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Boulevard

03. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

Film : Selbstironisch und engagiert: Joanna Lumley wird 70

vom

Ihre Stimme ist einmalig: Vornehm - fast arrogant, mit dem so unverkennbar britischen Schnöselton - und sexy tief wie aus dem Erotikstreifen «Shades of Grey».

Kein Wunder, dass AOL Joanna Lumley buchte, um britische Nutzer mit «You have Email» zu begrüßen. Die britische Schauspielerin ist bekannt und beliebt für Humor und Selbstironie und unterhält nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch mit ihren Kampagnen. Am Sonntag (1.5.) wird sie 70 Jahre alt.

Joanna Lumley wird im «Venedig Kaschmirs», der Stadt Srinagar im damaligen Britisch-Indien, geboren und nach England ins Internat gesteckt. Abgerundet wird ihre erstklassige Erziehung mit der Lucie Clayton Finishing School. Davon zehrt sie bis heute, wie sie in der Michael McIntyre Chat Show demonstriert: Die Studentinnen lernten an einem Automodell, wie sie möglichst graziös mit Minirock in den Autositz ihres imaginären Verehrers sinken sollten. «Dein gut aussehender Freund öffnet die Autotür, du schaust ihn an und lächelst, legst deine Hand so aufs Auto mit dem kleinen Finger abgespreizt, setzt dich zuerst nur mit dem Hintern rein und schwingst dann deine Beine mit zusammengeklebten - nein, zusammengenagelten - Knien ins Auto. Und dann lächelst du ihn anmutig an.»

Die Kombination aus Exzentrik und gutem Benehmen liegt in der Familie: Ihre Mutter brachte Meerschweinchen das Pfeifen bei, erzählt Lumley in einer Reisedoku. Ihr Vater diente als Major in einem britischen Regiment nepalesischer Soldaten, den sogenannten Gurkhas. Das prägt sie: Ein halbes Jahrhundert später wird sich Lumley für die gerechte Behandlung der Gurkhas in Großbritannien einsetzen.

Sie startet als Mannequin und Muse für die britische Modedesignerin Jean Muir, die Stars wie Lauren Bacall ausstattet, und flunkert ihren Weg mit angeblichen Filmprojekten nach oben, wie sie kurz vor ihrem 70. Geburtstag der schottischen Wochenzeitung «Sunday Post» anvertraut: «Bluffen ist eine höflichere Umschreibung dafür, anstatt es eine unverblümte Lüge zu nennen.» Ihr Bluff zahlt sich aus, und die Blondine beginnt ihre Schauspielkarriere mit zwei Zeilen als Bond-Girl im 1969er Klassiker «James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät».

Mit 21 bekommt sie unverheiratet ihren Sohn James, aber weigert sich den Namen des Vaters zu nennen - in den 60ern immer noch skandalös. Über ihre erste Ehe mit einem Comedy-Autoren schweigt sie ebenso und sagt nur: «Wir haben uns innerhalb von zweieinhalb Wochen kennengelernt und geheiratet. Womit eigentlich alles gesagt wäre. Wir hatten einfach eine Schraube locker.»

Nach Rollen in der Nachfolgeserie von «Mit Schirm, Charme und Melone», der Soap «Coronation Street» und der Pink-Panther-Serie liest sie eigentlich kaum mehr ein Drehbuch, doch Jennifer Saunders' Skript für «Absolutely Fabulous» überzeugt sie schließlich: «Es hat mich zum Lachen gebracht. Und ich bekam die Chance, einmal nicht den völlig guten Charakter zu verkörpern.» Die Rolle bleibt an ihr kleben: Seit den 90er Jahren spielt sie die unverschämte, selbstbezogene und meist herrlich angeheiterte Modedesignerin Patsy Stone in der BBC-Serie.

Inzwischen ist sie genauso bekannt als kettenrauchende Schreckschraube Patsy wie für ihre Kampagnen gegen Tierversuche, für Menschenrechte, indigene Völker und viele andere gute Zwecke. Seit Jahrzehnten setzt sie sich für das Bleiberecht nepalesischer Veteranen in Großbritannien ein und feiert 2009 einen großen Erfolg im Parlament. Zuletzt engagierte sie sich für die umstrittene Garden Bridge, eine begrünte Fußgängerbrücke über die Themse für 60 Millionen Pfund (76 Millionen Euro), die sich Lumley ursprünglich als Denkmal für Prinzessin Diana ausgedacht hatte. Angeblich genehmigte der Londoner Bürgermeister Boris Johnson die Brücke nach einem Besuch der charmanten Schönheit - und zweifachen Großmutter - Joanna Lumley.

Aufhören? Kein Frage, sagt die preisgekrönte und geadelte Lumley der «Sunday Post». «Wie die meisten Leute habe ich gearbeitet, seitdem ich 18 war, und werde wohl noch ein bisschen länger herumschwafeln.»

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erstellt am 30.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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