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Boulevard

07. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Medien : Liebe bis in die Nacht

vom

Die Liebe ist eine Himmelsmacht, doch manchmal wird sie auf eine schwere Probe gestellt. Ein TV-Film beschreibt die unfassbaren Schwierigkeiten eines jungen Paares.

Das Glück eines jungen Paares wird oft auf eine schwere Probe gestellt.

In früheren Zeiten war das noch mehr der Fall, als die Zugehörigkeit zu verschiedenen gesellschaftlichen Schichten eine Ehe oft unmöglich machte. Und wenn dann noch eine schwere Krankheit dazu kann, wurde es ganz schwierig. Davon handelt das Drama «Liebe bis in die Nacht» an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte.

Es ist das Jahr 1917. Eine Frau in einem langen Kleid steht vor einem Chalet und blickt nachdenklich auf einen See. Das Haus steht in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg im Schweizer Jura, dicht an der Grenze zu Frankreich. Bei der Frau handelt es sich um die junge Adlige Anna von Rohr (Gaëlle Bona), die sich in den jungen Uhrmacher Jean Schaeffer (Mathieu Simonet) verliebt, obgleich sie bereits verlobt ist und obendrein nicht aus seiner Welt kommt.

Doch Jean imponiert ihr, denn er entwickelt eine Uhr, die man statt an einer Kette am Revers ums Handgelenk trägt: die erste Armbanduhr. Fünf Jahre später sehen sie sich wieder. Annas Verlobter ist Geschichte und ihre Mutter froh, dass nun überhaupt jemand ihre Tochter ehelichen will.

Während Jeans neu gegründete Firma Mido rasch floriert, geht es seiner jungen Frau zunehmend schlechter: Sie hört plötzlich Stimmen in ihrem Kopf, die ihr böse Dinge einflüstern und sie verwirren. Sie droht, sich immer mehr in eine imaginäre Welt zu verlieren und auch für ihre mittlerweile drei eigenen Kinder zur Gefahr zu werden. Der Arzt stellt eine Art von Schizophrenie fest, die psychiatrisch behandelt werden muss - was Jean zunächst als «schwierige Phase» abtut. Doch als Annas Leiden immer schlimmer wird, muss er sich den Tatsachen stellen.

Das macht der polnisch-schweizerische Regisseur Greg Zglinski (48, «Kein Feuer im Winter», 2004) auf jeden Fall: Er legt mit «Le temps d'Anna» (so der viel treffendere Originaltitel) einen ebenso einfühlsamen wie unterhaltsamen Spielfilm vor. Sein Zeitkolorit wirkt authentisch. Er spart die Konflikte zwischen gesellschaftlichen Klassen und die Kämpfe der streikenden Arbeiterschaft nicht aus.

Die Drehbuchautorin Noémie Kocher («Ein Tag», 2007) arbeitet für den Film die Geschichte ihrer eigenen Großmutter auf, die wegen ihrer Schizophrenie fast 30 Jahre in einer klinischen Anstalt in Waldau in der Nähe von Bern lebte. Auch Anna wird schließlich in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert - in der sie mit 22 Jahren schon einmal war, was sie Jean verschwiegen hat.

Die Filmsprache - «Mein Liebling» und «Mein Schatz» sind oft zu hören - und auch die Filmmusik mit viel Klavier à la Richard Clayderman sind oft an der Grenze zum Kitsch, und manchem Zuschauer mag die Liebesgeschichte zu romantisch vorkommen. Immerhin sieht man Jean gelegentlich bei seiner Arbeit, während der er eine wasserdichte Uhr erfindet und zu einem reichen Mann wird.

Doch die Frage, was genau im Gehirn von Anna vorgeht und ob sie wirklich dem Wahnsinn verfallen ist, steht im Mittelpunkt. Die Szene zu Beginn weist darauf hin, dass die junge Anna versucht hat, sich im See zu ertränken. Das hat sie nicht geschafft. Wie man am Schluss erfährt, stirbt sie erst mit 61 Jahren, und ihr Mann Jean folgt ihr nur wenig später.

Liebe bis in die Nacht

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erstellt am 09.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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