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Boulevard

04. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Lange Karriere : Promi-Geburtstag vom 24. November 2016: Ilja Richter

vom

«Licht aus! Womm! Spot an!»: Seine Musik-Show im ZDF führte in den 70er Jahren zu Grabenkämpfen in deutschen Familien. Der Vater wollte «Sportschau» gucken, die Kinder bettelten um «Disco» mit Ilja Richter. Das ist lange her. Das Rampenlicht sucht Richter weiterhin. Heute wird er 64.

Er ist diesen Sommer noch einmal Vater geworden - wenn auch nur auf der Bühne. Bei den Festspielen in Bad Hersfeld hat Ilja Richter im Musical-Klassiker «My Fair Lady» den etwas zwielichtigen Alfred P. Doolittle gespielt, der seine Tochter Eliza bedenkenlos für ein Umerziehungs-Experiment hergibt.

Auch im kommenden Jahr wird «My Fair Lady» wieder in Bad Hersfeld auf dem Spielplan stehen, wie der Festival-Intendant Dieter Wedel vergangene Woche ankündigte. Ob Richter dann wieder mit von der Partie sein wird, ist nicht bekannt. Sicher ist indes, dass der Schauspieler und Entertainer, der heute 64 wird, ab Mitte Januar 2017 wieder durch die Lande touren wird. «Durch Kreislers Brille» heißt sein Programm. Darin lässt der gebürtige Berliner erneut die oft mit bissigem Humor getränkten Minidramen des österreichischen Kabarettisten Georg Kreisler (1922-2011) wieder aufleben.

Nach ersten Erfahrungen in der ZDF-Musikshow «4-3-2-1 Hot & Sweet» war Richter gerade 18 Jahre alt, als er - immer in Schlips und Kragen, während die musikalischen Gäste in Schlaghosen und auf Plateausohlen ins Studio kamen - ab Februar 1971 samstags in seine Fernseh-«Disco» einlud. Seitdem begrüßte der junge, fröhliche Moderator einmal im Monat sein Publikum mit «Einen wunderschönen guten Abend, meine Damen und Herren, hallo Freunde!» und die Zuschauer im Studio antworteten lauthals im Chor: «Hallo Ilja!» Unvergessen ist auch, wie er das «Disco»-Quiz ansagte: «Licht aus! Womm! Spot an!»

«Pop und Komik waren und blieben in diesem Mix ein von mir, versehentlich, erfundenes Format», schreibt Richter auf seiner Homepage. Ein Format mit Kultfaktor, muss man ergänzen. Dennoch war nach zwölf Jahren Schluss mit dieser «Disco», die Grabenkämpfe in vielen Familien ausgelöst hatte, weil sie zeitweise parallel zur «Sportschau» im Ersten lief, die Papa sehen wollte.

Richter, der schon vor und auch während seiner «Disco»-Zeit in zahlreichen Film- und Fernsehkomödien (u.a. mit Theo Lingen und Rudi Carrell) vor der Kamera gestanden hatte, zeigte sich nach 1981 als echtes Allroundtalent. Der Theater-Regisseur Peter Zadek (1926-2009) hatte ihn als 16-Jährigen an die Freie Volksbühne in West-Berlin geholt (1968), nun, mit 30, widmete er sich wieder verstärkt dem (Boulevard-)Theater, trat aber auch in Filmen, Serien und als Kabarettist auf. Er verfasste eine zeitlang «politisch unterwanderte» Glossen für die «taz», brachte zusammen mit seiner Mutter ein Buch heraus («Der deutsche Jude», 1989), probierte sich auf dem Regiestuhl aus, arbeitete als Synchronsprecher und veröffentlichte vor vier Jahren aus gegebenen Anlass das Buch «Du kannst nicht immer 60 sein: Mit einem Lächeln älter werden», eine Mischung aus Sachbuch und Autobiografie.

Vielseitigkeit kann man ihm also wirklich nicht absprechen. Auf seiner Homepage spricht er selbst «von über 50 Künstlerjahren mit viel Kunstgewerbe (circa 12 Woerthersee-Klamotten), 133 «Disco»-Shows, von denen noch so manche schlechte Sketcheinlage, wenn nicht immer origineller, zumindest vom Stil her, originärer war, als alle Opaklamotten der 70er zusammen.» Kurzum: Eine «widersprüchliche Karriere im Zickzack». Wer mehr wissen will: Details zu seiner künstlerischen Laufbahn ließen sich «mehr oder weniger präzise googeln», wie Richter auf seiner Website empfiehlt.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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