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Boulevard

04. Dezember 2016 | 19:30 Uhr

Komische Momente inklusive : Mutter reicht's jetzt

vom

So kann es nicht weitergehen: «Mutter reicht's jetzt». Ulrike Krumbiegel spielt in der turbulenten Komödie eine Frau, die aus ihrem alten Leben ausbrechen will.

Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Das beweist die charmante Komödie «Mutter reicht's jetzt», die das Erste an diesem Freitag um 20.15 Uhr zeigt.

Barbara, berührend gespielt von Ulrike Krumbiegel, hat ihre Lebensträume schon fast begraben. Ihre Ehe mit Karl (Ernst Stötzner) ist in einer öden Routine erstarrt. Die Kinder (Marie Leuenberger und Frederic Linkemann) betrachten die Mutter als selbstverständliche Dienstleisterin in Sachen Finanzen und Kinderbetreuung.

An ihrem 35. Hochzeitstag nimmt Barbara wieder einmal einen Anlauf. Eine Reise in ihr Sehnsuchtsland Frankreich zu den blühenden Lavendelfeldern der Provence schenkt sie ihrem Karl. Doch der stellt sich wie immer quer - hat im Gegenzug aber ein gigantisches Hochzeitstagsgeschenk für Barbara. Nur schade, dass er sich selbst damit eine viel größere Freude macht als seiner Frau.

Der Zufall gibt Barbaras Leben dann plötzlich eine neue Wendung. Versehentlich gerät sie in einen Französischkurs an der Volkshochschule. Dominique Horwitz verkörpert augenzwinkernd den schillernden Kursleiter Alexander, der seinen Schülern auf ziemlich unkonventionelle Art nicht nur die Sprache, sondern vor allem die französische Lebensart näher bringt - neues Selbstvertrauen inklusive.

Die vielseitige Theater- und Filmschauspielerin Ulrike Krumbiegel (54, «Stilles Tal», «Unter der Haut») spielt Barbara als sympathische, zurückhaltende Frau in den sprichwörtlich besten Jahren. Langsam erkennt die Ehefrau und Mutter, dass sie auch mal an sich selbst denken darf - bevor sie gänzlich in der Küche und im Büro des Autohauses der Familie verkümmert. Krumbiegel verleiht dieser vorsichtigen Wandlung mit ihrem souveränen Spiel große Glaubwürdigkeit.

Aber auch die komischen Momente kommen nicht zu kurz. Dafür sorgen unter anderem die kuriosen Szenen mit den Französisch-Schülern: Das sind schüchterne bis temperamentvolle Typen mit einem Haufen eigener Probleme vom Nazi-Vater über die Drogenvergangenheit bis zur verheimlichten Homosexualität - treffend dargestellt von den Schauspielern Lisa Wagner, Michael Wittenborn, Edin Hasanovic und Michael Kranz.

«Du hast gesungen - ist alles in Ordnung?», fragt Karl seine Barbara, als die innerlich ein bisschen auftaut und im Halbschlaf Edith Piafs «Non, je ne regrette rien» trällert. Karl ist erst stinkig, dann eifersüchtig, als er merkt, dass Barbara ein neues Eigenleben entwickelt.

Ein bisschen mehr Tempo hätte dem sensibel inszenierten Film (Regie: Matthias Tiefenbacher) sicher nicht geschadet. So ist «Mutter reicht's jetzt» eine solide inszenierte Komödie über den Mut zum Aufbruch geworden. Ulrike Krumbiegel gibt der Geschichte ein ganz eigenes, unvergessliches Gesicht.

"Mutter reicht's jetzt"

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erstellt am 28.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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