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Boulevard

03. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

TV-Tipp : Meine Schwestern

vom

Linda spürt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Sie ist herzkrank. Ihr Wunsch: ein gemeinsames Wochenende mit ihren Schwestern. Die drei starten in eine fröhliche und zugleich dramatische Reise. Die ARD zeigt «Meine Schwestern» am 5. Oktober.

Linda hat einen Herzfehler und ahnt, dass sie die nächste Operation nicht überleben wird. Sie nimmt Abschied vom Leben - mit einer letzten Reise an Orte glücklicher Kindheitstage. Ihre beiden Schwestern begleiten sie.

Erinnerungen kommen auf, und Unausgesprochenes wird ausgesprochen. Die ARD zeigt an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) das Drama «Meine Schwestern», das durch leise Töne und Unaufgeregtheit überzeugt.

Lindas (Jördis Triebel) Herzfehler hat das Verhältnis der drei Schwestern untereinander geprägt. Katharina (Nina Kunzendorf) fühlte sich als ältere immer verantwortlich. Jetzt hat sie Familie, drei Kinder und eigentlich keine Zeit. Clara (Lisa Hagmeister) wurde als jüngere immer von schlechten Nachrichten verschont. Ganz unbeschwert kann die Reise in die Vergangenheit nicht werden.

Der Film von Lars Kraume besteht aus einer Rückblende, beginnt mit dem Tod Lindas. Pfleger schieben ihre Leiche in den Kühlraum. Aus dem Off erzählt Linda: «Mein Tod kam für mich nicht überraschend, ich habe ihn erwartet.» Drei Monate hatten die Ärzte ihr als Neugeborenem gegeben. «Daraus wurden 30 Jahre.» Jedes Jahr ein Geschenk, findet sie.

Die Familie hat den näher rückenden Tod Lindas stets verdrängt. Der Film, der stellenweise fast dokumentarische Züge hat, zeigt, wie die tödliche Krankheit das Leben aller bestimmt. Ein Leben zwischen Alltag und Ausnahmezustand. Linda ist diejenige, die ihre Ängste nicht zeigen will, um die Familie zu schützen.

Und so stimmt sie auch der Operation zu. Sie will der Familie die Hoffnung nicht nehmen. Obwohl sie sich ihr Ende anders vorstellt: «An einem schönen Ort friedlich die Augen zu schließen. Zum Abschied geküsst zu werden. Oder in einem glücklichen Moment tot umfallen, in die Arme eines geliebten Menschen.»

Linda hat immer Rücksicht genommen. Jetzt setzt sie den Wochenendtrip mit den Schwestern durch. Katharina ist genervt, hat keine Lust. Schon gar nicht, sich mit Lindas Herzfehler zu befassen. Dennoch kommt sie mit an die Nordsee. Clara wirkt zunächst fröhlich. Nach und nach lässt sie hinter die Fassade blicken. Zur Uni geht sie kaum noch, manchmal ist sie depressiv. Dass sie nie einbezogen wurde, quält sie. «Ich weiß überhaupt nichts über euch.»

In der Familie drehte sich immer alles um Linda und ihren Herzfehler. Die Schwestern waren überfordert. Und sind es immer noch. Wie sollen sie mit der Situation umgehen? Der Tod wirft auch über das Wochenende im Ferienort an der Nordsee seine Schatten. Linda ist am Ende ihrer Kräfte. Dennoch reist das Trio weiter nach Paris. Tante und Onkel besuchen. Die drei driften auseinander und halten doch zusammen.

Jördis Triebel gibt eine Linda, die ruhig und pragmatisch mit ihrer Situation umgeht. Sie bleibt stark. Auf ihren Tod habe sie sich schließlich 30 Jahre vorbereiten können, sagt sie. Kunzendorf spielt glaubhaft die große Schwester, die hin- und hergerissen ist zwischen Fürsorge und Wut - etwa wenn sich der Vater am Telefon nur nach dem Befinden von Linda erkundigt. Hagmeister lässt Clara im Laufe des Filmes wachsen. Die drei Schwestern erleben ein dramatisches und doch erfüllendes Wochenende.

«Sie müssen weiterleben, ohne mich. Darauf wollte ich sie vorbereiten», sagt Linda zu Beginn des Films. Mission erfüllt. Als die Schwestern sie vor dem OP-Saal verabschieden ist klar, dass sie sich nicht wiedersehen werden.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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