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Boulevard

10. Dezember 2016 | 08:07 Uhr

TV-Tipp : Familie!

vom

Im Zweiteiler «Familie!» legt Regisseur Dror Zahavi sein Augenmerk auf Bindungsprobleme, wie sie in unserer Gesellschaft zunehmen. Doch bei brisanter Thematik und Stars wie Iris Berben, Anna Maria Mühe und Jürgen Vogel gerät die Story nicht wirklich zum aktuellen Beitrag.

«Jede dritte Verbindung hält heute kaum länger als zehn Jahre», erklärt die Anwältin kühl und rational bei Gericht, «und die Schuldfrage ist auch aus dem Scheidungsrecht gestrichen.» Und wieder einmal gewinnt sie einen Scheidungsprozess.

Doch was der eleganten Juristin (Iris Berben, «Das Zeugenhaus») im Beruf so hervorragend gelingt, gerät ihr privat weit weniger erfolgreich: das Thema «Familie» souverän zu handhaben. Denn diese als Single in Hamburg lebende Lea Behrwaldt hat einen Sohn (Jürgen Vogel, «Das Adlon») allein groß gezogen, der nun als Spitzengastronom in Berlin arbeitet - doch seinen eigenen Vater nicht kennt.

Zu Sohn Lennart ist Leas Kontakt ebenso dürftig wie der zu ihrer Mutter Alba (Marie Anne Fliegel, «Und alle haben geschwiegen»), die einsam in der alten Familienvilla in der Hauptstadt residiert. Die Probleme bei den Behrwaldts kulminieren, als der Sohn mit der Grafikdesignerin Melanie (Anna Maria Mühe, «Schuld») ein Kind bekommt, aber nach wie vor mit seiner ebenfalls von familiären Sorgen schwer geplagten Sous-Chefin Nida (Natalia Belitski, «Vaterfreuden» im Kino) schläft. Was so manchem Zuschauer wie ein Fall aus dem wahren Leben vorkommen mag, erzählt Regisseur Dror Zahavi in seinem TV-Zweiteiler «Familie!» nach der Idee und dem Buch von Rainer Berg an diesem Montag und Mittwoch jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.

Dabei wirken das Grundthema und der Anfang der Geschichte brisanter als deren weiterer Verlauf. Denn in der Tat sind ein Mangel an familiärer Verbundenheit im klassischen Sinne, die Bereitschaft zu Lebensabschnitts-Partnerschaften und Patchwork-Konstruktionen etwas, was unsere Gesellschaft prägt. Da kann es also besonders spannend geraten, wenn Autoren und Regisseure sich dessen annehmen und etwa sozial-psychologische Aspekte an den Tag holen, die Motive, Hintergründe und Perspektiven erhellen. Die Drehbuchverfasser von «Familie!» holen denn auch weit aus, vergrößern das gesellschaftliche Spektrum unter anderem noch um die Dombrowskis (Katharina Thalbach und Werner Wölbern) - Melanies Proletariereltern, die in der Villa der feinen Alba unbeholfen agieren, dafür mit liebevollem Familiensinn glänzen.

Doch leider verflüchtigt sich der Film aus der scheinbaren Relevanz bald ins Individuell-Obskure. Ausgelöst durch einen Unfall Lennarts, der nicht weiß, wer er ist und was er will, steigen nämlich aus dessen Unbewussten verdrängte frühe Bilder aus der Kindheit auf. Damit lassen sich dann ein dunkles Geheimnis lösen und am Ende die Beziehungen bei den Behrwaldts in ein annehmbares Lot rücken. Also doch eher eine spektakuläre TV-Story und kein substanzieller Film zur Zeit, wie es vielleicht «Diese Drombuschs» für die 80er Jahre gewesen sind.

Die Berliner Melanie-Darstellerin Mühe, Mutter einer Dreijährigen, gibt sich dennoch überzeugt von der Geschichte. «Mich hat an dem Drehbuch fasziniert, dass es zeigt, dass Familie ein sehr komplexes Thema ist, bei dem jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat», sagte die 31-Jährige Tochter der Schauspieler Ulrich Mühe (1953-2007) und Jenny Gröllmann (1947-2006) der Deutschen Presse-Agentur. «Wir zeigen auch nicht das klassische Happy-End, sondern zwei Familien mit all ihren Facetten - und dass Familie viel Arbeit bedeutet.» Schließlich fordere deren sich ständig wandelndes Konzept jeden heraus.

Für sie persönlich bedeute Familie in jedem Fall ein unverbrüchliches Füreinanderdasein - in guten wie in schlechten Zeiten, erklärte Mühe.

Familie!

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erstellt am 10.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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