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Boulevard

22. Februar 2017 | 05:07 Uhr

Theater : Promi-Geburtstag vom 9. August 2016: Hermann Beil

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Er ist der Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht. Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeitet Dramaturg Hermann Beil zusammen mit Theatermacher Claus Peymann - der eine ruhig und zurückhaltend, der andere temperamentvoll und gerne im Rampenlicht. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team.

Am Dienstag (9. August) feiert der gebürtige Wiener Beil, der seit fast 18 Jahren mit Intendant Peymann das Berliner Ensemble prägt, seinen 75. Geburtstag.

«Theaternarren leben länger», lautet Beils zuversichtliches Motto und so heißt auch seine Geschichtensammlung über die Zeit am Wiener Burgtheater. Auf Titel legt Beil keinen Wert. «Es heißt manchmal, ich sei Chefdramaturg am Berliner Ensemble», sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Das stimmt nicht. Ich bin Dramaturg. Das genügt. Das ist ein ehrenwerter Beruf, ich muss kein Chef sein», so der Künstler. «Man muss sich ja durch Argumente durchsetzen, nicht durch einen Titel. Dramaturgie gehört für mich ganz wesentlich zur Theaterleitung.»

In Stuttgart begann 1974 die Zusammenarbeit von Beil und Peymann. Gemeinsam gingen sie 1979 nach Bochum. Von 1986 bis 1999 war das Wiener Burgtheater ihre künstlerische Heimat - nicht immer zur Freude der konservativen Wiener. Thomas Bernhard widmete Beil das Dramolett «Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese» (1987) - zur Gaudi des Publikums spielen sich Beil und Peymann darin immer wieder auch selbst - zum Beispiel am 10. September bei einer Festvorstellung anlässlich Beils Geburtstag im Berliner Ensemble.

«Die Stuttgarter Zusammenarbeit war äußerst erfreulich, ja glücklich und berauschend», beschreibt Beil die Anfänge mit Peymann. «Heute ist unsere Beziehung sehr erwachsen geworden - durch die vielen Ereignisse und auch die Kämpfe, die man gemeinsam durchgestanden hat in Stuttgart, Bochum und Wien», so der Dramaturg. «Ich bin jetzt auch eigene Wege gegangen. Ich trete oft als Rezitator auf, ich inszeniere auswärts. Aber wir haben noch immer eine sehr vertrauensvolle, unverbrüchliche Zusammenarbeit. Wir können uns aufeinander verlassen. Wir müssen nichts mehr beweisen.»

Auch wenn Peymann im Sommer 2017 die Intendanz am Berliner Ensemble (BE) an Oliver Reese abgibt, werde die enge Beziehung doch bleiben. «Die Verbindung zu Peymann und den Menschen um ihn herum ist eine familiäre Beziehung, die, glaube ich, anhalten wird, solange ich denken kann.» Vielleicht ergebe sich dann anderswo bei dem ein oder anderen Projekt wieder eine Zusammenarbeit. «Das ist gewachsen und kann gar nicht zu Ende gehen.»

Legendär ist Beils private Leidenschaft als Tortenbäcker. Zum 92. Geburtstag von Theatermacher George Tabori servierte er 98 selbst kreierte Torten. Ganz wichtig ist für Beil auch die Musik. «Ich habe in Wien ein Wohnzimmer und in Berlin ein Wohnzimmer. In Wien ist es der Musikverein und in Berlin ist es die Philharmonie. Ich gehe wahnsinnig gerne in Konzerte. Klassische Musik ist das Schönste, das es gibt», sagt der Dramaturg. «Und ich versuche in meinen Lesungen auch immer, die Musik in den Worten zu suchen.»

Das Theater faszinierte ihn übrigens schon als Kind. «Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, da bekam ich zu Weihnachten ein Kasperle-Theater geschenkt», erzählt Beil. «Die Bühne hatte mein Vater gezimmert. Ich hatte etwa zehn Figuren - und fing an zu spielen. Ich habe mir die Stücke ausgedacht, mit den klassischen Rollen: Kasperle und Gretel, der böse Zauberer, das Krokodil und die Großmutter usw.», erinnert sich Beil. «Dann fing ich auch an, Bühnenbilder zu machen. Bis zum 14. Lebensjahr habe ich vor Publikum gespielt, vor Kindern.»

Später studierte er Literaturwissenschaften, Geschichte und Musik. An der Mainzer Universität versuchte es Beil 1962 auch mit Theaterwissenschaften. Aber: «Da habe ich ganz schnell aufgegeben. Es war so stinklangweilig und trocken.» Das Theater wurde dann dennoch seine Berufung.

Berliner Ensemble

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erstellt am 09.Aug.2016 | 00:01 Uhr

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