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Boulevard

07. Dezember 2016 | 15:26 Uhr

Der Junge von St. Pauli : Promi-Geburtstag vom 27. September 2016: Freddy Quinn

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Sänger, Schauspieler, Showmaster und der perfekte Seemann, auch wenn er nie zur See gefahren ist: Der Österreicher Freddy Quinn wurde zu einem der größten Schlagerstars in Deutschland - und einem, der von seinem Rücktritt offensichtlich nicht zurücktritt.

Nein, der Junge kommt wohl nicht bald wieder - zumindest in die Öffentlichkeit zieht es Freddy Quinn seit langem nicht mehr. Aus dem Rampenlicht hat sich der Schlagerstar konsequent verabschiedet.

Seine Ruhe wolle er haben und auch nicht als «tragisches Fotomotiv» enden, erklärte er seinen Rückzug in früheren Interviews. Selbst wenn ein Jubiläum für den Entertainer ansteht, wiederholt der Mann, der ihn jahrzehntelang managte, sein Statement immer wieder aufs Neue: «Freddy geht es gut», sagt Werner Triepke, «aber er will keine Interviews geben». 85 Jahre alt wird Quinn am Dienstag (27. September), seine Hits wie «Junge, komm bald wieder» und «Heimweh» liegen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück - der singende Seemann ist er für viele Deutsche geblieben.

Seefahrerromantik und St. Pauli - weit weg für jemanden, der in Österreich auf die Welt gekommen ist. «Für einen Möchtegern-Hanseaten wie ein Geburtsfehler», sagte Quinn mal, «aber zumindest wurde ich in Hamburg gezeugt». Auch zur See gefahren sei er «nie so richtig, auch wenn es von meiner Plattenfirma so propagiert wurde». Doch wie kein anderer schaffte es der Mann mit dem Bariton und den Balladen, den Deutschen in der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit aus der Seele zu singen. Von Abschied und Heimkehr handelten seine Lieder, von der Sehnsucht nach fremden Häfen und der Einsamkeit an Orten fern von daheim. Seine melancholischen Lieder trafen den Nerv der Zeit. Der umschwärmte Sänger mit dem Image des einsamen Herzensbrechers verbuchte innerhalb von zehn Jahren ebenso viele Nummer-eins-Erfolge.

Nach Hamburg hatte es den Sohn eines Kaufmanns und einer Journalistin Anfang der 50er Jahre verschlagen. Regielegende Jürgen Roland («Stahlnetz», «Großstadtrevier») entdeckte ihn auf St. Pauli in der «Washington-Bar». Bald darauf begann für Quinn eine «neue Zeitrechnung», als er seinen ersten Plattenvertrag unterschrieb.

Perfekt entsprach er dem Idealbild des Seemanns, nicht nur als Sänger, sondern auch als Schauspieler. Vor der Kamera in Musikfilmen wie «Freddy, die Gitarre und das Meer» und «Heimweh nach St. Pauli» spielte er ebenso wie auf der Bühne, in «Große Freiheit Nr.7» trat er in Hans Albers' Paraderolle auf. Seine Leidenschaft für den Zirkus zog ihn immer wieder in die Manege zurück - mal balancierte er ungesichert auf Hochseilen, mal trat er mit Raubtieren im Käfig auf.

Hermetisch abgeriegelt war dagegen stets sein Privatleben. «Freddy Quinn - Ein unwahrscheinliches Leben» nannte der Autor Elmar Kraushaar sein 2011 erschienenes Buch. Eine Spurensuche sei es, erklärte er damals. «Oder die Beschreibung der vielfältigen Versuche, sich einem Leben zu nähern und einem Phänomen, das von vielen Geschichten umstellt ist, Potemkin'schen Dörfern gleich.»

Kraushaars Suche beginnt mit gleich drei möglichen Geburtsorten Quinns und endet mit dessen Rückzug aus der Öffentlichkeit. «So viele Widersprüche waren in den verschiedenen Darstellungen aufgetaucht, so viele Zeitläufe, die nicht zueinander passten, so viele Namen und Daten, die immer neu gemischt und neu verteilt wurden.»

«Dieser Mann gehört längst zu den Nationaldenkmälern - ein Rätsel geblieben ist er trotzdem», schrieb der «Tagesspiegel» mal über den Entertainer. «Dabei war der Sänger an der Verbreitung der meisten Halb- und Unwahrheiten, die über ihn kursieren, aktiv beteiligt.» Was dran sei etwa an «Wanderzirkussen, Soldatenclubs oder Rekrutierungszentren und Fremdenlegion in Afrika», war und bleibe Stoff für immer neue Legenden, schrieb das «Hamburger Abendblatt» und zitierte Countrysänger Johnny Hill aus einer TV-Dokumentation zum Quinn-Mysterium: «Er kam aus dem Nichts und verschwindet wieder.» Seit bald zehn Jahren ist der singende Seemann abgetaucht.

Die jahrzehntelange Beziehung zu der 2008 gestorbenen Hamburgerin Lilli Blessmann etwa war nur ein Punkt aus Quinns Leben, der Stoff für Gerüchte bot. In den vergangenen Jahren lieferten immer wieder Spekulationen über seinen Wohnsitz (in Hamburg oder Umgebung oder ganz woanders?) und jüngst eine angebliche Verlobung die Schlagzeilen. An den Fakten aber hat sich nichts geändert: Seinen letzten Nummer-eins-Hit hatte Quinn 1966 mit «Hundert Mann und ein Befehl» - zehn Jahre nach seinem ersten mit «Heimweh»; seine letzte von zahlreichen Tourneen gab er 2002. Zu den 60 Millionen verkauften Tonträgern allein bis zur Jahrtausendwende dürften noch einige hinzugekommen sein.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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