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Boulevard

03. Dezember 2016 | 03:27 Uhr

Kluftingerkrimi : Herbert Knaup würde gerne mal auf einer Berghütte leben

vom

Herbert Knaup geht wieder auf Verbrecherjagd. Er ist im Ersten gleich zweimal als Kommissar Kluftinger zu sehen. Die Dreharbeiten im Allgäu haben bei Knaup Kindheitserinnerungen geweckt - und den Wunsch, einmal alle Jahreszeiten auf einer einsamen Berghütte zu erleben.

Herbert Knaup (60) bekommt es in nächster Zeit in geballter Form mit Verbrechen zu tun. Gleich zwei Kluftinger-Krimis mit Knaup in der Rolle des Allgäuer Kult-Kommissars zeigt das Erste in nächster Zeit. «Herzblut» läuft am 24. November, am 1. Dezember ist «Schutzpatron» zu sehen.

Außerdem beginnen Ende November die neuen Folgen der TV-Serie «Die Kanzlei», in der der TV-Star den Promi-Anwalt Markus Gellert spielt. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht Knaup über den Unterschied der beiden Figuren, über seine Heimat und schräge Wortkreationen.

Frage: Fünf Kluftinger-Krimis mit Ihnen in der Hauptrolle wurden bisher im Allgäu gedreht. Haben Sie durch die Dreharbeiten Ihre Liebe zur Heimat wiederentdeckt?

Antwort: Die Heimatliebe ist eigentlich immer da, die trägt man im Herzen. Aber leider komme ich nicht mehr oft hin. Es hat mich umgehauen, wie schön es im Allgäu ist. Als Kind habe ich das nicht so wahrgenommen. Im Gegenteil: Die Bergwelt war für mich wie eine steinerne Gebärmutter. Ich habe mich immer gefragt, wie kommst du da jemals raus? Jetzt empfinde ich das Allgäu als etwas Friedliches und Beruhigendes.

Frage: Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann wieder im Allgäu zu leben?

Antwort: Möglich ist alles, auch wenn ich die nächsten Jahre sicher noch mit meiner Familie in Berlin bleibe. Aber im Alter wird man naturaffiner, das merke ich. Und vielleicht zieht es mich irgendwann auf eine Allgäuer Alpe, um dort Käse zu machen. Eines würde mich aber tatsächlich einmal reizen: Ein Jahr lang auf einer Berghütte ganz bewusst alle Jahreszeiten zu erleben und die Verwandlung der Natur mitzubekommen - das muss gigantisch sein. In der Stadt bekommt man die Jahreszeiten nicht so mit.

Frage: Dass Sie ein waschechter Allgäuer sind, ist in den Filmen nicht zu überhören. Dabei leben Sie schon lange nicht mehr in der Region. Ist es schwierig, in die heimische Mundart zu wechseln?

Antwort: Nein, das geht sehr schnell - wie auf Knopfdruck. Es ist ja meine Muttersprache. Aber in den Filmen geht es noch recht harmlos zu. Wenn wir richtig loslegen würden, könnte niemand etwas verstehen. Für mich ist es immer eine wahre Freude, mit den Einheimischen zu reden. Es gibt im Allgäuer Dialekt ganz eigenwillige und zum Teil sehr schräge Wortkreationen - «Du Lefas» zum Beispiel oder «s’ Bugrad». Leider geht diese Ursprache irgendwann verloren, weil sie kaum noch jemand spricht.

Frage: In «Herzblut» geht es um eine brutale Mordserie. Der Film ist in manchen Szenen nichts für schwache Nerven. Jemand hält Kluftinger ein blutiges Herz vor die Nase, das einem Menschen herausgerissen wurde. Sind Ihre Nerven stark genug dafür?

Antwort: Meine schon, Kluftinger seine nicht. Der ist fix und fertig und übergibt sich fast. Ja, in dem Film geht es schon ein bisschen makaber zu. Aber ich kann mit solchen anatomischen Begegnungen umgehen.

Frage: Fünfmal haben Sie nun den Klufti gespielt. Lernen Sie den Kommissar im Trachtenjanker mit jedem Mal besser kennen?

Antwort: Ja, das kann man nach acht Jahren Lebenserfahrung als Kluftinger durchaus sagen. Es ist ein Reifungsprozess, der sich mehr und mehr vollzieht. Es macht unglaublich viel Spaß, den Charakter zu erfassen, seine ganzen Eigenheiten auszuloten und in die Tiefe einzutauchen.

Frage: Erkennen Sie eigene Charakterzüge in der Figur Kluftinger?

Antwort: Am Anfang dachte ich, er ist völlig anders als ich. Ich gehe auf die Menschen zu, bin kommunikativ, er ist eher zurückhaltend und skeptisch. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, die Sehnsucht nach der Wahrheitsfindung zum Beispiel, nach Geborgenheit in der Familie, nach einem Zuhause.

Frage: Ein ganz anderer Typ ist Markus Gellert, den Sie in der Anwaltsserie «Die Kanzlei» spielen. Gellert ist elegant und etwas schnöselig - Eigenschaften, die man von dem Allgäuer Kommissar nicht kennt. Wen mögen Sie persönlich lieber, wer ist Ihnen näher?

Antwort: Das ist schwer zu sagen, weil sie so verschieden sind. Beide zeichnen sich durch ihre Eigenarten aus, die sie liebenswert machen. Gellert ist kein Kind von Traurigkeit, er hat mehrere Beziehungen, uneheliche Kinder, Schulden, ist aber ein brillanter Anwalt. Kluftinger ist bodenständig, prescht gerne nach vorne, hat aber die Absicherung über die Gesetze. Ich, Herbert Knaup, bin nochmal ganz anders, ich bin eher ein musischer Typ. Aber ich finde es toll, dass man mir die Unterschiedlichkeit der Figuren zutraut.

Frage: Auch die Drehorte könnten unterschiedlicher nicht sein. Hier der Hamburger Kiez, dort das grüne Allgäu mit grasenden Kühen. Fühlen Sie sich an beiden Orten wohl?

Antwort: Ja, auf jeden Fall. Ich bin nicht der typische Allgäuer, der sagt, daheim ist es am besten. Ich bewege mich gerne - und die Welt bewegt sich mit. In Hamburg habe ich lange gelebt, es ist eine der schönsten Städte der Welt. Das Allgäu ist ganz anders. Da kommt die Kindheit wieder auf, da spüre ich die Kraft und Energie der Bergwelt. Aber es stimmt schon: Nach Hause kommen ist wunderschön.

ZUR PERSON: Herbert Knaup wurde als Sohn einer Musikerfamilie am 23. März 1956 in Sonthofen im Allgäu geboren. Nach Schulabschuss und Wehrdienst besuchte er die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München. Heute zählt er zu den populärsten deutschen Bühnen-, Film- und Fernsehkünstlern. Einst mit Model Ellen von Unwerth und Schauspielerkollegin Natalia Wörner liiert, ist Knaup seit 2006 mit der TV-Produzentin Christiane Lehrmann verheiratet. Er hat zwei Söhne und lebt in Berlin.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 23:59 Uhr

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