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Boulevard

07. Dezember 2016 | 13:39 Uhr

Späte Erkenntnisse : Mama geht nicht mehr

vom

Krebs ist eine Diagnose, die alles auf den Kopf und vieles infrage stellt. Manchmal erscheint das ganze bisherige Leben in anderem Licht. Davon erzählt der neue Film «Mama geht nicht mehr» mit Mariele Millowitsch.

Bis eben war die Welt noch in Ordnung, doch von einem Moment zum anderen kommt alles ganz anders. Eine Frau merkt angesichts der Vergänglichkeit des Lebens, dass sie so einiges bis dahin versäumt und eine Liebe nicht gelebt hat.

Darum und wie sie versucht, ein wenig davon nachzuholen, geht es in der Tragikomödie «Mama geht nicht mehr», die das ZDF an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) ZDF) zeigt.

Die Ärztin Karin (Mariele Millowitsch) freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt. Einen Tauchlehrgang will sie machen, und erstmal flirtet sie mit ihrem Kurslehrer. Doch dann erfährt sie, von ihrem Kollegen in der Klinik, dass sie unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Sie nimmt diese Schreckensnachricht gefasst auf, schreit nur kurz in ihrer schönen Wohnung, in der sie alleine lebt.

«Die Freiheit der letzten Tage» - so heißt ein Buch, das bald darauf auf ihrem Nachttisch liegen wird. Wenig später steht sie unvermittelt vor der Tür ihrer Tochter Steffi (Mina Tander), von der sie überrascht-frostig begrüßt wird. Ihr Enkel Timo (Erik Linnerud) sagt nur: «Ich dachte, Oma wäre tot», worauf die spontan antwortet: «Noch nicht ganz». Kurz danach sitzt Karin heulend vor den Familienfotos, und schließlich rückt sie mit der Sprache heraus.

Nach dem ersten Schock will Steffi sie zwar zurück nach Hause schicken, doch dann darf sie erst einmal eine Nacht bleiben. Und fortan geht es für Karin vor allem darum, Zeit zu finden, um die Probleme mit ihrer Tochter zu klären - «Mama geht nicht mehr», sie wird bleiben. Bald entdeckt sie die Geheimnisse ihrer Familie, in der man offenbar nicht gern miteinander spricht.

Steffis Gatte Basti (Simon Schwarz) geht mit seiner Sprechstundenhilfe fremd, der Sohn raucht heimlich, schaut Pornos und betätigt sich als Spanner in der Mädchenumkleide. Und Steffi muss sich eingestehen, dass sie überhaupt nichts mehr im Griff hat, weder in ihrem Job als Lehrerin noch zuhause.

Vivian Naefe (60, «Tief durchatmen, die Familie kommt», «Der Geschmack von Apfelkernen») sagt im ZDF-Interview: «Das ist ja eigentlich kein «Krebsfilm», sondern ein Familienfilm. Es geht auch darum, wie eine Tochter, die mit ihrer Mutter seit Jahren verkracht ist, reagiert, als diese sich kaltschnäuzig für ihre letzten zehn Lebensmonate bei ihr einquartiert, um ihr Leben kurz vor dem Tod «in Ordnung zu bringen».» Die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten sei tatsächlich gewesen, nicht in Schwere zu verfallen. «Aber eben auch nicht gezwungen, lustig zu sein oder oberflächlich. Sondern Krankheit und Tod mit Humor zu betrachten.»

Das gelingt nicht immer, mancher Dialog wirkt seltsam aufgesetzt. Für einen wirklich heiteren Moment sorgt ein Trockenschwimmkurs von Oma und Enkel auf dem heimischen Sofa. Mariele Millowitsch (60, «Marie Brand») spielt die Rolle der todkranken Frau - samt Haarausfall, versagender Chemotherapie, nachlassenden Kräften und zunehmender Verzweiflung - mit einer beachtlichen Mischung aus Egoismus, Gefühlskälte und Galgenhumor, die sich vielleicht nicht jedem Zuschauer erschließt.

Auch wirkt die Handlung stellenweise arg konstruiert. Zum rührseligen Ende hin - mitsamt allen späten Erkenntnissen - wird dann alles seltsam zurechtgebogen und glattgebügelt. Natürlich sollte es nie zu spät sein für Verzeihung und Vergebung, aber so mal eben schnell mit seinem Leben aufräumen und mit dem seiner Lieben kann man vermutlich nur im Film.

Mama geht nicht mehr

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erstellt am 10.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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