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Boulevard

10. Dezember 2016 | 02:18 Uhr

Musik : Metronomy: Elektropop im Retrosound

vom

Musiker Joseph Mount hört gerne schlechtes Radio. «Wirklich schlechtes Radio», sagt der Kopf hinter der britischen Band Metronomy. «Nur um zu wissen, was die Leute gerade so hören.»

Mainstream-Radio sei ja nicht schlecht, weil die Musik an sich nicht gut sei, sondern weil es versuche, jedem zu gefallen. Mounts Elektro-Projekt passt da nicht rein - etwas funky, etwas anstrengend.

Und relativ typisch für Musik, die manche Hipster so hören, leicht wippend, mit einem Negroni in der Hand. Jetzt hat Mount ein neues Album herausgebracht: «Summer 08». «Es ist eine simple Platte», erzählt er beim Interview in Berlin. Es ist morgens, er rührt in seinem Kaffee und streicht sich durch die Locken. «Da gibt es keine tiefere Botschaft.»

Gut, dann wäre das schon mal geklärt. Mount hat die Platte allein in Frankreich aufgenommen, singt zum Großteil mit seiner hohen Stimme allein, nur auf der Bühne besteht die Band aus mehreren Musikern.

Der Brite hat mal gesagt, er sei froh, solange im Publikum ein paar Teenies seien. «Ich mache keine Musik speziell für Teenager», erklärt Mount dazu heute. Aber man sei irgendwie nur relevant, wenn junge Leute mögen, was man mache. «Ein Zeichen des Altwerdens ist, das schlecht zu reden, was junge Leute mögen.» Man könne etwa Justin Bieber hassen, aber er sei nun mal relevant.

Die Tatsache, dass er sich Justin Bieber als Beispiel aussucht, sagt wahrscheinlich auch etwas über Joe Mount aus. Und sein Alter, wie er selbst sagt. «Wenn ich alt sage, dann meine ich Leute wie mich, um die 30.» Mount lebt inzwischen als Familienvater in Paris. Und ob wirklich Teenies so auf sein Album stehen?

Metronomy jedenfalls klingen oft nach herrlich alten Zeiten. Nach 70ern und 80ern, verpackt mit Elektronischem von heute. Unbedingt anhören: «16 Beat» und «Night Owl». Wenn man Mount auf den Retro-Sound anspricht, passt ihm das nicht so. Er werde oft gefragt, ob er ein nostalgischer Mensch sei, sagt er. Er finde, das sei immer mit etwas Negativem verbunden. «Ich denke nach vorne.»

Die beste Situation, um seine Musik zu hören, sei zum Urlaubsbeginn: Wenn man das Büro am letzten Tag verlasse und dann frei habe, erzählt er. Seine Musik klingt gut gelaunt - und mit dem Albumtitel erinnert er an den Sommer 2008, von dem an es mit der Karriere nach oben ging. Danach hätten sie keinen Sommer mehr frei gehabt, sagt Mount.

Der Song «My House» klingt dann auch ziemlich nach «The Look», einem der Ohrwürmer vom früheren Album «The English Riviera» von 2011. Der «Guardian» bescheinigte der Platte damals übrigens durchaus einen Radiosound. Dass seine Musik mal groß im Mainstream-Radio läuft, glaubt Mount aber eher nicht. Die Idee fände er super, sagt er, «aber ich glaube, da lebe ich in einer Traumwelt, wenn ich das sage».

Website Metronomy

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erstellt am 01.Jul.2016 | 09:53 Uhr

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