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Boulevard

10. Dezember 2016 | 11:48 Uhr

Beziehungsdrama : Kater Moses und die Vertreibung aus dem Paradies

vom

Ihr Leben scheint perfekt. Doch dann wird die Beziehung von Andreas und Stefan, die gemeinsam mit Kater Moses in der Nähe von Wien leben, in ihren Grundfesten erschüttert. Sie müssen nach einem Ausweg suchen.

Ein wunderschönes Haus in den Wiener Weinbergen, viele Freunde und nicht zuletzt der geliebte Kater Moses: Stefan (Lukas Turtur) und Andreas (Philipp Hochmair) sind ein Paar und haben auf den ersten Blick alles, was es für ein erfülltes Leben zu zweit braucht.

Sie lieben die Musik und ihr pelziges Familienmitglied. Gäste müssen die Sitzkissen am Küchentisch von der «Katzenseite» auf die «Menschenseite» drehen. Und Moses kommt an Silvester zu den Nachbarn, weil die beiden im Orchester arbeiten und ihr Tier nicht mit Böllerkrach und Raketen allein lassen wollen. Das Unheil ist nur eine Frage der Zeit. Es kommt mit Gewalt - ungezügelt. Fortan ist nichts mehr, wie es war.

Der österreichische Regisseur Händl Klaus erzählt in dem einfühlsamen wie verstörenden Film die Geschichte eines Paares, das aus dem Paradies vertrieben wird und sich nach dem einschneidenden Erlebnis in einem Leben mit neuen Vorzeichen zurechtfinden muss.

Seine Weltpremiere hatte der Film auf der Berlinale im vergangenen Februar und wurde dort mit dem schwul-lesbischen Teddy Award als bester Spielfilm ausgezeichnet. Es sei ein «packender und verwirrender Film, der zum Nachdenken anregt und das Publikum auch lange nach Verlassen des Kinos nicht loslässt», lobte die Jury damals.

Wieso schlägt das Böse gerade bei den beiden zu? Für den Regisseur besitzt die Thematik eine besondere Faszination: «Es geht um grundlos aggressive Impulse, die jeder von uns kennt», erklärt der 47-Jährige. «Das Faszinierende ist die Angst davor, dass der Sicherungsmechanismus versagt, der uns am Ende von einer solchen Tat abhält.»

Bei den beiden Männern wird aus bedingungsloser Vertrautheit Entfremdung. Bisherige Gewissheiten stürzen in sich zusammen. «Wer bist du?», fragt Andreas einmal und meint damit gleichermaßen seinen Partner und auch sich selbst. Gespräche enden als Einbahnstraße, das Miteinander verkümmert zum Nebeneinander. Hält ihre Liebe das aus? Denn ein Unheil kommt bekanntlich selten allein.

Händl Klaus, der immer wieder gekonnt mit dem Erzähltempo und den Erwartungen der Zuschauer spielt, zeigt schonungslos und eindrucksvoll alle Facetten einer Beziehung, die auf eine harte Probe gestellt wird.

Den tierischen Star des Films erklärt der Filmemacher übrigens so: «In dem Film gehört der Kater zum Familienverbund, ohne ein Kindersatz für die beiden Männer zu sein. Er wird nicht verniedlicht, sondern für voll genommen, und alle seine Bedürfnisse werden respektiert.» Warum ausgerechnet ein Kater? «Weil die Katze ein eigenwilliges Wesen ist, weil sie sehr stark ihren Freiraum sucht.»

Kater, Österreich 2016, FSK ab 16, von Händl Klaus, mit Lukas Turtur, Philipp Hochmair

Kater

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erstellt am 21.Nov.2016 | 11:40 Uhr

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