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Boulevard

08. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Künstler-Freundschaft : Ins Licht der Provence getaucht: «Meine Zeit mit Cézanne»

vom

Die Französin Danièle Thompson porträtiert in «Meine Zeit mit Cézanne» die außergewöhnliche und wechselvolle Freundschaft zwischen dem impressionistischen Maler und dem Schriftsteller Émile Zola.

Wie häufig kommt es vor, dass Freunde aus Jugend- und Studientagen mit gemeinsamen Idealen, Zielen und Ideen ins Erwachsenenleben starten? Und wie häufig macht nur einer der Beiden Karriere, hat Erfolg und scheint die Ideale von einst zu verraten?

Vielleicht spielt eben genauso das Leben, vielleicht waren die Gemeinsamkeiten auch nicht mehr als naive Vorstellungen der Jugend. In jedem Fall aber ist eine solche Entfremdung unendlich schmerzhaft.

Paul Cézanne, der lange verschmähte Maler, und Émile Zola, schnell erfolgreicher Journalist, Autor und Bohème schlechthin, erlebten genauso eine Freundschaft. Die französische Drehbuchautorin und Regisseurin Danièle Thompson porträtiert in «Meine Zeit mit Cézanne» diese wechselvolle Beziehung der beiden unterschiedlichen und doch bedeutenden Künstler.

Besprenkelte Farbpaletten, Schreibfedern, die über das Papier kratzen, Picknicks in der in goldenes Licht getauchten Landschaft der Provence, enge Künstlerwohnungen und verqualmte Lokale in Paris. Es ist ein romantischer, idealisierender Blick, den Thompson auf das Leben in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirft.

Und ihre Protagonisten machen es ihr leicht. Der lange erfolglose Maler Cézanne (Guillaume Gallienne), der mit Staffelei, Farbe und Pinsel in die Landschaft zog, um dort Licht und Farben einzufangen. Und Zola (Guillaume Canet), zunächst bescheiden mit seiner verwitweten Mutter lebend, dann schnell zu Ruhm und Reichtum gekommen. Ihn zeigt die Regisseurin in opulent eingerichteten Räumen mit edlen Süßigkeiten in Kristallschalen, die der Diabetes-Kranke Cézanne mit Vorliebe und gegen jede Vernunft nascht.

Es sind fein arrangierte Bilder und prägnante Sätze, die bei diesem mit fast zwei Stunden etwas zu langem Film im Gedächtnis bleiben. «Vielleicht bist du ein Genie, aber für einen Künstler fehlt dir der Mumm», brüllt Cézanne seinen Freund schon zum Ende ihrer Freundschaft an. Da hat sich der Schriftsteller Zola längst in seinem etablierten Leben eingerichtet und betrachtet seinen Jugendfreund Cézanne als Gescheiterten. Das gibt er in seinem Roman «L’Œuvre» über einen erfolgreichen Maler und dessen befreundeten Schriftsteller unmissverständlich zum Ausdruck. So weit das Biografische.

Doch auch sonst kommt Zola bei Thompson nicht gut weg. Nur wenig erfährt man über sein politisches Engagement und seine Bedeutung für die französische Literatur. Stattdessen lenkt sie den Blick auf den unkonventionellen Maler Cézanne. Das wird den Beiden zwar sicher nicht gerecht, lässt sich aber sehr viel schöner erzählen. So ist «Meine Zeit mit Cézanne» vor allem ein hübsch anzuschauender Film, der eine Zeit in Erinnerung ruft, die viele romantische Assoziationen vom Leben in Frankreich im 19. Jahrhundert weckt.

Meine Zeit mit Cézanne, Frankreich 2016, 113 Min., o. Altersbeschränkung von Danièle Thompson, mit Guillaume Gallienne, Guillaume Canet, Alice Pol, Déborah François, Sabine Azéma

Meine Zeit mit Cézanne

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erstellt am 06.Okt.2016 | 10:01 Uhr

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