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Boulevard

11. Dezember 2016 | 05:21 Uhr

Medien : Pop Scandals

vom

Der Hüftschwung von Elvis und nackte Tatsachen von Pin-up-Girl Betty Page reichten in den 50er Jahren schon aus, um nahezu ein Erdbeben auszulösen. Seitdem hat es unzählige Skandale in der Welt der Popmusik gegeben.

Zeit für eine Chronik der größten Skandale und Tabubrüche - und wie sie die Gesellschaft möglicherweise verändert haben. Zu sehen ist die Dokumentation «Pop Scandals» an diesem Samstag (21.45 und 22.40 Uhr) auf Arte.

Ein Skandal richtet sich gemeinhin gegen den moralischen Kompass einer Gesellschaft, und der verändert sich ja ständig. Was früher im höchsten Masse als anrüchig galt, ist heute völlig normal. In den 50er und 60er Jahren waren die Geschlechterrollen im erzkonservativen, prüden und miefigen Deutschland - und auch in den ebensolchen und obendrein bigotten USA - sorgsam verteilt: Vati ging zur Arbeit, und Mutti kümmerte sich um Kinder und Haushalt. Doch dann gab es eine rebellische Jugend und zügellose Popstars, denen selbsternannte Moralapostel und ein konservatives Establishment gegenüberstanden. Angeblich drohte der absolute Sittenverfall durch den hüftschwingenden Elvis, durch den eine ganze junge Generation ihre eigene Sexualität und ihr Begehren entdeckt hat. Heute taugt ein Popsänger, der sich öffentlich am Gemächt kratzt, noch nicht mal zu einem Skandälchen und interessiert eigentlich niemanden mehr.

Die Filmautorinnen Nicole Kraack und Sonja Collison lassen PR-Menschen, Manager, Künstler und Boulevard-Journalisten erzählen. Sie schaffen eine interessante Querverbindung von Betty Page hin zu Madonna, die mit S/M-Motiven ungefähr das gleiche machten, nur eben in zwei verschiedenen Epochen - und dafür heftig angegriffen und verurteilt wurden. Marilyn Monroe war 1953 auf dem Titel der ersten Ausgabe des US-Magazins «Playboy» und innen sogar nackt zu sehen - was damals einen handfesten Skandal auslöste. Ihre Affäre mit dem US-Präsidenten John F. Kennedy (1961/62) wird ebenso thematisiert wie das Verhältnis von Bill Clinton mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky (1998). Während Clinton längst rehabilitiert ist, blieb der Skandal bis heute an Lewinsky hängen. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss: Zerstört wird in solchen Fällen immer die Frau.

Weitere Beispiele werden aufgeführt, darunter auch die Beatles, Jim Morrison, Janis Joplin und die Rolling Stones: Mick Jagger soll angeblich aus der Vagina seiner Freundin einen Schokoriegel gegessen haben. Die Pop-Ikone Donna Summer hat 1975 mit ihrem 16-minütigen hingehauchten Song «Love to love you Baby» eine laszive Art von vertonter Männerphantasie zum Besten gegeben, das im Radio als unspielbar galt. Sie sagt dazu im Film: «Der Song war viel zu sexy für mich. Ich war ein Kirchenmädchen und sehr nervös und gar nicht gewohnt, so sexy zu sein.» Und auch schwule Popstars wie «Frankie goes to Hollywood» bleiben nicht unerwähnt - sie haben mit ihrem Song «Relax» (1983) für eine offene Sexualität geworben, was angesichts der heraufziehenden Krankheit Aids eine ziemliche Herausforderung darstellte.

Vielleicht wären weniger im Film aufgeführte Beispiele besser gewesen, denn so wird der Zuschauer förmlich erschlagen vom Bemühen um eine nahezu lückenlose Chronik. Die grundlegende Frage «Was führte und führt zu einem richtig deftigen Pop-Skandal?» bleibt daher seltsam unbeantwortet. Wird ein Skandal bewusst inszeniert, oder passiert er einfach? Früher hatte ein Skandal noch eine gewisse Botschaft, heute ist er fast zu einer Gewohnheit geworden.

Pop Scandals auf Arte

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erstellt am 30.Jul.2016 | 00:01 Uhr

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