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Boulevard

04. Dezember 2016 | 07:02 Uhr

Medien : Inside IS

vom

Zehn Tage war der Publizist Jürgen Todenhöfer mit seinem Sohn Frédéric im Dezember 2014 beim sogenannten Islamischen Staat im Irak zu Gast.

Die Filmsequenzen, die den damals 74-Jährigen im Gespräch mit dem deutschen IS-Terroristen Christian Emde gewissermaßen in der Höhle des Löwen zeigen, wanderten durch die deutschen Medien und wurden zum Teil kritisiert, zumal er Emde und anderen Gesprächspartnern Raum für ihre Propagandafloskeln ließ. Dennoch sind diese Szenen unwiederbringliche Dokumente. Der Ereigniskanal Phoenix zeigt nun an diesem Dienstag (21.30 Uhr) Todenhöfers 45 Minuten langen Film «Inside IS. 10 Tage im "Islamischen Staat"».

Phoenix zufolge ist es der bislang einzige westliche Dokumentarfilm mitten aus dem Zentrum des IS-Regimes im Irak. «Der IS ist ein Frankenstein-Phänomen, das durch die Irak-Invasion 2003 leider zum Leben erweckt wurde», sagt Todenhöfer zu Beginn. «Anstatt ein paar Hundert internationaler Terroristen in den Bergen des Hindukusch haben wir jetzt über 100 000. Unsere Kriege waren ein Terrorzuchtprogramm.»

Nach einem recht ruppigen Empfang im Grenzgebiet landet Todenhöfer mit seinem Sohn in der Stadt Mossul beim damals 30 Jahre alten Emde, der bereits 2003 zum Islam konvertierte, sich Abu Quatada nennt und dessen martialische Phrasen jetzt bei Phoenix noch einmal Niederschlag finden. «Sie wollen eines Tages Europa erobern?», fragt Todenhöfer. «Nein, wir werden eines Tages Europa erobern», antwortet der korpulente Ex-Eishockeyspieler aus Solingen und grinst dabei.

Über Juden und Christen befindet das IS-Sprachrohr: Sie dürften in IS-kontrollierten Gebieten leben, müssten aber eine Schutzsteuer zahlen, die Schiiten würden getötet, egal ob es 150, 200 oder 500 Millionen seien. Ob es denn ein Fortschritt sei, Menschen zu versklaven und zu töten, will Todenhöfer wissen. Dies sei schon immer Bestandteil der Menschheitsgeschichte gewesen und gehöre zum Islam.

Todenhöfer besucht den obersten Richter der Stadt Mossul, einen Mann in Lederjacke, der ihm viel über die «Justiz» erzählte, was aber großenteils vom Aufpasser an Todenhöfers Seite gelöscht wurde. Kurz danach ist Todenhöfer im Gespräch mit dem Polizeichef Mossuls zu sehen. Ein Mann, so erläutert der Autor, der in aus dem Irak geklauter US-Militärmontur daherkommt. Der Uniformierte beschwichtigt: Es gebe kaum Verbrechen in der Stadt.

Warum kommt so ein Film über den Ausflug eigentlich jetzt erst ins TV, anderthalb Jahre später und nachdem der IS viele der von ihm okkupierten Gebiete wieder hat verlassen müssen? Ein Film sei gar nicht geplant gewesen, heißt es von Phoenix. «Meinen Vater begleite ich seit über vier Jahren auf Reisen in Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt», zitiert der Sender den Sohn Frédéric. «Meine Filmaufnahmen waren eigentlich als internes Videotagebuch gedacht, um unsere Gespräche mit Vertretern des "Islamischen Staates" und unsere Erlebnisse im IS-Gebiet so genau wie möglich zu protokollieren.»

Phoenix bettet den Film in einen IS-Themenabend ein - um 20.15 Uhr macht die Dokumentation «Im Bann der Gotteskrieger» den Anfang, es folgt um 21 Uhr der Beitrag «Generation Dschihad». Um 22.15 Uhr bildet die «Phoenix Runde» zum Thema den Abschluss.

Inside IS

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erstellt am 12.Jul.2016 | 00:01 Uhr

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