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Boulevard

03. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Geliebte Klassiker : Promi-Geburtstag vom 31. Oktober: Dieter Dorn

vom

Verehrt, gefeiert, umstritten - mit seinen Inszenierungen der großen Klassiker hat Dieter Dorn das Schauspiel in Deutschland maßgeblich geprägt.

Eine ganze Epoche des Münchner Theaterlebens trägt die Handschrift Dieter Dorns. 35 Jahre lang wirkte der Regisseur an den Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel und brachte die großen Klassiker ebenso auf die Bühne wie zeitgenössische Werke.

Sein konservativer Regiestil ist legendär. Für die einen bedeute er Konsequenz, für die anderen Stagnation, konstatierte der Bayerische Rundfunk anlässlich Dorns Abschied vom Residenztheater im Jahr 2011. Heute (31. Oktober) wird der Regisseur 81.

Die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Theaterlandschaft betrachtet Dorn mit Skepsis: Es gehe immer mehr in Richtung Eventtheater. Zudem ziele das Theater heute vor allem auf die jungen Leute ab. „Das Theater ist aber nicht unterzukriegen, es wird sich immer wieder aufrappeln“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Den Grundstein für seine Karriere hatte Dorn in der DDR gelegt: In seiner Geburtsstadt Leipzig studierte er Theaterwissenschaft, ehe er 1956 das Land aus politischen Gründen verließ. Seine Schauspielausbildung absolvierte er an der Max-Reinhardt-Schauspielschule in West-Berlin. 1958 begann in Hannover Dorns langes Theaterleben als Dramaturg, Schauspieler und Regisseur. Über die Stationen Essen und Oberhausen kam er nach München, wo er 1976 Oberspielleiter und 1983 Intendant der städtischen Münchner Kammerspiele wurde - bei meist ausverkauftem Haus.

Für erheblichen Wirbel sorgte 2001 der Wechsel Dorns von den Kammerspielen zum Bayerischen Staatsschauspiel. Sein Nachfolger an der alten Wirkungsstätte wurde Frank Baumbauer. Der „Spiegel“ schrieb damals vom „Duell der Neu-Intendanten“ und bezeichnete dieses als „spannendstes Spektakel der Theatersaison“. Dorn startete mit dem „Kaufmann von Venedig“ und inszenierte neben Klassikern auch zeitgenössische Stücke von Autoren wie Botho Strauß und Peter Handke.

Mit seinem Abschied vom Residenztheater mit Kleists „Käthchen von Heilbronn“ 2011 endete Dorns große Ära als Theaterzauberer in München. Eine Ära, über die die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Dorns Theater hatte immer etwas von einer Kirche, in der man den Schmutz der Welt fernhielt und tatsächlich noch an das Gute glaubte.“

Kritiker und Modernisierer hielten Dorns Vorstellungen vom traditionellen Ensembletheater und von werktreuer Textregie für überholt und aus der Zeit gefallen. Dorn blieb jedoch nicht nur den Dramatikern und deren Texten treu, sondern auch sich selbst. „Das Theater müsste sich wieder auf sich selbst besinnen und nicht den Events und den Medien hinterlaufen“, meint er.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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