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Boulevard

07. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

Musik : Promi-Geburtstag vom 18. Juli 2016: Frank Farian

vom

Alles begann in einem Kuhstall im Saarland. Mit einem Tonbandgerät und einem einzigen Mikrofon nahmen Frankie Boy und seine Band «Die Schatten» 1963 ihre erste Schallplatte auf.

«Es hat schrecklich geklungen, aber es war unsere erste Schallplatte, und da waren wir doch stolz drauf», sagt Frank Farian am Telefon in Miami (Florida). Mittlerweile hat er gut 800 Millionen Tonträger verkauft: Farian ist der mit Abstand erfolgreichste deutsche Musikproduzent, der Mann hinter Boney M., Milli Vanilli und vielen anderen. Heute wird er 75: «Ich kann’s selbst gar nicht glauben.»

Als Franz Reuther wurde er in Kirn an der Nahe geboren, als Frank Farian steht sein Name für beispiellosen Erfolg im Musikgeschäft. Seit er Teenies Mitte der 70er Jahre mit seinem traurigen Hit «Rocky» zum Weinen brachte, trat er selbst kaum noch auf. Das sei irgendwann vorbei gewesen, sagt er. Erst als Mann im Hintergrund, als Produzent, begann sein Mega-Erfolg. Etwa mit Boney M.

«Baby Do You Wanna Bump», den ersten Titel von Boney M., sang Farian im Studio praktisch alleine, sehr hoch und auch sehr tief. Und weil er sein vielstimmiges Projekt alleine weder aufführen konnte noch wollte, suchte er Gesichter, die den Song präsentieren sollten. 1976 stand eine Art jamaikanischer Kernmannschaft von Boney M.: Liz Mitchell und Marcia Barrett durften singen, Bobby Farrell und Maizie Williams bewegten die Lippen und sahen gut aus. Höchst erfolgreich: Hits wie «Daddy Cool», «Rivers of Babylon», «Rasputin» oder «Ma Baker» sind Popgeschichte. Mindestens 100 Millionen Tonträger verkaufte Farian unter dem Namen Boney M.

Doch Farians Name steht auch für einen handfesten Skandal. Und zwar mit dem, was Farian den «Milli-Vanilli-Fehler» nennt: «Den habe ich schon bereut.» 1988 hatte er im Studio schöne Songs mit guten Sängern aufgenommen. Aber nicht sie traten als Milli Vanilli auf, sondern Fab Morvan und Rob Pilatus - denn die sahen besser aus. Wochenlang waren sie auf Platz 1 der US-Hitparade, bekamen sogar den Grammy. Als der Schwindel herauskam, mussten sie den Grammy wieder abgeben. «Ich hatte es ja gar nicht nötig, so etwas zu machen», ärgert sich Farian. Sein Trost: «Die Leute lieben die Musik noch heute.»

Begonnen hat Farians Erfolgsstory in einem kleinen Tonstudio in Offenbach, wo auch die ersten Songs von Boney M. entstanden. Später hatte er ein Anwesen mit Studio in Rosbach bei Frankfurt, das er aber inzwischen aufgegeben hat. Heute besitzt er drei Studios in Miami: «Ich gehe vom Schlafzimmer direkt ins Studio rein. Morgens um acht fange ich an und dann habe ich einen Zwölf-Stunden-Tag.»

Derzeit arbeitet er an Weltmusik zum Weihnachtsfest - auch der Anden-Triller «El Condor Pasa» könnte zum Weihnachtslied werden: «Das ist schon eine Herausforderung.» Farian will das Musical «Daddy Cool» wieder auf Tournee sehen, ein Buch über ihn wird auch vorbereitet.

Auch eine eigene Platte will er machen. Mit jener schwarzen Musik der 50er, die er immer noch liebt. Eine Band, die Songs von Otis Redding, den Drifters, den Coasters oder den Four Seasons so wie in den ersten Gasthausjahren spielen mag, hat er schon gefunden. «Ich zeige den Leuten, was ich außer den drei oder vier Platten, die ich aufgenommen habe, noch an Musik auf die Bühne gebracht habe.» Als Titel schwebt ihm etwas wie «Frank Farian Early Years, 1962 bis 2017» vor.

In Saarbrücken wuchs er auf, der Vater fiel im Jahr seiner Geburt in Russland. Die Mutter brachte mit einer Rente von 180 Mark drei Kinder über die Runden und sparte sich dennoch eine Gitarre für ihn vom Munde ab. Er lernte Koch, weil ihm die Mutter sagte, dann könne er sich jeden Tag sattessen. Das ist lange her, und heute hat Farian keine privaten Gründe mehr für Reisen nach Deutschland: «Ich bin vom Wetter verwöhnt, und es fällt so schwer, in den Regen zu fliegen.»

«Freude am Leben und Freude an der Arbeit» sind ihm wichtig. Andere Wünsche habe er nicht: «Es ist mir ja fast alles gelungen.» Nur ein Wunsch ist da doch noch: «Irgendwann möchte ich mal im Studio umfallen und das war’s dann. Aber noch nicht jetzt gleich.»

Frank Farian

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erstellt am 18.Jul.2016 | 00:01 Uhr

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