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Boulevard

07. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Medien : Promi-Geburtstag vom 23. August: Lotti Krekel

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Manchmal hatte Lotti Krekel einfach unwahrscheinliches Glück - zum Beispiel, als sie mit fünf Jahren auf der Straße entdeckt wurde. Aber wer ihr länger zuhört, erfährt vor allem, wie unsicher ein so langes Schauspielerinnen-Leben ist. «Es erfordert ganz viel Disziplin», sagt sie rückblickend. «Und man muss ständig bereit sein, sich auf neue Dinge einlassen, auch wenn man anfangs denkt: Das schaffe ich nie!» Am Dienstag (23. August) wird Krekel 75 Jahre alt.

Der Vater von Marius Müller-Westernhagen, der Schauspieler Hans Müller-Westernhagen, hatte sie als Fünfjährige an der Hand ihrer Mutter in der Kölner Innenstadt gesehen. «Meine Mutter kannte ihn flüchtig, und da hat er zu ihr gesagt: "Ach, die ist aber niedlich, gehen Sie mit der doch mal zum Kinderfunk!"» So fing alles an.

Irgendwann flatterte ihr ein Telegramm in die Schule: Willy Millowitsch wollte sie für die Rolle eines jungen Mädchens engagieren. Die Fernsehübertragungen seiner rheinischen Schwänke erreichten in der Nachkriegszeit Einschaltquoten von bis zu 85 Prozent. Bald wurde Krekel von vielen Leuten für Millowitschs Tochter gehalten.

Dann setzte eines Tages ein Journalist eine Nachricht in die Welt: Die hübsche Lotti, 17 Jahre alt, wünsche sich sehnlichst ein Kind - und suche dafür einen Mann für eine Nacht. In den 50er Jahren ein Skandal. «Natürlich hat der das im Alleingang gemacht, ohne es mit mir abzusprechen!» Das Telefon stand nicht mehr still. Und Millowitsch behandelte sie fortan wie Luft. «Der guckte immer an mir vorbei, er hat mich geschnitten. Das habe ich drei Tage ausgehalten, und dann habe ich gesagt: Das hat keinen Sinn. Ich bin bei ihm ausgestiegen, nach elf Jahren. Ich bin nach Hause gegangen und hatte nichts. Absolut nichts.»

Das war eine dieser Situationen, in der sie sich auf etwas Neues einlassen musste. Sie begann, Schlager zu singen - «Ne Besuch im Zoo» und «Mir schenke dä Ahl e paar Blömcher» waren ihre großen Hits. Dadurch wurde sie noch bekannter - und diesmal unter ihrem richtigen Namen. Es gab Angebote vom Fernsehen und vom Film, so spielte sie an der Seite von Horst Buchholz und unter Regisseur Wolfgang Staudte. Sogar Millowitsch meldete sich wieder. Bei einer Theaterproduktion lernte sie ihren Mann kennen, den Schauspieler Ernst Hilbich. «Im Nachhinein», sagt sie, «war dieser schlimme Artikel ein Segen, denn sonst wäre ich sicher für immer bei Millowitsch geblieben.»

So wie sie in den Anfangsjahren oft für eine Millowitsch-Tochter gehalten wurde, verwechselte man sie später zuweilen mit ihrer elf Jahre jüngeren Schwester Hildegard Krekel. So geschehen etwa bei ihrem Engagement für die WDR-Serie «Die Anrheiner» - eigentlich wollte man Hildegard haben. Letztlich spielten dann beide Schwestern mehr als zehn Jahre erfolgreich nebeneinander.

2013 starb Hildegard Krekel mit 60 Jahren an Krebs. «Sie fehlt mir wie die Luft zum Atmen. Wir hatten keine Geheimnisse voreinander, haben alles besprochen. Jeden Tag. Manchmal meine ich noch, ihr Lachen zu hören.» Für Lotti Krekel, eine schmale und leise Frau, war die quirlige Schwester immer der Gegenpol. «Ich bin ein eher vorsichtiger, bedachtsamer Mensch - sie war ein Wirbelwind, eine sonnige Natur. Sie hat mich immer wieder aufgemöbelt, und das hat mir gut getan.» Viele Dinge hätten seit dem Schicksalsschlag ihre Bedeutung verloren. «Ich kann seitdem zum Beispiel nicht mehr richtig an Gott glauben.»

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie noch weiter in ihrem Beruf arbeiten kann. «Natürlich nicht mehr so intensiv, aber aufhören - das kann man als Schauspielerin nie!»

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erstellt am 23.Aug.2016 | 00:01 Uhr

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