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Boulevard

07. Dezember 2016 | 19:30 Uhr

Deutsch-französische Beziehungen : «Frantz»: Krieg, Gefühle und prämierte Darstellerin

vom

«Frantz» handelt von Deutschland und Frankreich kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Es geht um Hass und Versöhnung. Die Schauspielerin Paula Beer bekommt für ihre Rolle eine Auszeichnung.

Anna hat auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs ihren Verlobten Frantz verloren. Täglich besucht sie sein Grab. Eines Tages entdeckt sie dort eine Blume, kurze Zeit später einen Fremden, der in tiefer Trauer vor der letzten Ruhestätte des Toten steht.

Anna spricht den mysteriösen Mann an, der sich als Franzose entpuppt und erzählt, eng mit ihrem Verlobten befreundet gewesen zu sein. Mit «Frantz» hat der französische Regisseur François Ozon einen stillen und emotionsreichen Film über Feindschaft und Aussöhnung gedreht.

In dem Drama greift Ozon frei auf den Inhalt des amerikanischen Spielfilmdramas «Der Mann, den sein Gewissen trieb» von Ernst Lubitsch aus den 1930er Jahren zurück. Ozon erzählt die Geschichte des jungen Soldaten Adrien, der in Frankreich im Nahkampf Frantz getötet hat und über seine Tat nicht hinwegkommt. Er wird derart von Seelenqualen heimgesucht, dass er sich entschließt, die Familie des von ihm erschossenen Deutschen um Verzeihung zu bitten. Die Adresse entdeckt er auf einem Brief von Frantz, der an seine Verlobte Anna adressiert war, die bei den Eltern ihres Verlobten wohnt.

Als Adrien, gespielt von Frankreichs Jungstar Pierre Niney, in der Kleinstadt ankommt, spürt er den Hass der Bewohner auf den Erzfeind. Auch die Familie von Frantz reagiert ablehnend. Erst die Notlüge, er sei der Freund und Kommilitone ihres Sohnes, den er vor dem Krieg während seines Studiums in Paris kennengelernt hatte, verschafft ihm den Zugang zu Anna und der Familie. Sie nehmen den Franzosen fast wie einen Sohn auf.

Ozon hat den Schwerpunkt der Geschichte verschoben. Die pazifistische und völkerversöhnende Botschaft ist zwar geblieben, doch der Regisseur macht aus dem Anti-Kriegsfilm streckenweise ein emotionsgeladenes Melodrama um eine unglückliche Liebe. Denn der Franzose hat Annas Gefühle zutiefst aufgewühlt. Er habe kein gesteigertes Interesse an der geschichtlichen Epoche gehabt, sagte der 48-jährige Regisseur in einem Interview. Ihm sei es vielmehr um die Figuren und ihre Intimität gegangen.

Der Großteil des Films ist in Schwarzweiß gedreht, was dem geschichtlichen Rahmen mehr Authentizität verleiht. Rückblenden erzählen die von Adrien erfundene Freundschaft zu Frantz. Die Szenen zwischen den beiden sind von großer Zärtlichkeit, so dass streckenweise die Möglichkeit aufkommt, Adrien sei in Frantz verliebt gewesen. Homosexualität ist im Werk des Regisseurs, der selber schwul ist, ein wichtiges Thema,

«Frantz» ist ein emotionsgeladenes und stilles Drama, das sich nicht nur um die Annäherung zwischen verfeindeten Menschen dreht. Die deutsch-französischen Beziehungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten des Öfteren auf die Probe gestellt. Auch im Jahr 2016 stand es um die Freundschaft der beiden Länder schon besser.

Bei der Besetzung hat Ozon ein glückliches Händchen gezeigt: Neben Frankreichs Jungstar Pierre Niney als Frantz hat er die Deutsche Paula Beer vor die Kamera geholt. Für ihre Leistung als Anna wurde die 21-Jährige auf den Filmfestspielen in Venedig als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet.

Frantz, Frankreich, Deutschland, 2016, 114 Min., FSK ab 12, von François Ozon, mit Pierre Niney, Paula Beer, Johann von Bülow

Frantz

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erstellt am 26.Sep.2016 | 12:08 Uhr

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