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Boulevard

04. Dezember 2016 | 21:15 Uhr

Medien : Schoßgebete

vom

Als Buch ein Bestseller, im Kino ein Flop, jetzt kommen Charlotte Roches «Schoßgebete» ins Fernsehen. Es ist eine Geschichte über Tod, Sex und Neurosen, ein Film zwischen Absurdität und Trauer, Leid und Liebe.

Charlotte Roche gilt als «Skandal-Autorin», seit sie 2008 ihr erstes Buch «Feuchtgebiete» auf den Markt gebracht hat. Auch ihr zweites war durchaus eine Überraschung, wenn auch in anderer Hinsicht.

Zwar ging es in diesem Roman ebenfalls um viel Sex in allen möglichen Varianten, im Mittelpunkt aber stand Roches ganz persönliche, tragische Geschichte: der Tod ihrer drei Brüder, die 2001 bei einem fürchterlichen Autounfall ums Leben kamen. Sie waren auf dem Weg zu Roches geplanter Hochzeit in England, hatten ihr Brautkleid im Gepäck. Roches Mutter überlebte den Unfall schwer verletzt.

Dieser furchtbare Unfall bestimmt auch die Filmversion der Geschichte, die «Sommermärchen»-Regisseur Sönke Wortmann vor zwei Jahren ins Kino gebracht hat - und mit der er einen kapitalen Flop hinlegte. Nur rund 53 000 Menschen wollten den Film im Kino sehen. Jetzt ist das Fernsehen dran: Arte zeigt den Film am Donnerstag (22.30 Uhr).

Er erzählt die Geschichte einer neurotischen und schwer traumatisierten Frau. Elizabeths (Lavinia Wilson) Leben gerät aus den Fugen, als ihre Geschwister bei einem Autounfall auf dem Weg zu ihrer Hochzeit ums Leben kommen und ihre Mutter schwer verletzt wird. Seitdem rechnet sie immer mit dem Schlimmsten und ist regelmäßig damit beschäftigt, über ihr Testament nachzudenken.

Es ist auch die Geschichte über die Beziehung zwischen Elizabeth und ihrem Mann Georg (Jürgen Vogel) und das, was die beiden in ihrem eigenen Bett und dem von Prostituierten so treiben. Im Gegensatz zum Buch geht der Film dabei aber nicht ins Detail und überschreitet nie die Grenzen zur Pornografie.

Schließlich ist das allzu Körperliche - auch ganz im Gegensatz zu Roches Skandal-Erstling «Feuchtgebiete» - nicht der Kern der Geschichte. Während die Hauptfigur der «Feuchtgebiete» in erster Linie ihren Hintern inspizierte, untersucht Elizabeth in den «Schoßgebeten» vor allem ihre Seele. Darum wandert sie Woche um Woche zu ihrer Therapeutin um immer wieder durchzuarbeiten, was ihr auf der Seele liegt: die Trauer um die zerstörte Familie, die Angst, in der neuen Familie irgendetwas falsch zu machen und den abgrundtiefen Hass auf die «Druck»-Zeitung, die den fürchterlichen Unfall einst ausschlachtete.

Dass in Elizabeth viel von ihr selbst steckt, daraus hat Charlotte Roche keinen Hehl gemacht. Im Film, an dem sie selbst gar nicht mitgearbeitet hat, bekommt diese persönliche Ebene aber noch einmal eine neue Dimension: Hauptdarstellerin Wilson nämlich lehnt ihre Figur der Elizabeth sehr nah an Roche an. Der charakteristische Singsang der hohen, manchmal fast kindlich klingenden Stimme, die Frisur - vieles erinnert stark an sie.

Und so sind die Film-Szenen, in denen sie über die Tragödie, die ihre Familie zerstörte und beinahe ihre Seele zerriss, spricht, die stärksten in der Leinwand-Version des Stoffes, die ansonsten in Rückblenden vor allem den Unfall ins Zentrum stellt. Die Gespräche mit ihrer Therapeutin (Juliane Köhler) sind ebenso anrührend wie amüsant. «Die Gedankenwelt dieser Frau ist rührend und lustig zugleich», meinte Schauspieler Jürgen Vogel zum Kinostart. «Wir sind so geprägt von Männerfiguren im Film, da ist es schön, mal was anderes zu sehen.»

"Schoßgebete" auf Arte

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erstellt am 08.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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