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Kinodebüt : Düsteres Rache-Drama mit Peter Kurth

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Nach zwei Dekaden im Knast wird ein Doppelmörder vom Leben wenig herzlich begrüßt. Es geht um Schuld, Sühne und Rache in diesem äußerst düsteren Kinodebüt.

Längst gehört Peter Kurth zu den stärksten Darstellern in Deutschland. Und das, obwohl sich Kurths Bekanntheitsgrad noch in Grenzen hält.

2014 wurde er zwar von der Zeitschrift «Theater heute» zum Schauspieler des Jahres gekürt und erhielt 2016 den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Den Preis gab’s für die eindringliche Darstellung eines erkrankten Ex-Boxers im Film «Herbert».

Nun darf der 59-jährige Darsteller in einem ähnlich intensiven Drama erneut zur Schau stellen, was er kann: In «Zwischen den Jahren» schlüpft Kurth in die Rolle eines Zweifachmörders, der nach langer Haft versucht, sich ein neues Leben aufzubauen - von seiner Vergangenheit aber mit voller Wucht eingeholt wird.

Zwanzig Jahre ist die Tat her, ein grausamer Doppelmord. Becker (Kurth), dessen recht massiger Körper vom Leben gezeichnet und mit Tätowierungen überzogenen ist, hat dafür 18 Jahre gesessen. Damals gehörte er einer Rockergruppe an und tötete bei einem Raubüberfall Frau und Kind eines Familienvaters.

Auch wenn das zwei Dekaden zurückliegt - Dahlmann, so der Name des Hinterbliebenen, hat nichts vergessen, nichts vergeben und sinnt auf Rache. Als Stalker macht er Becker das Leben zur Hölle. Irgendwann sitzen sich beide in einer selten intensiven und toll gefilmten Dialogszene in einem chinesischen Restaurant gegenüber. Da ahnen die Kinobesucher: Weder für Becker noch für Dahlmann wird dieses Drama eine Erlösung bereit halten.

Dieses Drama ist der erste Kinofilm von Lars Henning, der bisher vor allem mit dem TV-Film «Kaltfront» in Erscheinung trat. Nun hat er mit «Zwischen den Jahren» einen Film von großer Trostlosigkeit und Düsternis gedreht. Dass er dafür ein so kongeniales Paar wie Kurth und den Österreicher Karl Markovics («Die Fälscher») als dessen Gegenspieler auf die Leinwand schickt, zahlt sich aus.

Auch handwerklich gibt es wenig zu monieren; fast routiniert erzählt uns Henning davon, unter welch großen Mühen Becker den Wiederaufbau einer Art von Leben nach der Haftentlassung angeht. Und wie seinem Protagonisten weder der Schäferhund, mit dem er als Wachmann nachts viele Runden dreht, noch die Putzfrau, die ihn bei sich aufnimmt, wirklichen Halt geben können. Geschickt auch, wie es Henning gelingt, an nur wenigen Stellen zu offenbaren, dass «Zwischen den Jahren» in und um Köln angesiedelt ist.

Mit seinem, in moralischer Hinsicht fragwürdigen Ende droht der Film manches von dem, was er zuvor erreicht hat, zunichte zu machen. Das Finale aber bietet auch reichlich Stoff zur Diskussion, regt zum Überlegen an. Man kann das nicht über jeden jungen deutschen Film sagen. Lars Henning stellt mit seinem Kinodebüt stattdessen herkömmliche Zuschreibungen und Kategorisierungen infrage.

Und so beschäftigt einen «Zwischen den Jahren» - die dräuende Musik tut ein Übriges - noch eine Weile: Wer ist hier Täter, wer Opfer? Wobei es vor allem einzelne Momente sind, die einem wieder und wieder ins Gedächtnis kommen. Nicht zuletzt die wunderbar eindringliche Szene beim Chinesen. Man wünscht dem hiesigen Kino weitere Nachwuchs-Filmemacher mit so viel Gefühl für Stimmung, Bildaufbau und Dramatik.

Zwischen den Jahren

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erstellt am 13.Mär.2017 | 12:12 Uhr

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