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Boulevard

04. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Eifelkrimi-Guru : Promi-Geburtstag vom 22. Oktober; Jacques Berndorf

vom

Jacques Berndorf schreibt seit fast 30 Jahren über Mord und Totschlag in der Eifel. Zig Millionen Bücher hat er schon verkauft. Jetzt wird der Eifelkrimi-Guru 80 Jahre alt.

Vergiftet. Erschossen. Aufgehängt. Bei Jacques Berndorf sind sie schon alle Tode gestorben. Seine Leichen hat er großflächig über die Eifel verteilt: Im Steinbruch, am Vulkan-Maar, unter Eichen.

«Ich habe mich schon immer für den Tod interessiert», sagt der Krimiautor, der mit seinen literarischen Verbrechen Millionen Leser in den Bann gezogen hat. Die Eifel lade als «sehr stille Landschaft» dazu ein, dort Krimis spielen zu lassen. «Sie hat für mich etwas, das die Fantasie anregt. Ganz stark.» Am 22. Oktober wird der Eifelkrimi-Guru 80 Jahre alt.

Berndorf sagt: Wenn man etwa 7000 Seiten Krimis geschrieben habe, sollte man ein bisschen so ticken können wie ein Verbrecher. «Man muss die Denkweise von Leuten, die Gesetze brechen, ungefähr draufhaben. So eine Ahnung haben», sagt er in seinem Wohnhaus in Dreis-Brück im Kreis Vulkaneifel. Geboren wurde er in Duisburg, als Michael Preute. Früher habe er auch mal mit dem Gedanken gespielt, zur Kripo zu gehen. «Aber die Beamtenlaufbahn hat mich abgeschreckt», sagt er.

So enträtselt Berndorf Verbrechen über seinen kauzigen Ermittler Siggi Baumeister in mittlerweile rund 25 Krimis - und hat mit diesem Etliches gemeinsam: Beide wohnen in der Heyrother Straße, sind von Haus aus Journalisten, lieben Pfeifentabak und Katzen. «Ja, Siggi Baumeister ist mein Alter Ego. Nur mit dem Unterschied, dass er fast 40 Jahre jünger ist als ich», sagt Berndorf.

Derzeit sitzt der Autor an einem Krimi über Tod im Altenheim - mit dem Arbeitstitel «Eifel-Herbst». 60 bis 80 Seiten habe er schon geschrieben, aber die Arbeit sei mühselig geworden. «Ich weiß nicht, wann der fertig ist und ob ich das schaffe. Eigentlich langt's auch.» Krimischreiben sei nämlich «eine wirkliche harte Arbeit. Sie wird oft unterschätzt.»

Mehr als fünf Millionen Bücher hat Berndorf verkauft, sagt sein Verleger Ralf Kramp in Hillesheim. Berndorf zähle zu den erfolgreichsten deutschen Krimiautoren und sei damals ein wichtiger Impulsgeber für den Regionalkrimi-Boom gewesen. «Er hat die Provinz geknackt», sagt Kramp. Vor Berndorfs erstem Eifelkrimi 1989 («Eifel-Blues») hätten Krimis vor allem in großen Metropolen gespielt.

Berndorf habe als «erster die Landschaft nicht zur bloßen Staffage degradiert, sondern als Handlungsträger genutzt». Mit Beginn der Eifelkrimis hätten andere Regionen auch angefangen, dort Krimis spielen zu lassen. «Heute gibt es keine weißen Flecken mehr auf der Krimilandkarte. Jede Region hat Krimiautoren», sagt Kramp, der ebenfalls Krimis schreibt. Zum 80. Geburtstag hat der KBV-Verlag frühe Krimis von Berndorf (von 1969 und Anfang der 1970er Jahre) neu aufgelegt.

Dass Schreiben seine große Leidenschaft ist, wusste Berndorf früh. Als Jugendlicher schrieb er Kurzgeschichten. Nach einem Intermezzo als Medizinstudent ging er zum «Duisburger Generalanzeiger» als Journalist. Er wechselte die Blätter und Magazine und kletterte die Karriereleiter empor. Etwa zwölf Jahre lang war er als Reporter in aller Welt unterwegs. «Ich habe Kriege und Krisen gesehen.» Im Libanon, in Vietnam und Südafrika. «Und irgendwann hat sich gezeigt, dass ich die Bilder nicht mehr schaffe», sagt er. Er verfiel dem Alkohol - und stieg aus.

1984 kam er eher zufällig in die Eifel. «Ich hatte journalistische Aufträge in Bonn und Brüssel und da lag die Eifel genau in der Mitte.» Er zog in ein «winziges Bauernhaus» im Ort Berndorf - nach dem er sich dann später auch benannte. Den Vornamen Jacques hatte sich sein damaliger Verleger ausgedacht. Alles für den Neustart.

Und dann kam der «Eifel-Blues». «Ich hätte mir damals nie vorstellen können, wie sich das alles mal entwickelt.» Dann legte er den zweiten und dritten Krimi auf. Ab «Eifel-Gold» kam der Durchbruch. «Eines Tages wird man anfangen, die Eifelkrimis zu verfilmen», ist sich Berndorf sicher. Seinen runden Geburtstag feiert er mit Familie und Freunden - in einer Kneipe, irgendwo in der Eifel.

Angst vor dem Tod habe er nicht, sagt er. «Ich finde es aber traurig, eines Tages sterben zu müssen. Ich finde es einfach deswegen traurig, weil ich so gerne lebe.»

KBV-Verlag

KBV-Verlag zu Jacques Berndorf

Homepage von Jacques Berndorf

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erstellt am 22.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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