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Boulevard

09. Dezember 2016 | 06:50 Uhr

Konzentration auf die Arbeit : Promi-Geburtstag vom 28. Oktober 2016: Horst Antes

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Berühmt ist Horst Antes als Schöpfer des «Kopffüßlers». Doch er ist auch ein bedeutender Sammler afrikanischer und indianischer Kunst. Um sich selbst macht er nicht viel Aufhebens - auch nicht zum 80. Geburtstag.

Der «Kopffüßler» ist sein Markenzeichen - jene rumpflose Figur, die im Profil das Bild durchschreitet. Sie hat Horst Antes als Maler berühmt gemacht.

Einer der Begründer der neuen figurativen Malerei in Deutschland ist jedoch auch ein bedeutender Sammler afrikanischer und indianischer Kunst. Manche dieser archaischen Figuren hat der ehemalige Karlsruher Akademieprofessor erst bekannt gemacht. Er selbst bleibt lieber im Hintergrund. Auch zum 80. Geburtstag. Der Maler, Grafiker und Bildhauer lebt und arbeitet heute dort, wo es ihn schon als jungen Mann und Kunststipendiat immer wieder hingezogen hat: in Italien.

Am 28. Oktober 1936 im hessischen Heppenheim an der Bergstraße geboren, studierte er von 1957 bis 1959 an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei dem Maler, Grafiker und Holzschneider HAP Grieshaber. Als einer der ersten Künstler im Nachkriegsdeutschland ließ Antes die Abstraktion hinter sich. «Damit hat er etwas sehr Mutiges gemacht, das ist auch international früh bemerkt worden», sagt rückblickend die Antes-Schülerin Christina Griebel, die heute selbst an der Karlsruher Kunstakademie lehrt.

Mit seinen kraftvollen - häufig von strahlendem Rot dominierten - Farben und dem «Kopffüßler» drückte Antes der Kunstgeschichte seit den 60er Jahren seine ganz persönliche Handschrift auf. Später rücken andere Motive und Farben in den Vordergrund: eher dunkle Bilder von Häusern ohne Türen und Fenster oder die «Datumsbilder», bei denen er Zahl um Zahl übermalt - als Symbol der Vergänglichkeit.

Der mit zahlreichen Preisen geehrte Maler wurde schon im Alter von 29 Jahren als künstlerischer Leiter einer Malklasse an die Karlsruher Akademie berufen. 1967 erhielt er dort eine Professur. Er war mit Unterbrechungen über viele Jahre an der Karlsruher Kunstakademie, lehrte aber auch an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Einer seiner Schüler war Anselm Kiefer.

Antes nahm wiederholt an der Documenta in Kassel teil, er war bei den Biennalen in São Paulo und in Venedig. Seine Werke sind in internationalen Museen vertreten. Neben Gemälden und Druckgrafiken umfasst sein Werk Skulpturen im öffentlichen Raum.

Er gilt als ausgesprochen vielseitiger Künstler, ist jedoch auch ein passionierter Sammler von Ethnografika. Zwei Sammlungen hat er als Dauerleihgaben an die Staatlichen Museen Berlin gegeben: die Sammlung südamerikanischer Federobjekte sowie seine umfangreiche Sammlung ritueller Kachina-Puppen nordamerikanischer Hopi-Indianer. Im Sommer präsentierte er in Lübeck erstmals seine Sammlung afrikanischer Schutzgeister, die Aklama-Figuren.

Die «Ur-Formen-Sprache», die allen Kulturen zugrunde liegt, hat Antes früh fasziniert. Zeugnisse davon zu sammeln, ist für ihn mehr als eine Leidenschaft: «Es ist eine künstlerische Tätigkeit», sagte er einmal. Aus Sicht von Kunstdidaktik-Professorin Griebel war Antes ein Vordenker für den Schutz dieser alten Kulturen. «Er war einer der ersten, der global und nachhaltig gedacht hat, er hat das Kulturgut dieser Völker bekannt gemacht.» Und es wissenschaftlich gesichert.

Antes lebt nach Jahren des Pendelns zwischen Karlsruhe, Berlin und Italien seit geraumer Zeit auf seinem Bauernhof in Sicellino (Toskana). Interviews zum Geburtstag gibt der Vater von zwei erwachsenen Kindern nicht. Die, die ihn näher kennen, beschreiben ihn als auf die Arbeit konzentriert und der Öffentlichkeit gegenüber als scheu. Der Künstler und Sammler Horst Antes lässt lieber seine Kunstwerke sprechen.

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erstellt am 28.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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