krankenhaus. Als ob er das klassische Kino-Krimigenre verkörpert, dem die fulminante Serien-Konkurrenz so zusetzt. Die Filmfigur wird überleben. Beim klassischen Kino-Krimigenre hingegen ist das nicht so sicher.

Sleepless

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erstellt am 06.Mär.2017 | 11:00 Uhr

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