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Boulevard

05. Dezember 2016 | 05:25 Uhr

Medien : Gefangen im Paradies

vom

Ein schöner Urlaub in einem fernen Land ist sicher der Traum vieler Menschen. Dass er auch mal zum Alptraum werden kann, zeigt Sat.1.

Die Ferienzeit in Deutschland ist zwar fast vorüber, doch träumen vom nächsten Urlaub ist jetzt schon erlaubt. Die meisten Menschen machen sich an ihrem fernen Urlaubsort wohl keine Gedanken über die Lage der Einheimischen, denen es oft längst nicht so gut geht wie den Touristen. Um diese Diskrepanz und um eine Geiselnahme geht es in dem Sat.1-Drama «Gefangen im Paradies» an diesem Dienstag (20.15 Uhr).

Zu Beginn sieht man eine Frau unter Wasser, sichtlich unter Schock stehend. Wenig später sitzt Anna Krüger (Anna Loos) mit ihrem Sohn Max (Mika Seidel) in einem Boot, welches sie auf eine idyllische Insel bringt. Dort beziehen sie ein luxuriöses Apartment mit Meerblick und eigenem Pool. Den Traumurlaub kann sich die Witwe gar nicht leisten, doch ihre Schwiegermutter hat ihn ihr geschenkt, damit sie über den Verlust ihres Mannes hinwegkommt, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Weitere (etwas zu lange und melodramatische) Rückblenden im Film zeigen, dass sich Anna und Stefan im Auto gestritten haben, bis sie ausstieg und er danach allein von einer vereisten Brücke in einen Fluss gestürzt ist - und Anna ihren Mann nicht retten konnte. Seitdem hat sie Angst vor Wasser, und der Urlaub auf einer Insel soll ihr darüber hinweghelfen.

Doch schon am zweiten Tag verändert sich alles: Plötzlich bleibt der Strom weg (weil ein Angestellter die Kabel durchtrennt hat). Wenig später überfallen Piraten das Luxusressort und nehmen die Touristen als Geiseln, um von deren Botschaften Lösegeld zu fordern - sie wollen auf die Ungerechtigkeit gegenüber den hungernden Einheimischen aufmerksam machen. Während Anna und der Tauchlehrer Philipp (Bernhard Piesk) entkommen können, ist Max am Strand und fällt in die Hände der ziemlich brutalen Piraten.

Der Film von Felix Herzogenrath (Regie) und Martin Schreier und Wiebke Jaspersen (Drehbuchautoren) ist teilweise spannend und schnell inszeniert: Es wird viel gerannt, geschrien und geschossen, und die Musik schwillt ziemlich oft ziemlich dramatisch an. Leider ist er auch unnötig brutal und ziemlich unlogisch: Anna und Philipp entkommen immer wieder knapp den überzähligen und versierten Piraten, wobei Anna auch einen gewagten Sprung ins tiefe Wasser machen muss - und dabei sofort ihre Wasserphobie überwindet. Natürlich ist sie auch so patent, dass sie die beiden Motoren der Piratenboote außer Kraft setzen kann. Selbstverständlich finden sich Anna und Philipp auch sofort in einem riesigen Höhlensystem zurecht, und auch ein riesiger Schwarm von aufgescheuchten Fledermäusen macht ihnen nichts aus.

Klare Heldin des Geschehens ist die Schauspielerin Anna Loos, deren Figur der Anna durch finstere Höhlen kriechen, über heißen Sand krabbeln und an einem maroden Funkturm emporklimmen muss. «Anna geht mit der Situation sicherlich genauso um wie jede andere Mutter: Sie wächst über sich hinaus und versucht, für ihr Kind zu kämpfen und es zu retten», sagte die 45-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Anna Loos macht sich offenbar auch Gedanken über die Zustände in fernen Ländern: «Bei Reisen außerhalb des Luxustourismus lernt man die Kultur und das Land besser kennen. Thailand ist ein sehr schönes Land, allerdings mit Schattenseiten. Die politische Situation ist furchtbar, und die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind unglaublich groß. Genauso ist es auf der Welt: Die Sachen sind ungerecht verteilt, und das ist der Ursprung vielen Übels. Ich glaube, dass sich in den nächsten Jahren die Weltpolitik dahin bewegen muss, an diesen Ursachen etwas zu ändern. Die seit Jahren wieder aufkommende Entwicklungshilfe, beispielsweise in Form des G8- und G9-Gipfels, verfolgt genau diese Idee. Den Deutschen und den westlichen Industrienationen darf es nicht mehr egal sein, wie es den Menschen in den Nachbarländern und -kontinenten geht. Denn nur so sind die Krisenherde in der Welt in den Griff zu bekommen.»

Soviel Tiefgang hätte man dem etwas wirren Film, der zwar in Thailand gedreht wurde, aber auf einer nicht näher bezeichneten Urlaubsinsel spielt, auch gewünscht. Fazit: Zum dramatischen Ende geht selbstverständlich alles gut aus. Ein paar weniger Leichen hätten auch genügt, doch zumindest bleibt dem Zuschauer eine triviale Liebesgeschichte erspart. Aber vielleicht trägt der Film ja dazu bei, etwas näher hinzuschauen, was jenseits eines paradiesisch anmutenden Traumstrandes vor sich geht.

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erstellt am 06.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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