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Boulevard

07. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

Medien : Europas neue Astronautenklasse

vom

Einmal nach den Sternen greifen? Für Thomas Pesquet wird der Wunsch in Kürze wahr. Dann startet der zehnte französische Astronaut zur ISS.

Thomas Pesquet ist ein Franzose wie viele andere: Er treibt gern Sport, joggt, schwimmt und hat den schwarzen Judo-Gürtel erkämpft. Aber doch ist er kein Franzose wie fast alle anderen: Er hat sich unter 8413 Bewerbern durchgesetzt, um ganz hoch hinaus zu kommen - ins Weltall.

Der Kindertraum, den Millionen Menschen hegen, wird für den 38-Jährigen jetzt wahr, denn an diesem Donnerstag soll er mit einer russischen Sojus-Rakete zur Weltraumstation ISS abheben. Damit wird der Ingenieur und Pilot aus Rouen der zehnte Franzose sein, der sich außerhalb unserer Atmosphäre aufhält und den Sternen näher ist als jeder andere.

Pesquets ehrgeiziger Weg hat mittlerweile auch Filmemacher bewegt, mit dem neuen Star der französischen Weltraumforschung auf Ballhöhe zu sein. Die Regisseure Alain Tixier und Vincent Perazio haben den Auserwählten ein Jahr begleitet, um ihn bei den Vorbereitungen zu seiner Mission zu filmen, die trotz aller ISS-Routine 400 Kilometer über der Erde immer noch als gefährlich einzustufen ist. Die Dokumentation «Europas neue Astronautenklasse» ist an diesem Dienstag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen.

«Ich glaube, dass ich das Ganze erst realisieren kann, wenn ich in der Rakete bin», sagte Pesquet in einem Gespräch mit dem deutsch-französischem Kultursender. «Erst wenn ich den echten Raumfahrtanzug trage, sich die Schleuse öffnet, ich auf die Erde sehe und mit dem Kopf voran aussteige - Das ist es dann.» Sein Vorbild sei der erste Mensch im All, Juri Gagarin. «Ich frage mich, was in seinem Kopf vorging. Von einem Tag auf den anderen war er der Held von Millionen Menschen.» Stolz ist Mann, der bei Air France Pilot und Ingenieur war, darauf, dass er so viele Konkurrenten hinter sich ließ. «Es gab noch nie einen Linienpiloten, der auch Astronaut war.»

Für Pesquet, der (wichtig für seine Mission) neben Englisch, Chinesisch, Spanisch und Deutsch auch Russisch spricht, ist der Weg in den Weltraum länger als sein Aufenthalt dort: Das Abenteuer begann für ihn am 20. Mai 2009 mit seiner Aufnahme in das europäische Astronautencorps. Es folgten sieben Jahre Training in den Ausbildungszentren Köln, Moskau und Houston. Seit 2014 steht fest, dass er in diesem Herbst zur ISS fliegt - in seiner Begleitung:  die US-Amerikanerin Peggy Annette Whitson (56) und der russische Kosmonaut Oleg Nowizki (45).

Pesquets ganzes Leben auf Erden ist bereits darauf eingestellt, nur im Weltraumrhythmus zu denken, zu handeln: Er lernt ein Raumschiff zu steuern, Experimente an Bord anzustellen, in den Weltraum auszusteigen und mit seinem Team auf Notsituationen zu reagieren. Er muss im Labortest Feuer in der Kabine überstehen, wird mit Zentrifugalkraft durch die Gegend geschleudert oder muss durch extrem enge Schluchten krabbeln, um sein Verhalten auf engstem Raum zu testen. Mit höchster Akribie wird an der perfekten Mission gearbeitet, damit Pesquet nach sechs Monaten wieder festen Boden unter den Füßen spüren darf.

Europas neue Astronautenklasse

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erstellt am 15.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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