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Boulevard

08. Dezember 2016 | 10:56 Uhr

Musik : Promi-Geburtstag vom 2. Juni 2016: Charlie Watts

vom

«Silly old farts», dumme alte Fürze, nennt Charlie Watts seine Rolling-Stones-Kollegen manchmal, denn eigentlich würde er seine Wochenenden lieber mit Jazz-Musik verbringen als um die Welt zu touren.

Auf den ersten Blick wirkt er fast zu spießig für die Stones: Anzugträger, zurückhaltend, edel, mit geschultem Auge für grafische Details - und ein Drummer aus Leidenschaft. Im vergangenen Jahr verriet er via Twitter: «Sogar wenn ich in einer Bar mit nur zwei Leuten spiele, habe ich Schmetterlinge im Bauch, sobald ich an meinem Schlagzeug sitze». Heute feiert der wohl eleganteste Schlagzeuger der Rockmusik seinen 75. Geburtstag.

Mit zehn entdeckt der kleine Charlie Platten von Miles Davis und John Coltrane, und damit seine Liebe zum Jazz und Blues: «Ich habe Charlie Parker immer bewundert, bis heute» sagt er dem britischen Blatt «Daily Telegraph». «Aber der Erste, dessen Spiel ich bewusst gehört habe, war Baritonsaxofonist Gerry Mulligan, und das Stück war 'Walking Shoes' mit Chico Hamilton am Schlagzeug. Deshalb wollte ich Schlagzeug spielen.» Er montiert von einem alten Banjo den Hals ab und bespannt es mit einem Trommelfell: Der Beginn einer jahrzehntelangen Schlagzeugerkarriere mit diversen Jazz-, Blues- und Boogie-Woogie-Formationen - und eben den Rolling Stones.

Weil sich keiner mehr erinnern kann, wie alles anfing, hat man sich als Gründungstermin auf den ersten Auftritt der Band im legendären Londoner Marquee-Club am 12. Juli 1962 geeinigt. Charlie Watts kommt erst ein halbes Jahr später dazu, am 12. Januar 1963 im Ealing Blues Club. Er hat damals einen gut bezahlten Job als Grafiker in einer Werbeagentur und lässt sich erst ködern, bei den Rolling Stones einzusteigen, als sie mit ihren Auftritten Geld verdienen. Obwohl er schon da mit Hingabe abends und am Wochenende Jazz spielt.

Die Entscheidung hat sich bezahlt gemacht, musikalisch und finanziell. Die Stones hätten das Glück gehabt, viel Geld für Zeit im Studio ausgeben zu können, sagt er dem britischen «Telegraph» ein halbes Jahrhundert später: «Mit den Stones gehen wir für einen Monat ins Studio, und wenn es dann noch nicht funktioniert, hängen wir halt noch einen Monat dran. So macht man eigentlich keine Platten mehr. Aber aus diesem Prozess kommen dann Sachen wie 'Sympathy For The Devil'. Wir haben alles damit ausprobiert, bevor wir herausgefunden haben, mit welchem Beat wir es am besten machen.»

Im Gegensatz zu Mick Jagger und Keith Richards vermeidet Charlie Watts das Rampenlicht. Als Jazzmusiker weiß er musikalische Kollaboration zu schätzen und schweißt die Band zusammen - nicht nur, wenn er den Rhythmus auf der Bühne vorgibt, sondern auch wenn sich Jagger und Richards über Jahre hinweg immer wieder verkrachen.

Man sieht es ihm zwar nicht an, aber auch Charlie Watts hat harte Jahre hinter sich - mit Alkohol oder auch Heroin. 2004 übersteht der frühere starke Raucher eine Kehlkopfkrebserkrankung; laut «Times» raucht er nicht mehr und trinkt nun am liebsten Kaffee. Seit 1964 ist Watts mit derselben Frau verheiratet, der Künstlerin Shirley Watts, mit der er eine erwachsene Tochter hat. Und einen Landsitz in der Grafschaft Devon, auf dem Shirley professionell Pferde züchtet.

Watts ist eine Art Snob, der sich zum Beispiel mit Schusswaffen aus dem amerikanischen Sezessionskrieg auskennt. Seine Vorliebe für gut sitzende Anzüge führt dazu, dass ihn Medien wie «GQ» oder «Vanity Fair» zu den bestgekleideten Männern überhaupt zählen.

Dennoch merkt man dem leicht zerknitterten Edel-Rocker mit dem weißen Haar allmählich das Alter an. Im vergangenen Oktober sickerten Zusatzklauseln für ihre jüngste Welttournee durch: Unter anderem verlangen die Stones schriftliche Gebrauchsanleitungen für alle elektronischen Geräte in ihren Hotelzimmern, berichtete die amerikanische Entertainment-Plattform «TMZ» amüsiert.

Da passt dann auch, dass Charlie Watts angeblich kein Handy besitzt und keine Lust mehr hat auf Open-Air-Festivals - selbst Glastonbury findet keine Gnade: «Ich mochte dieses Hippie-Ding von Anfang an nicht», zitiert der «Guardian» ihn. Am schlimmsten sei es, wenn der Wind blase - weil die Becken sich dann bewegten. Sein Wochenende stelle er sich anders vor.

Website Rolling Stones

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erstellt am 02.Jun.2016 | 00:01 Uhr

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