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Boulevard

23. Juli 2016 | 21:15 Uhr

Empörung über Emma-Artikel : „Islam-Feministin“ Alice Schwarzer verteidigt Pegida-Demos

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Artikel von Alice Schwarzer sorgt für Empörung im Netz. Die „Pegida“-Demonstrationen seien das berechtigte Unbehagen gegen islamistischen Terror, schreibt sie.

Köln | Alice Schwarzer kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nach Selbstanzeige und Steuernachzahlung läuft ein steuerliches Ermittlungsverfahren gegen die Frauenrechtlerin. Jetzt sorgt die Herausgeberin der Emma mit Äußerungen über „Pegida“ für Aufsehen. Worum geht es?

Das Magazin „Emma“ twitterte einen Link zu einem Artikel Schwarzers mit den Worten „Alle empören sich über Pegida. Aber wer empört sich eigentlich über Islamisten?“. In dem Artikel fragt sich Schwarzer, wer gegen „diese neuen Faschisten“ demonstriert – und löste damit einen Shitstorm aus.

In Schwarzers Artikel heißt es: „Wer den Flüchtlingen wirklich helfen will, muss auch die Gottesstaatler bekämpfen – in Syrien wie in Deutschland. Denn vor ihnen fliehen sie. Die Flüchtlinge in Deutschland sind den Islamisten in ihren Heimatländern entkommen. Aber wer demonstriert gegen diese neuen Faschisten?“

Zur aktuellen Flüchtlingssituation konstatiert die Emma-Herausgeberin: „Ohne den Terror des islamischen Fundamentalismus hätten wir heute kein Flüchtlingsproblem in Europa.“ Selbstverständlich müsse Deutschland diese Flüchtlinge aufnehmen und ihnen beistehen, sagt Schwarzer, betont aber auch, dass man gleichzeitig die Ursachen des Horrors bekämpfen müsse. „Und das nicht nur mit Drohnen gegen den selbsternannten 'Islamischen Staat', sondern auch und vor allem, indem wir die verantwortlichen Staaten, die den Terror ermutigen und finanzieren, zur Verantwortung ziehen.“

„Die 81 Prozent Muslime, die sich in Deutschland so wohl fühlen, hätten verdient, dass wir zu ihnen halten“, sagt die Frauenrechtlerin. Auf die restlichen 19 Prozent müsse offensiv zugegangen werden, indem man sie auffordere, das Wertesystem unserer Gesellschaft anzuerkennen: Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Gleichberechtigung – sowie strikte Trennung von Religion und Staat. „Religion ist Privatsache, sie darf kein Gesetz sein, das die Rechtstaatlichkeit aushebelt“, sagt Schwarzer.

Zurzeit gehöre es zum guten Ton, empört über „Pegida“ zu sein, sagt die Emma-Chefin. Eine Umfrage der Wochenzeitung „Die Zeit“, wonach 49 Prozent der Bevölkerung „voll und ganz“ oder „eher ja“ hinter Pegida stehen und 26 Prozent der Pegida „teilweise“ recht geben, nimmt Schwarzer zum Anlass, die Politik aufzufordern, das Unbehagen dieser „überwältigenden Mehrheit“ ernstzunehmen, statt es weiterhin zu ignorieren, abzustrafen oder zu dämonisieren. Denn es sei ja kein Unbehagen am türkischen Nachbarn oder an der türkischen Kollegin, sondern ein Unbehagen an der offensiven islamistischen Agitation, der Propagierung der Scharia. Es sei das berechtigte Unbehagen an dieser neuen Form des Faschismus.

Zum Abschluss fragt Alice Schwarzer dann, wo die Empörung der politischen Klasse über die Forcierung von Parallelgesellschaften mitten in Deutschland bleibe. Es müsse zum Beispiel gegen Verschleierung demonstriert werden. „Diese Demonstrationen hätten nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, sondern wären im Gegenteil ein Beistand sowohl für die Flüchtlinge aus den islamistischen Ländern, als auch für die 81 Prozent der integrierten MuslimInnen in Deutschland, die gerne in einer Demokratie leben.“

Fazit: Alice Schwarzer findet Islamismus schlimmer als „Pegida“ und begrüßt die aktuellen Demonstrationen. So verstanden es auch viele andere Leser und der Artikel löste eine Welle der Empörung aus. Nicht gegen „Pegida“ oder gegen die politische Klasse, sondern eine ganz persönliche, eine gegen die Frauenrechtlerin.

Sogar der Deutsche Journalisten-Verband hat zu einer Versachlichung der Debatte um die Ursachen des Flüchtlingselends aufgerufen. „Die widerwärtigen Gräueltaten der Terrororganisation Islamischer Staat dürften nicht zu einer wachsenden Emotionalisierung in der Medienberichterstattung führen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Hintergrund sei die heftige Twitter-Debatte um die Äußerungen von Schwarzer. „Dass Alice Schwarzer ihre Meinung sagt, ist ihr gutes Recht. Aber wem nützt das Aufschaukeln der Emotionen?“ sagte Konken.

Doch es gibt auch einige wenige, die Alice Schwarzer zustimmen.

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erstellt am 07.Jan.2015 | 10:59 Uhr

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