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Boulevard

09. Dezember 2016 | 05:03 Uhr

Zen-Priester und Filmstar : Promi-Geburtstag vom 10. Oktober 2016: Peter Coyote

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Peter Coyote drehte mit Polanski und Spielberg. Oft stand er in Europa vor der Kamera. Doch er ist kein typischer Movie-Star. Der Zen-Priester und Aktivist praktiziert mit 75 Jahren «radikalen Optimismus».

  Peter Coyote zählt ein Dutzend Regisseure auf, mit denen er gerne zusammengearbeitet hat, darunter Roman Polanski, Steven Spielberg, Walter Hill, Martin Ritt, Bigas Luna. Mehr als 150 Filme habe er gedreht, resümiert Coyote kurz vor seinem 75. Geburtstag. 

«Nicht alle haben Spaß gemacht, nicht alle waren gut, aber bei jedem habe ich etwas gelernt.» Seinen Geburtstag an diesem Montag (10. Oktober) begeht der Schauspieler aber weitab von Hollywood in der Stille seiner kleinen Farm und Obstplantage in ländlichen Sebastopol, nördlich von San Francisco. «Ich werde meditieren, mit meinen Hunden spazieren gehen, auf meiner Farm arbeiten und dankbar dafür sein, dass ich noch lebe und gesund bin», erzählt Coyote der Deutschen Presse-Agentur. 

Sein eigenes Leben gäbe reichlich Stoff für ein spannendes Drama her. Der Ex-Hippie, ultraliberale Aktivist und zum Zen-Priester geweihte Buddhist machte in Hollywood erst spät Karriere. «Ich war 39, alleinerziehender Vater, knapp bei Kasse und musste Geld verdienen», sagt Coyote. Er sei kein hervorragender Schauspieler gewesen, räumt er selbstkritisch ein. «Ich hatte Glück.» 

Mit dem markant zerfurchten Gesicht fand er in Hollywood schnell eine Nische. Vom Chef-Wissenschaftler in Steven Spielbergs Kinohit «E.T.» (1982) avancierte er zum Liebhaber, der in «A Man in Love» (1987) Greta Scacchi den Kopf verdrehte. In Roman Polanskis Erotikdrama «Bitter Moon» (1992) wurde Coyote dann zum sadomasochistischen Ehemann im Rollstuhl. Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar holte ihn für «Kika» (1993) vor die Kamera. Unter der Regie von Brian de Palma filmte er 2002 in Paris den Thriller «Femme Fatale». Zuvor legte er sich als arroganter Anwalt mit Julia Roberts in «Erin Brockovich» an. 

Er würde viel lieber in Europa arbeiten, meint Coyote. «Dort habe ich immer mehr Beachtung und Anerkennung erfahren als im eigenen Land. Amerikaner wollen wissen, ob du einen guten oder einen fiesen Kerl spielst. Sie konnten mich nicht auf eine Rolle festlegen. Europäer gehen viel besser mit diesen Nuancen und Widersprüchlichkeiten um. Dort wurde ich regelrecht als Movie-Star angesehen, so viel Anerkennung habe ich in den USA nie erfahren.» 

Coyote hat zahlreiche Dokumentarfilme vertont, oft ohne Gage, wenn es um Umweltthemen und Gesellschaftskritik geht. Er war die Stimme hinter der Oscar-nominierten Doku «Enron: The Smartest Guys in the Room» über die Firmenpleite des US-Energiekonzerns. Zusammen mit Tilda Swinton drehte er das bei der Berlinale gezeigte Doku-Drama «Strange Culture» (2007), das einem Fall von paranoider Überreaktion der amerikanischen Sicherheitsbehörden nachgeht.

Robert Peter Cohon wuchs in einer wohlhabenden Banker-Familie in New York auf. Nach einem Drogentrip mit Peyote legte er sich in den 1960er Jahren seinen Künstlernamen zu. Im Rausch war ihm ein Kojote erschienen. Als junger Student machte er während der kubanischen Raketenkrise Schlagzeilen, als er mit einer Handvoll Friedensaktivisten vor dem Weißen Haus drei Tage in einen Hungerstreik ging. 

In San Francisco schloss er sich der Hippie-Bewegung an. Er lebte in Kommunen und auf der Straße. Er war Mitbegründer der «Diggers», einer radikalen Hilfsorganisation für Hippies, die Privatbesitz ablehnten und Leben in der Kommune propagierten. Bei der legendären San Francisco Mime Troupe, einer linken Straßentheatergruppe, lernte er sein Handwerk als Schauspieler. Diese Aussteiger-Jahre beschreibt Coyote 1998 in seinen Memoiren «Sleeping Where I Fall». Seine zweite Biographie «The Rainman's Third Cure» (2015), nach einem Song von Bob Dylan benannt, dreht sich um Lehrer und Mentoren, die sein Leben prägten. 

An seinen ultraliberalen Ansichten hält Coyote weiter fest. Den Klimawandel und die atomare Bedrohung hält er für die dringlichsten Weltprobleme. «Beides geht in den Nachrichten und im Bewusstsein der Menschen unter», klagt der Amerikaner. In den USA sieht er eine weitere Gefahr. «Unser demokratisches System ist von Geld komplett vereinnahmt worden.» Die großen Unternehmen hätten in der Politik alle Fäden in der Hand und finanzierten die Wahlkampagnen beider Parteien. 

Als Buddhist beginnt er seinen Tag mit Meditation. 1974 habe er sich der Zen-Lehre zugewandt, sagt der Schauspieler. Vor sechs Jahren wurde er zum Priester geweiht. Er folge dem Konzept vom «radikalen Optimismus», erklärt Coyote. Auch in Zeiten mit wenig Hoffnung auf eine Besserung übe er sich darin, ein Optimist zu sein. 

Webseite von Peter Coyote

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erstellt am 10.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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