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Boulevard

08. Dezember 2016 | 17:13 Uhr

Fernsehen : Marlon Brando - Der Harte und der Zarte

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Er war einer der ganz großen Stars des 20. Jahrhunderts, Marlon Brando (1924-2004) fasziniert bis heute als unangepasster Rebell und Störenfried, der nie auf Konventionen Rücksicht nahm. Als unbeugsam und unbezwingbar galt schon der junge, charismatische Brando, als er mit 19 Jahren nach New York ging und dort vom Liftboy schnell zum Theaterstar avancierte.

In seiner materialreichen, klug erzählten Dokumentation «Der Harte und der Zarte», die an diesem Sonntag um 20.15 Uhr bei Arte läuft, zeichnet der französische Filmemacher Philippe Kohly das bewegte Leben dieser Schauspiel-Legende nach. In Interviews mit Freunden und Weggefährten und vielen Filmausschnitten und Selbstbeschreibungen entsteht das widersprüchliche Porträt eines Künstlers und Filmstars, der seinen Beruf nie liebte und im Privatleben in späteren Jahren etliche Tragödien erlebte.

Brandos Kindheit in einer ländlichen Gegend im Mittleren Westen der USA war die Hölle - beide Eltern Alkoholiker, der Junge vernachlässigt, oft alleingelassen, Legastheniker. Die Traumata dieser frühen Jahre werden Brando sein ganzes Leben lang verfolgen, er begibt sich immer wieder in psychiatrische Behandlung.

In New York gelingt dem hochbegabten, blendend aussehenden jungen Mann der Durchbruch in der Rolle des Stanley Kowalski in Tennessee Williams' Theaterstück «Endstation Sehnsucht». Die Verfilmung macht Brando 1951 über Nacht zum Star. Er spielt den Freiheitskämpfer Emiliano Zapata, deklamiert Shakespeares Verse in «Julius Caesar», zieht sich die Lederjacke über in dem Bikerdrama «Der Wilde», und gewinnt schon 1955 sein ersten Oscar für «Die Faust im Nacken».

Brando steht auf dem Zenit seiner Karriere, aber er will sich nicht ins rigide Hollywood-Studiosystem einfügen. Er schikaniert Regisseure, torpediert Drehpläne, wird vertragsbrüchig. 22 endlose Monate ziehen sich die Dreharbeiten zur «Meuterei auf der Bounty» auf Tahiti hin, weil der Star das Team und gleich drei Regisseure zur Weißglut treibt. Nach diesem Exzess ist Brandos Hollywood-Karriere Geschichte.

Er engagiert sich in den 1960er Jahren in der Bürgerrechtsbewegung, macht mit unzähligen Frauengeschichten Schlagzeilen, flieht in sein Südsee-Paradies und feiert dann Anfang der 1970er Jahre doch ein unglaubliches Comeback. Mit der Rolle des Don Corleone in Francis Ford Coppolas Mafia-Epos «Der Pate» gewinnt er seinen zweiten Oscar, in Bernardo Bertoluccis «Der letzte Tango in Paris» gibt er sich so freizügig wie nie, und als durchgeknallter Colonel Walter E. Kurtz in dem Vietnam-Drama «Apocalypse Now» wird er 1979 endgültig zur Legende. Dahinter verbarg sich ein zutiefst verunsicherter, scheuer und seelisch labiler Mensch, wie Philippe Kohlys Film eindrucksvoll belegt.

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erstellt am 07.Aug.2016 | 00:01 Uhr

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