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Boulevard

11. Dezember 2016 | 07:12 Uhr

Medien : Markt der Masken

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Sie sehen gruselig aus oder kunstvoll. Ins rechte Licht gerückt taugen sie fürs Museum. Im Scheinwerferlicht der Taschenlampe wirken sie eher wie Beute von Kriminellen. Eine Doku beleuchtet den Markt mit Masken aus Afrika - und stimmt deutsche Zuschauer nachdenklich.

Zwei Schichten Ziegenblut und etwas Hühnerkot - vielmehr braucht Amidou Gentil nicht, um seinen Holzskulpturen die richtige Patina zu verleihen.

So trimmt der Künstler seine afrikanische Handwerkskunst auf alt. Denn das Geschäft damit boomt, wie die Arte-Dokumentation «Markt der Masken» am Mittwoch (21.50 Uhr) zeigt.

Einen Spitzenwert von fast 13 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 11,6 Millionen Euro) inklusive Provision brachte eine kleine Frauenfigur vor geraumer Zeit bei einer Versteigerung.

Dabei ist das ein zweischneidiges Schwert, wie die NDR-Produktion deutlich macht: Einerseits steigern die Versteigerungen in namhaften Auktionshäusern samt Bucherscheinungen den Wert der Kunststücke. Sammler verlassen sich den Angaben nach nur auf Echtheitszertifikate aus der westlichen Welt. Andererseits sind die tatsächlich wertvollen, alten Stücke längst nicht mehr auf ihrem Heimatkontinent, geschweige denn in den Heimatländern - sondern allesamt in Europa oder den USA. Die Folge: Die Zahl der Fälschungen steigt. Kaum ein Kunstsammler sei noch nicht auf eine reingefallen - sagen die Sammler selbst im Film.

Regisseur Peter Heller lässt in den rund 50 Minuten auch Galeristen, Kunsthistoriker und Politikwissenschaftler zu Wort kommen. Dabei stimmt die Doku gerade deutsche Zuschauer nachdenklich, geht sie auf die Kolonialisierung ein und die Gier deutscher Kunstexperten nach Werken aus Kamerun zur Kaiserzeit. War das Raub, stellt die Politologin Aissa Halidou infrage. Und hat das aufgehört? Europäer könnten es sich leisten, das exotische Afrika zu besitzen - so drückt sie ihre Kritik aus. Afrika besitze keine traditionellen Masken mehr.

Einige Kunstwerke sind mehrere tausend Jahre alt. Früher standen die verzierten Masken für Macht, weil sie wenigen vorbehalten waren. Afrikaner in dem Film machen deutlich, dass sie den Kunstaspekt in ihrer Heimat nie wirklich gesehen haben. Da waren der Kontakt mit den heiligen Stücken verboten oder die Masken Teil einer simplen, rituellen Kultur. Die Doku zeigt den Gegensatz zwischen verzierten Masken, eingesetzt beim Tanz - und den Stücken, die in Europa an Wänden hängen. «Im Museum bleibt nur ein totes Fragment der Maske», mahnt die Stimme aus dem Off. Der Tanz und das Kostüm fehlten.

Bis vor wenigen Jahren galten afrikanische Masken noch als primitive Stammeskunst. «Inzwischen steigen Ansehen und Wert», sagt die Sprecherin. Der Galerist Jean David erklärt, dass Millionen ins Marketing investiert würden. Ein Sammler berichtet, dass einige Kollegen sogar ihre Besitztümer selbst zurückersteigerten - um einen Richtwert dafür zu haben. Während die Preise in der westlichen Welt ins unermessliche steigen, lebt Schätzungen zufolge in Afrika etwa eine Million Menschen von der Herstellung und dem Handel mit afrikanischer Kunst.

Zwar haben die Vereinten Nationen Regeln zum Kunsthandel erlassen, die stoppen aber nicht die illegalen Geschäfte. Der Film zeigt, wie mittels Computertomographie Flickwerk und Fälschungen entlarvt werden sollen. Und er arbeitet mit Licht-Inszenierung: Hier die museal ausgeleuchteten Ausstellungsstücke - da eine Kammer vollgestellt mit Masken und Figuren, die in den Lichtkegeln von Taschenlampen tatsächlich an das heißbegehrte Diebesgut von Kriminellen erinnern.

Markt der Masken

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erstellt am 14.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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