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Boulevard

07. Dezember 2016 | 17:23 Uhr

Musik : Red Hot Chili Peppers rocken in 360 Grad - auch im Netz

vom

Sind das die Konzerte der Zukunft? Zwei Monate vor ihrer offiziellen Deutschlandtour spielen die Red Hot Chili Peppers eine Show in Berlin, die per 360-Grad-Kameras im Netz gestreamt wird. Aber kommt die Energie auch via VR-Brille im heimischen Wohnzimmer an?

Als letzte Zugabe des Abends spielen die Red Hot Chili Peppers ihre ersten großen Hit «Give It Away» aus dem Jahr 1991. Nach mehr als eineinhalb Stunden energiegeladener Show ist die Stimmung in dem stillgelegten Berliner Heizkraftwerk auf dem Höhpunkt.

Während der Sänger Anthony Kiedis über die Bühne springt, tobt das verschwitzte Publikum in den ersten Reihen. Als der Song erschien, waren Handys kaum verbreitet und das Internet nur etwas für Experten. Damals hätte man sich wohl kaum vorstellen können, was 25 Jahre später alles möglich sein kann.

Denn die exklusive Show bot eine technische Besonderheit - nicht für die 1300 Zuschauer in der Halle, sondern vor allem für diejenigen, die kein Ticket ergattert hatten. Denn: Mit Hilfe von 360-Grad-Kameras, die etwa auf der Bühne installiert wurden, wurde das Spektakel live im Internet gestreamt. In 40 Ländern konnten Fans von zu Hause oder unterwegs das Konzert über ihr Smartphone mit Hilfe von Virtual-Reality-Brillen aus besonderer Nähe und mit einem Rundum-Blick anschauen. Aber funktioniert das tatsächlich?

Ortswechsel: Ein Wohnzimmer wenige Kilometer entfernt. Per VR-Brille wird das Konzert verfolgt. Allerdings davon, mittendrin zu sein, ist man bei dem Erlebnis noch weit entfernt. Das Bild auf dem Handy im Brillen-Gehäuse ist grobkörnig, die Farben vom Scheinwerferlicht gebleicht, und vor allem der Sound in den Kopfhörern ist höflich zurückhaltend wie bei einer Radioübertragung statt der Wucht eines Live-Konzerts. Und doch zieht der 360-Grad-Livestream einen schnell in seinen Bann mit einer gewissen Magie.

Denn man steht auf der Bühne direkt neben den Musikern. Dreht man den Kopf, sieht man in die mitwippenden Fans. Dann fliegt man auf einmal los und gleitet über den Köpfen des Publikums. Man muss die ganze Zeit denken, wie cool wird das bitte, wenn die Technik erst einmal ausgereift ist. Und alle Internet-Leitungen haben, die auch 3D-Bilder mühelos durch. Doch schon jetzt hat man zumindest ein wenig das Gefühl, dabei zu sein.

Veranstaltet wurde das Konzert von der Telekom, die sich innovativ zeigen und im VR-Bereich positionieren will. Nach Angaben des Konzerns vom Mittwoch hatten sich mehrere Hunderttausend Nutzer über das Netz zugeschaltet. Zudem wurden in zahlreichen Ländern Tickets für das Spektakel verlost. Kathlyn ist extra aus Südafrika angereist: «Eine unglaubliches Konzert», sagt die 21-Jährige. Yasuaki, ein eingefleischter Chili-Peppers-Fan aus Japan, ist für einen Tag aus Tokio eingeflogen, um seine Stars zu erleben. Und Andrea aus Rom, großer Bewunderer von Bassist Flea hat vor Rührung Tränen in den Augen, als er diesen auf der Bühne beobachtet.

1983 riefen die alten Schulkumpels Kiedis und Flea mit zwei weiteren Freunden die Red Hot Chili Peppers ins Leben. Die Band überraschte mit ungewöhnlichen Mix aus Funk, Rap und Rock. Drogenexzesse und der frühe Tod von Gitarrist Hillel Slovak überschatteten die ersten Jahre. Der kommerzielle Durchbruch gelang 1991 mit dem Album «Blood Sugar Sex Magik». Es ging steil bergauf: Die Kalifornier verkauften zig Millionen Alben, heimsten sechs Grammys ein und wurde 2012 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

«Als wir die Band gründeten, war das viel mehr als wenn sich vier Musiker zusammenfinden. Wir hatten diese unglaubliche Freundschaft», erinnert sich Flea im dpa-Interview. «Da gibt es eine wirkliche Blutsverbindung und die uns nach wie vor zusammenhält.» Jedes Mal wenn sie auf die Bühne gingen, «spüre ich eine Kraft, die viel stärker ist als die Summe ihrer Teile», erklärt der Bassist.

Eine Energie ist auch am Dienstag im Berliner Kraftwerk zu spüren. Schon nach wenigen Songs ziehen Kiedis und Flea die T-Shirts aus und präsentieren ihre tätowierten Oberkörper. Sie zeigen sich nach wie vor in Bestform, tanzen und wirbeln über die Bühne und zur Zugabe läuft Flea sogar im Handstand. Manchmal sei es total anstrengend diese Energie zu erzeugen, sagt er. «Aber es war schon immer anstrengend. Ich habe nie eine Show gespielt ohne alles zu geben.»

Der 360-Grad-Stream des Konzerts kann noch in den nächsten Wochen im Internet abgerufen werden. Und wer die Chili Peppers doch lieber live und real und neben anderen schwitzenden Fans sehen will, kann das im November auf der Deutschlandtour etwa in München, Berlin und Köln.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 12:32 Uhr

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