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Boulevard

08. Dezember 2016 | 15:22 Uhr

Film : Nazi-Drama oder Musical: Favoriten beim Filmfest Venedig

vom

Die Beiträge sind in diesem Jahr höchst unterschiedlich. Kurz vor der Vergabe des Goldenen Löwen scheint das Rennen in Venedig noch offen zu sein. Vielleicht ist ja auch ein Deutscher unter den Preisträgern.

Eine einfache Wahl wird das sicher nicht. Denn statt eines klaren Favoriten auf den Goldenen Löwen gibt es beim Filmfest Venedig in diesem Jahr gleich mehrere preiswürdige Werke.

Wen die Jury mit «James Bond»-Regisseur Sam Mendes und der Deutschen Nina Hoss beim ältesten Festival der Welt wohl an diesem Samstag auszeichnet? 

Ein starker Anwärter auf den Hauptpreis ist die deutsche Koproduktion «Paradise»: Es sind klare Schwarz-Weiß-Bilder, mit denen der Russe Andrej Kontschalowski die Gräuel der Nazi-Vernichtungslager einfängt. Sein Fokus liegt zwar auf einer Widerstandskämpferin und einem ranghohen SS-Offizier, doch mit Hilfe ihrer Sichtweisen offenbart sich auch ein größeres und beklemmendes Bild des gesamten Grauens.

Möglicherweise lässt sich die Jury auch von einem leichteren Werk überzeugen - das knallbunte Musical «La La Land» liegt da in der Gunst der Kritiker weit vorn. Als eine Hommage an Musicalklassiker des alten Hollywoods begeistert das charmante und nostalgisch anmutende Werk mit Emma Stone und Ryan Gosling als Liebespaar. 

Auch der Modedesigner Tom Ford überzeugt einmal mehr als Regisseur. Mit «Nocturnal Animals», seinem zweiten Spielfilm, legt er einen düsteren, visuell durchkomponierten Thriller über einen Mord in der texanischen Einöde vor. Seine Hauptdarstellerin Amy Adams stellte im Wettbewerb gleich noch einen zweiten Film vor: In «Arrival» kreiert der Kanadier Denis Villeneuve ein philosophisches und ungewöhnlich action-freies Drama über die Ankunft von Aliens auf der Erde.

Für die Auszeichnung als beste Schauspielerin drängt sich vor allem Natalie Portman auf. In der Rolle der First Lady «Jackie» Kennedy erlebt sie, wie ihr Mann John F. Kennedy bei dem Attentat in Dallas neben ihr im Auto erschossen wird. Portman verausgabte sich als Frau inmitten einer Tragödie, was auf viele Zuschauer als zu einstudiert wirkte.

Deutlich stiller und nuancierter blieb die Deutsche Paula Beer in Erinnerung. Sie verkörperte in François Ozons Drama «Frantz» eine junge Frau, die nach dem Ersten Weltkrieg um ihren Verlobten trauert und dann einen französischen Soldaten trifft.

Bei den Männern könnte sich Oscar Martínez gegen die Konkurrenz durchsetzen. In dem argentinischen Beitrag «El ciudadano ilustre» gibt er einen Literaturnobelpreisträger, der nach Jahrzehnten in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo er nicht nur mit offenen Armen empfangen wird. Intensiv ist auch die Leistung des Chilenen Michael Silva, der in «El Cristo ciego» eine Art Wiedergeburt von Jesus Christus erlebt.

Was für ihn einen preiswürdigen Film ausmache, wisse er noch nicht genau, hatte Jurypräsident Sam Mendes zu Festivalbeginn erklärt. Möglicherweise ist es ja auch die Vision des Deutschen Wim Wenders, der mit «Die schönen Tage von Aranjuez» ein Theaterstück von Peter Handke in 3D inszeniert. Oder das drastische Kannibalendrama «The Bad Batch», mit dem Regisseurin Ana Lily Amirpour der amerikanischen Gesellschaft einen Zerrspiegel vorhält. Viel unterschiedlicher könnten die Beiträge jedenfalls nicht sein.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 12:42 Uhr

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