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Boulevard

03. Dezember 2016 | 03:32 Uhr

Medien : Nymphomaniac

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Eine junge Frau verrichtet im Zug einen Blowjob. Etwas älter, lässt sie sich an ein Sofa gefesselt den Hintern versohlen, während sich zwei dunkelhäutige Fremde streiten, wer zuerst an der Reihe ist. Es gibt Momente in dem bildgewaltigen Sexdrama «Nymphomaniac», da mag manch Zuschauer vielleicht lieber wegsehen. 

Für zarte Gemüter ist der jüngste Film des dänischen Skandalregisseurs Lars von Trier nichts. Und trotzdem ist es sein vielleicht größtes Meisterwerk, das am 5. (nachts um 0.35 Uhr) und 8. Juli (23.55 Uhr) in zwei Teilen als TV-Erstausstrahlung in der Reihe «Erotische Filme im ZDF» läuft.

In den Anfangsszenen, in denen Regentropfen zu Rammstein-Klängen auf eine dunkle Gasse prasseln, baut der Filmemacher eine unbehagliche Spannung auf, die bis zur Schlussszene nicht nachlässt. Von Trier erzählt die Geschichte der sexsüchtigen Joe (überwältigend gespielt von Charlotte Gainsbourg), die der Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) zusammengeschlagen findet und mit nach Hause nimmt. Dort breitet die gebrochene Nymphomanin ihr ganzes, schlüpfriges Leben vor ihm aus.

In Deutschland lockten die zwei Teile des Sexdramas einzeln weniger Menschen ins Kino als frühere Von-Trier-Filme wie «Melancholia» (2011) oder «Breaking the Waves» (1996). Vielleicht liegt es daran, dass «Nymphomaniac I + II» zusammen vier Stunden lang sind, in einer Version des Regisseurs sogar noch länger. Sehenswert ist das Werk trotzdem. Auch, weil von Trier jeden Gedanken hineinsteckt, den er im Schaffensprozess «im Kopf gehabt haben könnte», sagt Seligman-Darsteller Skarsgård.

So entsteht eine künstlerische Collage, an der von Trier eineinhalb Jahre gearbeitet hat. Für «Nymphomaniac», sagt er später, habe er nur so lange gebraucht, weil es der erste Film sei, den er nüchtern gemacht habe. Die spannende Frage ist, ob das brutale Drama auch auf den Fernsehbildschirmen eine solche Wirkung entfaltet wie im Kino. Das ZDF zeigt die Filme nach eigenen Angaben im Vergleich zum Kino in unveränderter Fassung, lediglich der Abspann wurde verkürzt.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 00:01 Uhr

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