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Boulevard

03. Dezember 2016 | 05:42 Uhr

Lustig und einfühlsam : «Morris aus Amerika» und die Vorurteile

vom

Erwachsenwerden ist schwierig. Wer braucht da noch Stress mit Gleichaltrigen? Ein 13-Jähriger aus New York zieht nach Heidelberg und wird mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Wie soll er damit bloß klarkommen? Die Antwort im sehenswerten Film «Morris aus Amerika».

Mit 13 werden Freunde bald wichtiger als die Familie. Für Morris ist es deshalb eine Katastrophe, als er aus New York nach Heidelberg umziehen muss, wo sein Vater als Fußballtrainer arbeitet. Neue Freunde? Fehlanzeige. Denn Morris ist schwarz und spricht kaum Deutsch.

Bald sieht er sich mit lauter Vorurteilen konfrontiert. Nur Katrin (Lina Keller) ist anders - wenngleich die frühreife 15-Jährige ganz eigene Vorstellungen von Freundschaft hat. «Morris aus Amerika» ist ein Film über das Heranwachsen, der die Sorgen der Figuren ernst nimmt und mit Humor und guter Musik erzählt, was in ihnen so vorgeht, ohne erhobenen Zeigefinger und Besserwisserei.

Chad Hartigan wurde für sein Drehbuch beim renommierten Sundance Film Festival deshalb auch mit einem Preis geehrt. In seinem einfühlsam und lustig inszenierten Film geht um die Suche nach der eigenen Persönlichkeit, um Liebe und um das bohrende Gefühl, anders zu sein. Der ganze Kram eben, der Teenagern zu schaffen macht. Gleichzeitig legt Hartigan offen, wie subtil Vorurteile immer noch wirken und dass vermeintliche Späße wehtun können. «Morris aus Amerika» ist deshalb auch ein Film, den Schüler unbedingt sehen sollten.

Morris hat genug damit zu tun, erwachsen zu werden. Nun auch noch dieser Umzug. In Heidelberg wird der dickliche, schweigsame Junge zur Zielscheibe des Spottes seiner Gleichaltrigen, erfüllt er doch keine der Stereotypen, die nach Ansicht der Jugendlichen für Schwarze aus Amerika gelten. Er spielt nicht Basketball, er will nicht tanzen und auch seine Rap-Künste, auf die er eigentlich so stolz ist, will er nicht zeigen. «Und hast du einen großen Schwanz?» Als im Jugendzentrum ein Joint gefunden wird, ist für alle klar, wer dahinter steckt: natürlich Morris.

Markees Christmas spielt Morris mit genau der Unbeholfenheit, die Jungen in diesem Alter oft an den Tag legen. Sein Vater (Craig Robinson - «Mr. Robot») ist verwitwet und mit den Launen des Sohnes überfordert. Auch für ihn ist es gewöhnungsbedürftig, im Kinderzimmer eine Zeitschrift mit nackten Frauen zu finden... Und dann ist da noch die Nachhilfelehrerin Inka, wunderbar gespielt von der Schweizerin Carla Juri («Feuchtgebiete»). Sie mag Morris und versucht, ihm zu helfen, doch das ist gar nicht so einfach, vor allem weil Katrin wesentlich verlockender ist.

Morris aus Amerika, Deutschland/USA 2016, 90 Min., FSK ab 12, von Chad Hartigan, mit Markees Christmas, Craig Robinson, Carla Juri.

Morris aus Amerika

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erstellt am 29.Okt.2016 | 13:27 Uhr

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