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Boulevard

07. Dezember 2016 | 13:43 Uhr

Leute : Promi-Geburtstag vom 8. September 2016: Mario Adorf

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Mario Adorf ist die graue Eminenz des deutschen Films - und noch so viel mehr. Kaum ein deutscher Schauspieler verfügt über ein solches Repertoire - auf der Bühne, der Leinwand oder im Fernsehen.

Gerade erst ist er wieder geehrt worden, beim Filmfestival in Locarno bekam er den «Pardo alla carriera», einen «Leoparden für seine Karriere». Vor der Verleihung sagte er der Deutschen Presse-Agentur: «Ich freue mich sehr. Ich wollte mein Leben lang nur eins sein: ein guter Schauspieler. Und dieser Preis zeigt mir, dass ich das wohl halbwegs hinbekommen habe.» Nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt, meinte er nur kurz: «Ich habe das Publikum immer ernst genommen.» Heute feiert Mario Adorf seinen 86. Geburtstag.

Adorf kann Bösewicht («Nachts wenn der Teufel kam»), Patriarch («Der große Bellheim», «Der Patriarch»), und unglaublich komisch kann er auch sein («Kir Royal»). Mehr als 140 Filmrollen hat Adorf in seinem Leben gespielt,

Talent gehöre natürlich dazu, aber: «Es ist sehr viel Glück dabei», sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 85. Geburtstag «Bei mir war es sicher eine sehr frühe kindliche und eine bleibende Spielfreude, mein italienisches Erbteil. Die Freude am Spiel soll man sich bewahren. Fleiß ist da nötig, wo etwas gelernt werden will.»

Adorf, der 1930 als nicht-ehelicher Sohn einer Röntgenassistentin und eines Chirurgen aus dem italienischen Kalabrien geboren wurde, begann seine beeindruckende Schauspielkarriere schon während seines Studiums der Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz und Zürich - obwohl er eigentlich lange mit der Bildenden Kunst geliebäugelt hatte und gerne Bildhauer geworden wäre. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Geld für Pinsel, Farben und Leinwand knapp wurde, entschied er sich anders und ergatterte einen begehrten Platz an der Otto-Falckenberg-Schule in München.

Dann bekam er ein festes Engagement bei den Münchener Kammerspielen, wo er sich vorher schon oft herumgetrieben hatte: «Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich fünf Minuten vor Beginn der Probe ins Theater ging, nur um einem bewunderten Schauspieler die Tür aufzuhalten.»

Der Durchbruch als Film-Schauspieler gelang ihm 1957 als brutaler Massenmörder in dem Film «Nachts, wenn der Teufel kam» von US-Regisseur Robert Siodmak. Diese Rolle bescherte Adorf neben dem Bundesfilmpreis auch ein Image: Jahrelang war er auf die Darstellung von Schurken und Ganoven festgelegt. In «Winnetou I» ermordete er in der Rolle des bösen Widersachers Santer Winnetous Schwester Nscho-Tschi, ein grausamer Akt, auf den er heute noch angesprochen wird. «Das war der klassische Bösewicht, der mir sehr übelgenommen wurde. Aber das ist dann auch ganz schön, wenn man so gehasst wird von ein paar Generationen. Das ist besser, als unbemerkt zu bleiben“, sagte er einmal. «Ich war nie - auch als junger Schauspieler für die Helden, ich war dafür auch einfach nicht gebaut. Ich war nicht groß und blond und schön.»

Nachdem Adorf, der fließend Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch spricht, in den 60er Jahren vor allem in italienischen Filmen mitgespielt hatte, wandte er sich in den 70er Jahren wieder dem deutschen Film zu und stand unter anderem für Volker Schlöndorffs oscarprämierte «Blechtrommel» vor der Kamera.Im Fernsehen begeisterte er ein großes Publikum in Produktionen wie «Der große Bellheim» von Regisseur Dieter Wedel oder der Münchner Schickeria-Serie «Kir Royal» von Helmut Dietl, der ihn auch für die bitterböse Gesellschaftssatire «Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief» vor die Kamera holte. «Es steckt viel Arbeit drin», sagt Adorf. «Aber weil die Lust am Spielen da war, wurde es nicht als Arbeit empfunden. Ich habe einen Beruf, der glücklicherweise Spaß macht.»

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erstellt am 08.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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