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Boulevard

10. Dezember 2016 | 09:59 Uhr

Medien : Hin und weg

vom

Eine Fahrradtour mit Freunden steht an, von Frankfurt aus bis nach Ostende in Belgien. Eigentlich ein schöner Plan, und eine unbeschwerte Zeit soll es werden. Doch so recht klappt das dann doch nicht - zu sehen ist das im Kinodrama «Hin und weg» an diesem Donnerstag (20.15 Uhr, ZDF).

Alle Jahre wieder schwingen sich sechs Freunde aufs Fahrrad: Michael (Jürgen Vogel), Mareike (Victoria Mayer) und ihr Freund Dominik (Johannes Allmayer), Finn (Volker Bruch) und sein Bruder Hannes (Florian David Fitz) und dessen Frau Kiki (Julia Koschitz). Alles beginnt wie immer, doch als die Truppe bei der Mutter von Finn und Hannes, Irene (Hannelore Elsner), eine Nacht einlegt, kommt der wahre Grund für die Reise heraus: Hannes (36) ist unheilbar an der Nervenkrankheit ALS erkrankt, und er will sich in Belgien - wo mit dem Thema Sterbehilfe sehr viel liberaler umgegangen wird als in Deutschland - per Giftspritze ins Jenseits befördern lassen, um sich und allen anderen eine schwere Zeit zu ersparen.

Die kommt dann aber doch früher als gedacht, denn zum einen kann Hannes die Strapazen der Tour kaum noch aushalten: Er stürzt öfter vom Rad, kommt ständig aus der Puste, ringt nachts im Zelt nach Luft. Zum anderen sind die Freunde natürlich geschockt. Vor allem Finn nimmt ihm übel, dass er nicht schon früher von der Krankheit seines Bruders erfahren hat. «Du hast aufgegeben, bevor es losgegangen ist», sagt Finn vorwurfsvoll zu Hannes. Und der antwortet. «Du hättest ja mal anrufen können». Irene wird sagen: «Es ist doch noch so früh», und Hannes wird antworten «Für wen? Für mich, oder für Euch?». Die Mutter war dankbar über jede verbleibende Sekunde mit ihrem Mann, der an derselben Krankheit gestorben ist, und ist es nun über jede mit ihrem Sohn. Bei dieser Krankheit gibt es nur eine Richtung, immer nur nach unten, ins Dunkle.

Die Radtour führt jedoch erstmal ins Helle. Zu sehen sind hübsche Landschaften, zu hören ist ein bunter Musikmix, und zu sehen sind Menschen, die beim Radeln so einiges über den Wert von wahrer Freundschaft erfahren. Frauenheld Michael wirft sich in einer Disco in Frauenkleider und lernt dabei fast die Frau fürs Leben kennen, Mareike und Dominik versuchen, ihre sexuellen Probleme mit dem Besuch eines Swingerclubs zu bewältigen, und auch die beiden Brüder sprechen sich endlich aus. Kiki bewältigt eine Mutprobe und springt mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug - die wahre Mutprobe steht ihr aber noch bevor, wenn Hannes gegangen sein wird und sie ihr Leben nicht mehr mit ihm teilen kann.

Dass er zum Ende dieses lebensbejahenden Filmes tatsächlich selbstbestimmt sterben wird - im Kreise seiner Lieben -, mag man kaum glauben oder gar für unnötig halten. Florian David Fitz spielt Hannes mit großer Verletzlichkeit und tiefen Emotionen - Der Zuschauer nimmt ihm ohne weiteres ab, dass Hannes sich aus der Mitte des Lebens gerissen fühlt und nicht weiß, wie er würdevoll sterben soll. Auch die anderen Schauspieler fügen sich sehr gut zu einem Ensemble zusammen.

Regisseur Christian Zübert (43, dreht gerade «Lammbock 2») will mit seinem berührenden Film sicher keinen Beitrag zur ethischen Debatte rund um das Thema Sterbehilfe leisten - aber er zeigt zumindest, wie es auch gehen könnte. Und dass jeder Tag des Lebens gefeiert werden sollte, so gut es eben geht. Spätestens beim Tanz mit Kiki im Regen auf dem Balkon und Hannes' Worten «Mein Leben war vielleicht nicht so lang, aber es war ganz gut» darf das Publikum dann getrost losheulen.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 00:01 Uhr

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