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Boulevard

05. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Film : Promi-Geburtstag von 22. April 2016: John Waters

vom

  John Waters arbeitet auch im Alter hart daran, kein bequemer Langweiler zu sein. Jeden Tag denke er darüber nach, wie man mit 70 Jahren noch «bad», also irgendwie cool und ein bisschen frech sein könne, erzählte der Kult-Regisseur im vergangenen Jahr im Live-Stream «HuffPost Live». Waters, der am Freitag (22. April) seinen 70. Geburtstag feiert, muss sich keine Sorgen machen.

Der Star mit dem hauchdünnen Oberlippenbärtchen, der so exzentrisch aussieht wie viele seiner Charaktere in den schrägen Streifen «Pink Flamingos», «Polyester» und «Cry-Baby», ist immer noch jemand, der provoziert, schockiert und unterhält. Etwa als Anhalter, der von seiner Heimatstadt Baltimore quer durch die USA nach San Francisco reist. Mit Schildern wie «Midlife-Krise» und «Ich bin kein Psycho» stellte sich der Endsechziger an den Straßenrand, trampte los und hielt seine Abenteuer in dem Buch «Carsick» fest.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag postete der notorische Tabubrecher ein kurzes Video mit einer politischen Botschaft. Darin setzt er sich für die Wahl des schwarzen Bürgerrechtsaktivisten DeRay Mckesson zum Bürgermeister von Baltimore ein. Das sei jemand, der radikaler sei, der «mit wütend erhobener Faust» auftrete, sagte Waters begeistert. «Und außerdem mag ich seinen Modegeschmack», bekannte der Künstler in dem Video.

1946 wurde John Samuel Waters Jr. in Baltimore im US-Staat Maryland geboren. Schon als Kind sei er anders gewesen, erzählte Waters 2009 der Deutschen Presse-Agentur, voll des Lobes für seine Eltern. «Als ich klein war, hat mich meine Mutter zu Schrottplätzen gebracht, weil ich von Unfällen und Blut besessen war. Sie haben nicht gewusst, was sie mit mir machen sollen. Aber sie haben das Richtige gemacht und mich ermuntert. Sie haben nicht versucht, mich zu ändern. Ich habe eine tolle Familie. Vermutlich bin ich auch deshalb nicht in der Irrenanstalt gelandet.»

In den 1960er Jahren experimentierte er mit Underground-Kurzfilmen. Mit dem Transvestiten Divine, den er aus Schulzeiten kannte, drehte er 1972 den schrillen Schocker «Pink Flamingos». Die berüchtigte Szene, in der Divine Hundekot verspeist, trug dazu bei, dass Waters als «Trash-Papst» gefeiert wurde. Mit «Female Trouble» und «Desperate Living» war die Trash-Trilogie 1977 komplett.

Nachdem er sich 1981 in der Gesellschaftssatire «Polyester» über das amerikanische Vorstadtleben lustig gemacht hatte, prangerte der schwule Filmemacher mit dem Filmmusical «Hairspray» 1988 auf sarkastische Weise Rassismus und Diskriminierung an. Divine übernahm die Rolle der schwergewichtigen Edna Turnblad, die ihrer ebenfalls dicken Tochter Tracy vergeblich erklärt, dass man als Pummelchen bei Tanz-Shows keine Chance hat.

Mit Divines Tod kurz nach der «Hairspray»-Premiere 1988 war für Waters die Ära der wüsten Travestie-Comedys beendet. In «Cry-Baby» (1990) ließ er zwei Jugendgangs im Baltimore der 1950er Jahre aufeinander los, der junge Johnny Depp spielte den rebellischen Rocker Cry-Baby. In der Satire «Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht?» (1994) machte Waters aus Kathleen Turner eine perfekte Hausfrau, Mutter und Mörderin. In der bissigen Satire «Pecker» (1998) attackierte Waters mit gehässigen Seitenhieben die blasierte New Yorker Kunstszene.

Für Waters ist das Filmemachen nach eigenem Bekunden ein Stück Therapie. «Ich habe gelernt, wie ich ein glücklicher Neurotiker sein kann. Aber wenn ich meine Filme nicht gehabt hätte, und keinen Kanal für all die asozialen Dinge - ich weiß nicht, was passiert wäre».

Waters macht One-Man-Shows, schreibt Bücher, fotografiert und tritt gelegentlich als Schauspieler auf. Er mischt auch in der Kunstszene mit, zuletzt als Kurator einer seit Mitte April laufenden Ausstellung in San Francisco, für die er zwölf Künstler aussuchte. Die Objekte sind ganz nach seinem Geschmack. Es geht um Haushaltskram wie dreckige Spiegel, Klopapierrollen, Plastiktüten. Er hoffe, die Zuschauer «zu verärgern und zu amüsieren», erzählte Waters vorab der «New York Times». Das sei schon immer seine «liebste Art der Kunst» gewesen.

Video auf Twitter zu Mckesson

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erstellt am 22.Apr.2016 | 00:01 Uhr

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