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Boulevard

08. Dezember 2016 | 17:16 Uhr

Politik : Promi-Geburtstag vom 29. September 2016: Silvio Berlusconi

vom

Über Jahrzehnte prägte er Italiens Politik, doch inzwischen ist es ruhig geworden um Silvio Berlusconi. Zu seinen Skandalen kommen gesundheitliche Probleme. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Der Fußball-Club ist verkauft, die Partei am Tiefpunkt, und die öffentlichen Auftritte werden weniger: Um Silvio Berlusconi, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, ist es ruhiger geworden.

Der Mann, der Italien über Jahre als Regierungschef mit seinem Ego, seinen kraftvollen Sprüchen und Sex-Skandalen prägte, scheint ganz leise seinen Rückzug vorzubereiten. Doch während sich für seinen Verein AC Mailand chinesische Käufer fanden, ist die Nachfolge für sein politisches Erbe nicht ganz so einfach zu regeln.

Die Zeiten, als das Mitte-Rechts-Bündnis des Medienmoguls noch über 40 Prozent der Stimmen bekam, sind lange vorbei. In Umfragen kommt Berlusconis Forza Italia (FI) nur noch auf zehn bis zwölf Prozent. Es wird spekuliert, der Milliardär wolle sich nach seiner Herz-OP ganz aus der Politik zurückziehen. Sein früherer Weggefährte Giuliano Urbani bezeichnete eine weitere Führungsrolle gar als «absurde Idee».

Doch sowohl der Partei als auch den Wählern fällt der Abschied vom Phänomen Berlusconi schwer. Umfragen zufolge wollen zwei Drittel der FI-Wähler, dass Berlusconi die Partei weiter anführt. «Er ist immer noch unser Anführer, der einzige, der die Mitte-Rechts-Bewegung zusammenhalten kann», sagt Antonio Tajani, Vize-Präsident des Europäischen Parlaments.

«Es ist erstaunlich, wie viele persönliche Anhänger er immer noch hat», meint Roberto Weber, Chef des Meinungsforschungsinstituts Ixe. «Es gibt immer noch eine Gruppe von überzeugten Wählern, die loyal zu Berlusconi stehen.» Einige seiner Anhänger hoffen immer noch auf das große politische Comeback.

Mit 3340 Tagen regierte Berlusconi so lange wie kein anderer in der Geschichte der Italienischen Republik. Es waren die großen Zeiten des schillernden Lebemanns, als dieser - von seinen Wählern verehrt und im Ausland teils als unmöglich kritisiert - strahlend mit den wilden Bunga-Bunga-Partys in seiner Villa für Schlagzeilen sorgte.

Der 1936 in Mailand geborene Berlusconi machte zunächst Karriere als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen, bevor er 1994 seine Partei Forza Italia gründete und kurz darauf Regierungschef wurde. Schlagzeilen machte Berlusconi in den folgenden Jahren jedoch nicht nur mit seinen politischen Erfolgen, sondern vor allem mit seinen Skandalen.

Mehrmals musste sich der Cavaliere vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe reichten von Bilanzfälschung und Amtsmissbrauch über Bestechung und Steuerhinterziehung bis hin zu Sex mit Minderjährigen. Das pikante Ruby-Verfahren um die Sex-Partys in seiner Villa sorgte für das meiste Aufsehen. Italien wurde danach lange im Ausland verspottet, verhöhnt und als Bunga-Bunga-Land abgestempelt.

Seine Vorliebe für junge Frauen wurden dem 1,64 Meter großen Berlusconi oft zum Verhängnis. Die Scheidung von seiner Ex-Frau Veronica Lario, die sich wegen seiner Untreue von ihm trennte, kostet ihn viel Geld. Im Herbst soll ein Gericht entscheiden, ob es bei 1,4 Millionen Euro monatlich bleibt. Mittlerweile ist der Milliardär mit der fast 50 Jahre jüngeren Francesca Pascale liiert.

Einen Riesen-Skandal löste Berlusconi aus, als er 2003 den damaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Martin Schulz, als Idealbesetzung für einen KZ-Aufseher beschimpfte. Mehrmals wurde Berlusconi verurteilt, aber nur sein Schuldspruch wegen Steuerbetrugs ist rechtskräftig. Die Strafe verbüßte er mit zehneinhalb Monaten Sozialdienst in einem Altenheim - sein Ausschluss aus dem Senat und das Ämterverbot bis 2019 waren eine weitere Folge.

Doch der eitle Berlusconi, der mit Haartransplantationen und Liftings gegen die Folgen des Alters ankämpft, tat sich schwer, von der politischen Bühne abzutreten. Nach seinem Freispruch im Ruby-Prozess verkündete er 2014 selbstbewusst: «Jetzt bin ich wieder im Spiel.» Trotz seines früheren Krebsleidens und der Herzprobleme klammerte sich Berlusconi lange Zeit an seine verbliebene politische Macht.

Marco Damilano, stellvertretender Chefredakteur des Wochenmagazins «L'Espresso», urteilte: «Berlusconi wird die Bühne nur verlassen, wenn ihn jemand aus seinem Lager offen herausfordert. Jeder, der es bislang versucht hat, ist damit gescheitert.»

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erstellt am 29.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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