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Boulevard

08. Dezember 2016 | 23:11 Uhr

Musik : Promi-Geburtstag vom 7. September 2016: Chrissie Hynde

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Selbstbestimmt, intensiv und etwas distanziert: Mit ihrer Mischung aus kraftvollem 80er-Jahre-Rock und großen Balladen ging Chrissie Hynde immer ihren eigenen Weg.

Für eine Kontroverse ist Chrissie Hynde immer gut. Zuletzt enthüllte sie in ihrer Autobiografie «Reckless»(«Waghalsig»), dass sie mit 21 Jahren in Ohio von einer Motorradgang zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sei.

Was für einen Aufschrei sorgte, war, dass sie schrieb: «Ich übernehme die volle Verantwortung», und dann in der «Sunday Times» indirekt Vergewaltigungsopfern die Schuld zuschob: «Wenn ich in Unterwäsche herumlaufe und betrunken bin, wessen Schuld kann es sonst sein?» Ihre Fans waren geschockt, weil sie als Prototyp der selbstbestimmten Musikerin gilt. Aber vielleicht ist es genau das - Chrissie Hynde bleibt sich selbst immer treu. Heute feiert die Pretenders-Frontfrau ihren 65. Geburtstag.

Hynde wird 1951 in Akron im US-Bundesstaat Ohio geboren, dem Zentrum der Reifenindustrie. Ihre Eltern versuchen aus ihr ein wohlerzogenes Vorstadtmädchen zu machen, doch sie entpuppt sie als rebellischer Wildfang, fasziniert von den Beats der «British Invasion». Sie lernt Gitarre und stürzt sich in die wilden sechziger Jahre.

1973 bricht sie zu einer Weltreise auf, die schon nach kurzem endet: in London, der Heimat ihrer Rockhelden. Einen Job bei der legendären Musikzeitschrift «NME» wirft Chrissie Hynde bald hin, weil sie sich als «Schwindlerin» fühlt. Stattdessen jobbt sie im Laden von Sex Pistols-Manager Malcolm McLaren und Vivienne Westwood und lernt dort die aufkeimende Punkszene Londons kennen. Um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, heiratet sie fast den Sex Pistols-Bassisten Sid Vicious. Sie spielt mit Musikern, die später mit The Damned und Clash weltbekannt werden.

Was ihr damals an Punk am besten gefiel? Dass es kein reiner Männerverein war. Dennoch dauerte es frustrierend lange, bis sie endlich ihre eigene Band hatte, erzählte sie dem «Independent». «Ich ging zu jedem Club, jede Nacht, mit meiner Gitarre. Ich war verzweifelt und entschlossen. Jeder, den ich kannte, hatte bereits eine Band. Sogar Leute, denen ich gezeigt hatte, wie man ein paar Akkorde spielt!»

1978 gründet sie schließlich The Pretenders mit James Honeyman-Scott an der Leadgitarre, Pete Farndon am Bass und Martin Chambers am Schlagzeug. Zwei Jahre später toppt die Single-Auskoppelung «Brass in Pocket» aus ihrem ersten Album die Charts. Die Band veröffentlicht eine Reihe von Punk- und New Wave-Hits («Back on the Chain Gang», «Don't Get Me Wrong»), und Hynde wird zu einem Symbol für weibliche Macht und Möglichkeiten. Weniger extrem als Siouxsie, kantiger als Debbie Harry - cool, wütend, misstrauisch. Ihren androgynen Stil kopiert sie von Stones-Gitarrist Keith Richards: Schwarzumrandete Augen, dicke dunkle Ponyfransen, Röhrenjeans, die Gitarre gegen die Hüfte gepresst.

Die ursprüngliche Besetzung der Pretenders bleibt nicht lange bestehen. 1982 feuert sie Farndon wegen seiner Drogenprobleme. Zwei Tage später stirbt Honeyman-Scott an einer Überdosis Heroin und Kokain. Musiker kommen und gehen, nur Hynde bleibt. Dem «Telegraph» erklärt sie: «Es geht nicht nur darum, wie sie spielen. Es geht darum, wie sie aussehen, wie sie gehen, wie sie sitzen. Wenn meine Bandmitglieder die Straße entlanggehen, repräsentieren sie die Band.»

Zeitweise ist sie fast genauso berühmt für ihre Liebesaffären wie für ihre Musik - Hynde verteidigt sich, dass sie in ihrem Alltag einfach mehr Rockstars als andere Männer kennenlerne. Ray Davies von den Kinks läßt sich ihretwegen scheiden, sie bekommen eine Tochter. Dann verlässt Hynde ihn für Jim Kerr, den Sänger der Simple Minds, mit dem sie eine weitere Tochter hat. 1990 lässt Kerr sie sitzen, und sie wird alleinerziehende Mutter. Dem «Telegraph» sagte sie: «Meine Kinder kamen immer zuerst. Sie haben keine meiner Shows gesehen, bis sie vierzehn waren.» Ende der 90er Jahre heiratet sie ein zweites Mal, den Bildhauer Lucho Brieva; auch diese Ehe hält nur wenige Jahre.

«Ich bin eine Art Brauner-Reis-Hippie» beschreibt die Veganerin sich selbst. Hyde ist ein Anhängerin des Hinduismus und betrachtet es als ihre religiöse Pflicht, Tiere zu schützen. Am wichtigsten bleibt ihr aber die Musik. Dass die Pretenders ein Relikt der 80er Jahre sind, weiß Hynde selbst: «Last of the Independents» hieß schon 1994 ein Album. Aber aufhören? Niemals. «Es macht Spaß! Kein anderer Grund.» Da machen auch kleine Beschwerden nichts aus. «Knie, Krankheit, Alter, Tod. Ich bin ein Wrack. Aber ehrlich gesagt - wen kümmert's?»

Website Chrissie Hynde

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erstellt am 07.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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