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Boulevard

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Medien : Neid ist auch keine Lösung

vom

Ein junges Ehepaar führt ein nettes Leben in der schönen Stadt Siegen. Alles könnte so schön sein, wenn nicht eines Tages die Einladung zu einer Geburtstagsfeier ins beschauliche Haus flattert, die das bisher geführte Leben der beiden Enddreißiger gehörig in Frage stellt. Darum geht es in der Komödie «Neid ist auch keine Lösung», die an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist. Marie (Stefanie Stappenbeck) und Markus Baumgartner (Matthias Koeberlin) sind seit mehreren Jahren verheiratet und haben zwei aufgeweckte Kinder - eine ganz normale Familie also, die ganz normal (und sicher auch etwas spießig) vor sich hin lebt. Marie wollte eigentlich Ärztin werden und arbeitet nun als Sprechstundenhilfe, während Markus ursprünglich mal Bücher schreiben wollte und sein Dasein als Lektor fristet.

Eines Tages meldet sich eine alte Schulfreundin von Marie ganz unerwartet bei ihr: Heike Steiner (Christina Hecke) und ihr Mann Hans (Götz Otto) laden sie zur Feier ihres 40. Geburtstags ein. Die beiden fahren also hin, und schon bei der Ansicht des Traumhauses am See und der Luxuslimousine davor wird ihnen klar, dass sie in eine andere Welt geraten sind.

Dies umso mehr, als sie erfahren, dass Heike in in ihrem Traumberuf als Fotografin sehr erfolgreich ist, während Hans als Autor von Ratgebersendungen ebenfalls gutes Geld verdient und fleißig Golf spielt. Allmählich kommt vor allem in Marie der blanke Neid hoch, frei nach dem Motto: «Das Leben findet da draußen zwar statt, nur ohne mich». Später wird sie auch noch sagen: «Auf meinem Grabstein soll stehen: Sie hat fast gelebt».

Ganz so schlimm ist es natürlich nicht, zumal ihr auf der Geburtstagsparty ihr alter Schulschwarm Florian (Stephan Luca) heftige Avancen macht. Derweil breitet die Lektorin Carolina (Bibiana Beglau) ihre Fangarme nach Markus aus, der aus einem seiner alten Manuskripte vorliest und damit auch alle anderen anwesenden Damen in helles Entzücken versetzt. Kurz bevor Florian der verdutzten Marie nicht nur den Sternenhimmel über seiner Alm zeigen und Carolina mit dem nicht minder verdutzten Markus zu neuen Ufern (natürlich nur mit ihr) aufbrechen will, ziehen sie beide die Notbremse.

Regisseur Tobi Baumann (42, «Vollidiot») und die beiden Autoren Martin Dolejs und Johann A. Bunners haben ihre Komödie als notorisch nervendes Possenspiel inszeniert. Die allenthalben vorherrschende Fröhlichkeit geht einem jedoch alsbald gehörig auf den Keks, zumal den Schauspielern unsägliche, weil völlig lebensfremde Sätze in den Mund gelegt werden wie «Ach Schatz, Du weißt doch: 40 ist das neue 30» oder «Dann bin ich die neue Gisele Bündchen». Nach einer Shoppingrunde fragt Markus seine Gattin: «Hat dafür denn auch die Altersvorsorge gereicht?» Irgendwie kommen einem alle Personen so vor, als kämen sie direkt aus dem Poesiealbum - welches Marie zum Schluss etwas verschämt als Geburtstagsgeschenk an Heike überreicht. Worüber die sich geradezu unbändig freut.

Für den Zuschauer mag das weniger gelten - dazu ist das ganze turbulente Geschehen einfach zu banal gestrickt und erschreckend seicht erzählt. Selbst als gegen Ende hin ein Hauch von Ernsthaftigkeit durch den Film weht, wird diese sofort im Pool ertränkt. Die Schauspieler können hier leider auch nichts retten - vor allem Stefanie Stappenbeck als permanent aufgedrehte Gattin agiert schon hart an der Grenze des Erträglichen. Und warum sie nun derart maulig-neidisch wird, bleibt völlig unerfindlich - denn sie ist mit ihrem Leben im Grunde ziemlich zufrieden. Am Ende wird deutlich, dass jeder der vier Freunde die anderen um etwas beneidet, dass sie aber trotzdem - oder gerade deshalb - glücklich weiterleben können. Das ist natürlich schön, aber um das herauszufinden, ist dieser Film nun wirklich auch keine Lösung.

Neid ist auch keine Lösung

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erstellt am 02.Jun.2016 | 00:01 Uhr

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