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Boulevard

03. Dezember 2016 | 18:49 Uhr

Film : Politthriller und Liebesfilm - Oliver Stone bringt «Snowden» ins Kino

vom

Der Fall Edward Snowden kommt ins Kino. Nach Filmen wie «Nixon», «JFK» und «Platoon» widmet sich Oliver Stone, der Meister des politischen amerikanischen Kinos, wieder einmal einem bedeutenden Kapitel jüngster US-amerikanischer Geschichte.

Die Affäre versetzte die Welt in Aufregung und dem weltweiten Image der USA einen weiteren Schlag. Als Whistleblower Edward Snowden sich entschloss, mit seinem Wissen über die ausufernde Überwachung der National Security Agency (NSA) an die Öffentlichkeit zu gehen, schrieb er Geschichte.

Der oscar-prämierte Regisseur Oliver Stone («Platoon») setzt Snowden nun ein Denkmal und stellt ihn gewissermaßen in eine Reihe mit den US-Präsidenten «Nixon» und «JFK», über die er auch schon Aufsehen erregende Filme gedreht hat. Mal wieder widmet der Filmemacher sich also einem bedeutenden Kapitel jüngster US-amerikanischer Geschichte.

Stone erzählt die Geschichte hinter dem NSA-Skandal, die Geschichte des Menschen Edward Snowden. Und sie erklärt, warum dieser junge Mann mit seinem Job auch sein bisheriges Leben hinter sich ließ, um sich im Jahr 2013 in einem Hotel in Hongkong mit Journalisten zu treffen und ihnen zu erzählen, was er gesehen hat. Für die Film-Vorbereitungen traf Stone Snowden in dessen Zwangs-Exil in Moskau.

«Snowdens Motivation wird in unserem Film klar. Wir zeigen die Dinge, die er über einen Zeitraum von neun Jahren für die National Security Agency getan hat und die ihn abgestoßen haben», begründet Stone im Interview der Deutschen Presse-Agentur kurz vor der Europapremiere am Montag in München seine Entscheidung, den Film zu machen - obwohl es mit «Citizenfour» schon eine oscar-prämierte Dokumentation über Snowden und den NSA-Skandal gibt. «Man sieht das ganze Bild dieses Mannes - und wer er einmal war.» Stone sagt: «Wir haben keine Dokumentation gedreht, sondern ein Drama.»

Und so kehrt der Film in Rückblenden immer wieder aus dem Zimmer des Hongkonger Luxushotels, wo Snowden (Joseph Gordon-Levitt) sich mit den Journalisten Glenn Greenwald (Zachary Quinto), Ewen MacAskill (Tom Wilkinson) und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Melissa Leo) verschanzt, um ihnen seine Geschichte zu erzählen, zurück zu Schlüsselszenen aus dem Leben des jungen Mannes.

Zu sehen ist ein überzeugter Patriot, ein Konservativer, der aus Liebe zum Vaterland zur Armee geht und schließlich auch zur CIA, wo er als herausragender Programmierer nicht nur dem wegen unbequemer Vorschläge ausgemusterten Hank Forrester (großartig, im Film aber leider viel zu selten zu sehen: Nicolas Cage), sondern auch seinem Förderer Corbin O'Brian (fast diabolisch: Rhys Ifans) auffällt. Vieles davon ist bekannt. Überraschend ist auch nicht, dass Stone sich ganz klar und vorbehaltlos auf Snowdens Seite stellt.

Der Film, der über weite Strecken in Bayern gedreht wurde, hat viel von einer Dokumentation. Das liegt an der sachlichen Art der Inszenierung und vor allem am Spiel von Hauptdarsteller Gordon-Levitt («Inception»), der den Film-Snowden so weit wie möglich an den Snowden aus der realen Welt anzulehnen versucht und damit beeindruckend erfolgreich ist.

Neu ist, dass Regisseur Stone die Liebe zwischen Snowden und seiner Freundin Lindsay Mills (Shailene Woodley) als wichtigen Schlüssel zu seiner schließlich dann einsamen Entscheidung begreift, mit seinem Wissen um die NSA-Praktiken an die Öffentlichkeit zu gehen. «Die Figur Lindsay Mills ist entscheidend für die Geschichte», sagt Stone der dpa. «Snowden hat eine menschliche Beziehung zu ihr und das ist die Verbindung zu seiner Seele. Das lässt ihn die Arbeit für die National Security Agency überleben, ohne ein Roboter zu werden, wie so viele seiner Kollegen.»

Wenn Lindsay Nacktfotos auf ihren Computer lädt und er weiß, dass seine Kollegen sie so sehen können. Wenn er die Kamera seines Rechners zuklebt, bevor die beiden Sex haben.

Wenn sein CIA-Mentor O'Brian ihm in der womöglich stärksten, weil spielerischsten und surreal wirkenden Szene überdimensional groß auf dem Bildschirm in einer Konferenz-Schaltung erscheint und ihm versichert, dass Lindsay nicht mit ihrem Fotografen-Kollegen schläft, weil er ihre Chatverläufe kennt - dann reift in Snowden die Erkenntnis, dass es nicht in Ordnung ist, was die NSA da tut.

Gewissermaßen ist «Snowden» also auch ein Liebesfilm. Vor allem ist er ein überaus spannender Politthriller, der über weite Strecken zwar sehr herkömmlich inszeniert ist, aber noch einmal in aller Deutlichkeit die große und wichtige Frage unserer Zeit stellt: Freiheit oder Sicherheit? Der Film hat dazu eine klare Meinung - und Regisseur Stone auch.

Die USA sind seiner Ansicht nach kein freies Land. «Wie kann es frei sein, wenn alle Bürger belauscht werden? Wie kann es frei sein, wenn man sich fühlt, als lebe man in einem 1984-George-Orwell-Staat?»

"Snowden"

"Variety"-Filmrezension

Rezension "The Hollywood News"

Homepage Oliver Stone

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von
erstellt am 19.Sep.2016 | 20:33 Uhr

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