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Boulevard

08. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Medien : Philomena

vom

Sie war jung, verliebt und leichtsinnig: Als unverheiratete Frau bekam Philomena ein Kind. Im tief katholischen Irland der 50er Jahre eine Todsünde. Die junge Frau musste ins Kloster, ihre Schuld abarbeiten und dulden, dass ihr Kind zur Adoption freigegeben wurde.

Vor rund drei Jahren wurde die Geschichte der «Philomena» mit Judi Dench in der Hauptrolle fürs Kino verfilmt. Das Erste zeigt an diesem Montag (20.15 Uhr) das anrührende Drama, das 2014 für vier Oscars - unter anderem für Dench in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin - nominiert wurde, aber keinen erhielt.

Der Film erzählt die auf einer wahren Begegebenheit basierende Geschichte einer Irin, die ihren Sohn auf diese Weise verliert und ihn 50 Jahre nach der Geburt wiederfinden will. Regisseur Stephen Frears hat aus dem Buch des Journalisten Martin Sixsmith eine herzzerreißende, packende Tragikomödie inszeniert, die trotz aller Dramatik viele komische und versöhnliche Seiten hat. Der zwölf Millionen Dollar teure Film spielte weltweit rund 85 Millionen Dollar ein.

Zu verdanken ist das Werk vor allem dem Schauspieler Steve Coogan. Ein Zeitungsartikel hatte ihn auf das Buch von Sixsmith aufmerksam gemacht. Nach der Lektüre ließ ihn Philomenas Schicksal nicht mehr los. Bald stand für ihn fest: Der Stoff muss verfilmt werden. Coogan schrieb mit Jeff Pope das Drehbuch und wurde einer der Produzenten. Und er spielte auch mit. Als Sixsmith macht er sich mit Philomena auf, um deren verschollenen Sohn zu finden. Ihr Weg führt sie in das Kloster Roscrea. Doch dort weiß niemand mehr, was mit Anthony passierte, nachdem er mit drei Jahren adoptiert worden war. Über einen Barkeeper finden sie dann doch noch eine Spur. Sie führt nach Amerika, genauer gesagt nach Washington D.C., ins Zentrum der US-amerikanischen Politik.

Dench und Coogan bilden ein wunderbares Paar - sie ist eine simple Krankenschwester, die sich an Liebesromanen ergötzt und auf dem Flug in die USA dem modernen Leben mit ungläubigem Staunen begegnet. Coogan dagegen gibt den zynischen Zweifler, der die alte Dame anfangs ziemlich skeptisch begleitet und bisweilen von ihrer naiven Art völlig genervt ist. Doch bald erkennt er, dass sich hinter ihrer schlichten Fassade eine zutiefst verletzte, herzensgute Frau verbirgt, die an ihrem Schicksal zu zerbrechen droht.

Zu überwältigend ist der Schmerz darüber, dass sie im Grunde genommen das falsche Leben gelebt hat. Ein Leben ohne Anthony, der als Kleinkind mit seinem Lächeln und seiner kindlichen Liebe tief in ihr Herz eingedrungen ist. Selbst ihre viel später geborene Tochter Jane konnte ihn nicht verdrängen. «Ich möchte wissen, ob Anthony jemals an mich gedacht hat, wie ich an ihn gedacht habe jeden Tag», fasst sie ihre Sehnsucht zusammen. Ihre Hauptangst: «Ich habe Visionen, dass er heimatlos ist und niemand ihn liebt.»

Der Film geht mit seinem Wechselbad zwischen Lachen und Weinen unter die Haut - vor allem, weil Dench mit ihrer faszinierenden Gabe für große Frauenrollen ohne jeden Pathos spielt. Dench wird dieser Aufgabe gerecht: Philomenas Schmerz ist roh, brutal und von ungeheurer Wucht, wie eine frisch aufgerissene Wunde. Und trotzdem will diese kleine, einfache Frau nicht hassen, schon gar nicht die Klosterschwestern, die ihr das Leid zugefügt haben. Und die stur darauf beharren, dass sie nichts über Anthonys Schicksal wissen.

Für Martin ist Philomenas Verständnis ein komplettes Rätsel. Bald reagiert er mit rasender Wut, vor allem, weil die alte Dame partout an ihrem tiefen, katholischen Glauben festhält. Am Ende muss auch Martin erkennen, dass Vergebung und Milde oft die bessere Antwort sind als Hass und Verachtung. «Ich bin wütend», brüllt er seiner eigensinnigen Begleiterin entgegen. Doch Philomena setzt dem trocken und ruhig entgegen: «Das muss sehr anstrengend sein.»

Philomena

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erstellt am 01.Aug.2016 | 00:01 Uhr

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